Kinder und Jugendliche in der Pandemie

Aktionen, Initiativen und Angebote, Stärkung von Kindern, Jugendlichen und Familien, Fachkräfte in der Pandemie, Forschung und mehr hier im Überblick.

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Aktionen und Initiativen

Kinder und Jugendliche sind Expert*innen ihrer Situation, sie kennen ihre Probleme und ihre Ängste, aber auch ihr Potential am besten. Partizipation ist die Grundlage, damit Kinder und Jugendliche ihre Probleme artikulieren und Lösungen entwickeln und einfordern können. Durch gelungene Partizipation können die Stimmen von Kindern und Jugendlichen in und außerhalb von Krisensituationen gehört werden. Deshalb ist es uns ein besonderes Anliegen, dass die Partizipation von Kindern und Jugendlichen auch in der Pandemie fortgeführt und weiterentwickelt wird. Informieren Sie sich über aktuelle und fortlaufende Maßnahmen:

In hessischen Kinderheimen leben über 12 000 Kinder und Jugendliche, auch für sie sie ist die Pandemie eine besondere Situation: Wie alle anderen Kinder und Jugendlichen erleben sie Distanzunterreicht, Einschränkungen der sozialen Kontakte und der Freizeitbeschäftigungen, viele machen sich Sorgen um die schulische und berufliche Zukunft oder um ihre Gesundheit.

Um die Partizipation in den Einrichtungen der Jugendhilfe zu fördern, veranstaltet das Landesjugendamt in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Berater Kinder- und Jugendvertretung Hessen und dem Landesheimbeirat einmal jährlich die sogenannte „Ronneburg-Tagung“ zur Fortbildung jugendlicher Heimrät*innen und Gruppensprecher*innen sowie der verantwortlichen Fachkräfte. Da die geplante Präsenzveranstaltung pandemiebedingt nicht durchgeführt werden konnte, wurde die Tagung an verschiedenen Terminen im Januar und Februar 2021 als Online-Veranstaltung nachgeholt. Dabei wurde auch der Landesheimrat neu gewählt. Dieser trägt maßgeblich dazu bei, dass Jugendliche sich aktiv in die Gestaltung des Einrichtungslebens einbringen können. Diese Partizipation ist ein wichtiger Faktor, damit Kinder und Jugendliche aus Krisen gestärkt hervorgehen und ein Zusammenhalt unter den Bewohner*innen entsteht. Kinder und Jugendliche gestalten die Einrichtung damit als sicheren Ort mit. Für dieses besondere Engagement hat der Minister für Soziales und Integration dem neuen Landesheimbeirat in einem Schreiben persönlich gedankt. Außerdem findet ein Austausch mit der Landesbeauftragten für Kinder- und Jugendrecht statt.

Um den Blick auf kreative Lösungen und neue Möglichkeiten im Umgang mit der pandemischen Situation zu richten, erstellt die Landesbeauftragte für Kinder- und Jugendrechte gemeinsam mit Makista e.V. Portraits von Kindern und Jugendlichen und ihre Lebensrealitäten in der Pandemie. Diese Portraits sollen zeigen, welche Ideen Kinder und Jugendliche in den Familien, Kitas und Schulen entwickelt haben, um den Lockdown selbstwirksam zu gestalten und wie es ihnen gelungen ist, ihre sozialen Beziehungen zu halten und zu entwickeln. Die Portraits werden in einer Wanderausstellung, einem Bildband, als Projektionen im Stadtbild oder einem Video dokumentiert. So zeigen sich Kinder und Jugendliche als selbst gestaltende Akteur*innen. Der problembezogene Fokus auf Kinder- und Jugendliche kann so lösungsorientiert gestaltet und in die Zeit nach der Pandemie überführt werden.
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In der Pandemie sind die Räume von Kindern und Jugendlichen geschrumpft. Damit sie sich ihre Räume symbolisch und auch ganz konkret wieder zurückholen können, fördern wir 50 Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche im öffentlichen Raum in ganz Hessen. Diese Veranstaltungen sind als Raum der Teilhabe und der kulturellen Praxis zu verstehen, gleichzeitig aber auch als Lernort für den Umgang mit Vielfalt, Teilhabe und Aushandlung. Während der Corona-Pandemie war die Freizeitgestaltung das, was den jungen Menschen am meisten gefehlt hat (vgl. JuCo II). Durch unsere Einladung an die Jugendlichen möchten wir unsere Wertschätzung und Anerkennung für ihre Disziplin, ihren Verzicht und ihre Rücksichtnahme im vergangenen Jahr zum Ausdruck bringen.

Am Weltkindertag machen wir mit 1,1 Millionen Windrädern auf die 1,1 Millionen hessischen Kinder und Jugendlichen und auf ihre Rechte aufmerksam. Mit der Aktion möchten wir einerseits die Kinder- und Jugendrechte in die Öffentlichkeit tragen und andererseits auf die Verantwortung von uns Erwachsenen hinweisen, Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg in die Welt fürsorglich zu begleiten.

Um die Partizipation von Jugendlichen auch langfristig weiterzuentwickeln, fördert das Hessische Ministerium für Soziales und Integration im neuen Jugendaktionsprogramm Partizipation über einen Zeitraum von drei Jahren eine Vielzahl von verschiedenen Projekten. Sie sollen Jugendlichen die Möglichkeit bieten, das eigene Lebensumfeld aktiv und kreativ zu gestalten. Diese Projekte werden wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Das Jugendaktionsprogramm ermöglicht Jugendlichen damit, ihre Interessen, Ideen und Positionen zu entwickeln und zu artikulieren. Sie gestalten demokratisch ihr eigenes Umfeld und auch die Gesellschaft. Das Programm läuft von Januar 2022 bis Ende 2024.

Mit einer Awareness-Kampagne zum Weltkindertag am 20. September 2021 sollen die Räume von Kinder und Jugendlichen wieder in den Fokus gerückt werden. Am Weltkindertag stellen Kinder in ganz Hessen deshalb Windräder auf und nehmen so symbolisch ihren Platz im öffentlichen Raum wieder ein.
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Für Multiplikator*innen, Fachkräfte, Ehrenamtliche, Schüler*innen und Mitglieder von Jugendparlamenten bietet der hessische Jugendring mit Förderung des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration ein Fachforum zu Vielfalt und Qualität in der Jugendbeteiligung an. Hier wird diskutiert, wie Jugendbeteiligung in den verschiedenen Formaten (beispielsweise kommunale Jugendbeteiligung, Jugendringe, offene Kinder- und Jugendarbeit und Schüler*innenvertretungen) gut gelingt und wirksam wird. So können Konzepte für gelingende Jugendbeteiligung auch in der Pandemie weiterentwickelt und gegebenenfalls an die Bedingungen der Pandemie angepasst werden. Das Fachforum wird im September 2021 stattfinden.
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Mit einem Kinder- und Jugendrechte-Monitoring wollen wir die Situation der Kinder- und Jugendrechte in Hessen beleuchten, einen Überblick über die Situation der Kinder- und Jugendlichen bekommen und gegebenenfalls passgenaue Maßnahmen entwickeln, um die Kinder- und Jugendrechte in Hessen noch besser verankern.

Stärkung von Familien

Viele Familien hat die Pandemie-Situation mit Homeoffice und Home Schooling an ihre Grenzen gebracht. Deshalb sind Beratungs- und Hilfsangebote für Familien, Kinder und Jugendliche wichtig wie nie. Hessen hat hierauf besonderes Augenemerk gelegt, zudem Fachkräften geholfen, um die Resilienz von Kindern und Jugendlichen stärken zu können.

Die Kinder- und Jugendhilfe trägt zum Schutz und zur Förderung von Kindern und Jugendlichen bei. Es ist daher besonders in einer belastenden Situation wie der Pandemie besonders wichtig, dass die Jugendhilfe weiterarbeiten kann. Nur so können alle Familien erreicht werden, die Unterstützung benötigen. Deshalb ermöglicht die hessischen Corona-Verordnungen diese wichtige Arbeit auch in der Pandemie. Ab einem gewissen Alter treten die Beziehungen zur Familie in den Hintergrund und die Kontakte zu Freund*innen gewinnen an Priorität. Die Angebote der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit wurden deshalb in einem sicheren Rahmen erhalten und können auch während der Pandemie in Gruppen von bis zu fünf Personen stattfinden. Voraussetzung ist lediglich, dass die Kontakte erfasst werden und ein Hygienekonzept erstellt wurde. Angebote wie beispielsweise Hausaufgabenbetreuung, Spielenachmittage, Dance-Camps, Garten- und Graffitiprojekte sind so weiterhin möglich.Abseits dieser Angebote ist es aber auch wichtig, dass Jugendliche ihre Freizeit unabhängig von Institutionen und der Betreuung von Erwachsenen ausgestalten. Diese individuelle Freizeit erfüllt wichtige soziale Funktionen, die kein Angebot der Jugendsozialarbeit ersetzen kann. Jugendliche werden sich trotz geltender Abstands- und Hygienebestimmungen somit immer auch ihre Freiräume suchen.

Viele Kinder und Jugendliche empfinden die pandemische Situation als belastend und wünschen sich in dieser Zeit ein offenes Ohr, Ermutigung oder einen hilfreichen Rat für ihre Situation – mit oder ohne Krise. Deshalb bieten viele Kommunen und psychosoziale Organisationen hessenweit und bundesweit Gesprächsmöglichkeiten für unterschiedliche Problemlagen an. Um die Angebote an einer zentralen Stelle zu bündeln hat die Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration die Homepage https://offeneohren-hessen.de/Öffnet sich in einem neuen Fenster eingerichtet.

Durch die Einschränkung der Freizeitmöglichkeiten und der gleichzeitigen Verlagerung von Bildung in den virtuellen Raum, gewinnt das Thema Mediennutzung an Bedeutung. Es ist deshalb wichtig, Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachkräfte in der Jugendarbeit über Rechte im Netz aufzuklären und für die Chancen und Risiken bei der Mediennutzung zu sensibilisieren. Hierzu hat das Institut für Medienpädagogik und Kommunikation mit Förderung des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration online Vorträge und Diskussionen zu den Anforderungen moderner Jugendarbeit angeboten.

In den hessischen Familienzentren sind Menschen aller Generationen und Kulturen willkommen. Die Einrichtungen schaffen Bildungs- und Erziehungsangebote, bieten Kinderbetreuung und Elternberatung an und veranstalten Kurse, Seniorenkreise oder Freizeitaktivitäten. Auch mit regelmäßigen Begegnungen in offenen Treffpunkten und gemeinsamen Aktivitäten tragen die Zentren dazu bei, gemeinschaftliches Miteinander zu stärken. Bei all diesen Angeboten beweisen die hessischen Familienzentren in der Pandemie Kreativität: Beratungsangebote werden ins Netz verlegt, Aktionen finden draußen und mit Abstand statt. Zum Jahresbeginn hat das Hessische Ministerium für Soziales und Integration die Förderung für die Zentren erhöht und damit in ein wirkungsvolles Unterstützungsmodell für Familien investiert. Mit insgesamt 188 Familienzentren steht nun in über 40% der Kommunen ein Familienzentrum zur Verfügung. Seit Oktober 2020 wird darüber hinaus eine Landesservicestelle Familienzentren in Hessen gefördert. Die bei der „Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie“ in Bensheim angesiedelte Koordinierungsstelle bietet den lokalen Familienzentren fachliche Unterstützung mit Informations- und Beratungsangeboten und fördert auch die Vernetzung der Zentren untereinander.

Die Lockerung der Corona-Regeln Ende Mai ermöglicht Kinder- und Jugendarbeit wieder in breitem Umfang, sowohl gruppenbezogene, als auch offene Angebote der Jugendarbeit sind wieder durchführbar. Damit geben wir den Trägern Planungssicherheit, um Freizeitangebote für die Ferien entwickeln und planen zu können. Zusätzlich dazu werden im Herbst Ferienfreizeiten und Urlaube für Kinder, Jugendliche und Familien durch das Bundesaktionsprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ finanziell unterstützt. Um allen Kindern und Jugendlichen bezahlbare Ferienreisen zu ermöglichen, fördert das Land Jugendreisen und Kinderfreizeiten pauschal pro Tag und Person. In der Pandemie wurden die Förderrichtlinien angepasst: Eine Förderung ist jetzt auch bei kürzeren Angeboten möglich. So können die Träger innovative, pandemietaugliche Konzepte verwirklichen und kürzere Angebote vor Ort oder hybride Projekte realisieren. Hessischen Kindern und Jugendlichen wird es damit ermöglicht, auch in der Pandemie ihre Ferien aktiv zu gestalten und Neues zu erleben.

Die Pandemie, die Kontaktbeschränkungen, die damit einhergehende Isolation, und die eingeschränkten Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen, wirken sich auch auf die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in Hessen aus. Obwohl die Mehrheit der Jugendlichen von geringen Belastungen berichtet, fühlen sich 45% der Jugendlichen belastet und haben Angst vor der Zukunft. Außerdem ist das Risiko für psychische Auffälligkeiten von rund 18 % vor Corona auf 31% während der Krise angestiegen.

In Hessen zeigt sich eine Zunahme bei den Essstörungen, beim Substanzmissbrauch, den Depressionen und den Angsterkrankungen, außerdem beim suizidalen Verhalten und dem pathologischen Medienkonsum. Es ist zudem davon auszugehen, dass psychische Probleme derzeit teilweise nicht erkannt werden, auch weil die soziale Exposition fehlt. Schulverweiger*innen und Schüler*innen, die unter Mobbing leiden, bietet der Distanzunterricht eine Rückzugsmöglichkeit in eine für sie geschützte Welt. Bei der Rückkehr in die Schule und der Wiederaufnahme von sozialen Kontakten benötigen diese Schüler*innen besondere Unterstützung.

Gleichzeitig verfügen Kinder und Jugendliche über Schutzfaktoren, die es ihnen ermöglichen, die Herausforderungen der Pandemie zu bewältigen, ohne dass die psychische Gesundheit langfristig leidet. Nicht jede Schwierigkeit und nicht jede*r Jugendliche sollte deshalb psychiatrisiert werden. Nach Auskunft der KVH hat sich die Anzahl der Kinder und Jugendlichen in psychotherapeutischer Behandlung während der Pandemie nicht deutlich erhöht

Für Kinder und Jugendliche in psychischen Notsituationen wird auch während der Pandemie eine hinreichende medizinische und therapeutische Versorgung sichergestellt. Dabei ist eine verlässliche und tragfähige Kooperation mit der Jugendhilfe ein unverzichtbarer Bestandteil, um bedarfsgerechte Angebote zu entwickeln. Bei dieser besonderen Herausforderung unterstützt die Hessische Landesregierung die stationären und ambulanten Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrien in Hessen. Im Austausch mit den Direktor*innen der kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken in Hessen werden gemeinsam Maßnahmen und Lösungsansätze entwickelt.

Kinder und Jugendliche hatten über mehrere Monate teilweise keinen Präsenzunterricht und gehen altersbedingt nicht mehr in den Hort oder die Notbetreuung. Sie wurden also über Monate nicht oder zumindest nicht im gewohnten Umfang von Erzieher*innen oder von Lehrer*innen gesehen. Gleichzeitig fielen die Angebote der Sportvereine und damit eine soziale Aktivität weg. Andere soziale Aktivitäten sind zumindest für die über 14-jährigen kaum möglich, weil sie unter die Kontaktbeschränkungen fallen. Die Situation von Kindern und Jugendlichen muss daher auch nach Ende der Pandemie beobachtet werden, die Bedürfnisse der Jugendlichen und die Herausforderungen, vor denen sie stehen, müssen analysiert und Maßnahmen zu Unterstützung entwickelt werden. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration wird dazu intern eine fachübergreifende Analyse durchführen, die Bedürfnisse und Handlungsmöglichkeiten identifizieren und daraus konkrete Maßnahmen ableiten.

Fachkräfte in d. Pandemie

Die Pandemie zeigt einmal mehr, wie wichtig die Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung und in der Kinder- und Jugendhilfe für die soziale Infrastruktur sind. Ihre Tätigkeit ist gerade in Pandemiezeiten und den damit verbundenen hohen Belastungen für Eltern, Kinder und Jugendliche für unsere Gesellschaft von besonderer Bedeutung.

Außerschulische Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit handeln lebenswelt- und ressourcenorientiert und beziehen den Sozialraum mit ein. Sie bieten Kindern und Jugendlichen Orte des Lernens und Erfahrens und schaffen Zugänge zu Bildung und Teilhabe für diejenigen, die gesellschaftlich ausgeschlossen und benachteiligt werden. Kinder und Jugendliche mit Ausgrenzungserfahrungen finden hier einen Raum, um die eigenen Stärken sowie die Ressourcen ihrer Lebensumwelt zu erkennen und zu nutzen. Viele dieser Einrichtungen sind in benachteiligten Quartieren beheimatet. Um Kinder und Jugendliche aus diesen Quartieren auch während der Pandemie zu stärken, haben die Einrichtungen schnell agiert und ihre Angebote und Projekte an die derzeitige Lage angepasst. Die besten Projektbeispiele aus der Praxis wurden in einer Broschüre zusammengefasst. Die Broschüre ist auf der Webseite der LAG Soziale BrennpunkteÖffnet sich in einem neuen Fenster verfügbar. Sie gibt den Fachkräften Projektideen für die eigene Praxis mit an die Hand – Projektbeispiele, die praxiserprobt sind und die Bedingungen der Corona-Pandemie mitdenken.

Die Fachkräfte in den Einrichtungen und Diensten der Kinder- und Jugendhilfe setzen sich täglich für ein gutes und gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen, für die Unterstützung von Familien, für die Förderung junger Menschen und den Schutz des Kindeswohls ein. Hier arbeiten Menschen mit hoher Kompetenz, immensem Einsatz und vor allem auch hoher Identifikation mit ihrer Aufgabe. Im Bereich der Jugendhilfe unterstützt das Land deshalb die Träger und Kommunen: Den Fachkräften stehen zahlreiche landesgeförderte Fortbildungsangebote zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten, wie sexualisierter Gewalt, Kinderschutzwissen, Traumata und Gesprächsführung offen. Die Fortbildungen sind vielfach im Onlineformat organisiert und somit leicht zugänglich.

Von den neuen digitalen Ansätzen in der Jugendarbeit werden Fachkräfte und Jugendliche auch nach der Pandemie profitieren. Um die Erfahrungen mit digitaler Jugendarbeit zur multiplizieren und die verschiedenen Akteur*innen miteinander zu vernetzen, fördern das HMSI das Projekt „Jugendarbeit online“ von „NODE – Verein zur Förderung Digitaler Kultur e.V.“. Erster Meilenstein des Projektes ist die Veröffentlichung eines regelmäßigen NewslettersÖffnet sich in einem neuen Fenster für Fachkräfte in Hessen zum Thema Jugendarbeit.

Wie kann es insbesondere in Zeiten der Pandemie gelingen, die Resilienz von Kindern in der Kindertagesbetreuung zu befördern und ihnen Stabilität und Sicherheit zu geben? Zu dieser und weiteren Fragen bieten wir den Fachkräften der Kindertagesbetreuung Austausch- und Informationsforen an. Dabei werden der Stand der Wissenschaft dargelegt, Konsequenzen für die Kindertagesbetreuung gezogen und die pädagogische Handlungsfähigkeit und Selbstfürsorge gestärkt. Daneben bieten die Foren auch die Möglichkeit zum Austausch der Fachkräfte untereinander. In Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle Kinder mit Fluchthintergrund (Karl-Kübel-Stiftung) wurde ein ähnliches Online-Format mit spezifischem Blick auf Kinder mit Fluchthintergrund und ihre Familien angeboten. Die Landesservicestelle „Hessisches Kindertagespflegebüro“ hat zudem ein Format für Tagespflegepersonen und Fachberatungen in der Kindertagespflege mit ähnlichem Schwerpunkt enwickelt. Außerdem bietet die Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung im Auftrag des Landes Fortbildungen zur Gesundheitsförderung in Kitas für Leitungen und Fachberatungen von Kindertageseinrichtungen an. Darüber hinaus startet ab Herbst eine zwölfteilige Workshopreihe „Gesundes Führen in der Kindertagesbetreuung auf der Grundlage des BEP für Kita-Leitungen in Hessen". Auch für 2022 sind bereits Fachveranstaltungen zu gesunden Rahmenbedingungen in der Kita geplant. Zur Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsplans für Kinder von 0-10 Jahren im Hessen (BEP) steht ein umfassendes Fortbildungs- und Beratungsangebot für den Elementar- und Primarbereich zur Verfügung; die rund 200 BEP-Fortbildner*innen greifen auch die Pandemie in den Fortbildungen auf und setzen an den Unterstützungsbedarfen der Fachkräfte an.

Erzieher*innen und Kindertagespflegepersonen können in ihrer täglichen Arbeit die Abstandsregeln nicht immer strikt befolgen. Die Kinderbetreuung unter Pandemiebedingungen ist damit bei Erzieher*innen und Kindertagespflegepersonen oft mit Sorgen verbunden. Diese Sorgen nehmen wir ernst. Durch Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen in Kitas und Kindertagespflege kann die Übertragungswahrscheinlichkeit deutlich gesenkt und Infektionsrisiken minimiert werden. Die Einrichtungen sind daher verpflichtet, Hygienepläne zu erstellen und einzuhalten. Um den Fachkräften diese Aufgabe zu erleichtern und die Kommunen und Träger zu unterstützen, hat das Hessische Ministerium für Soziales und Integration ein Hygienekonzept zum Schutz von Kindern und Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen erstellt, an dem sich die Einrichtungen orientieren können. Um den Erzieher*innen und Tagespflegepersonen zusätzliche Sicherheit zu geben, können sie sich seit August 2020 kostenfrei und anlasslos testen lassen. Ende Februar wurden die Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung außerdem in der Impfreihenfolge hochgestuft.

Corona hat neben der individuellen Situation der Jugendlichen auch die Gestaltung von Gruppenprozessen verändert. Das stellt die Arbeit der Jugendverbände vor neue Herausforderungen. Die vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration geförderte Jahrestagung der Jugendreferent*innen hat sich daher in diesem Jahr der Reflexion der pandemischen Situation und ihrer Auswirkungen auf die Jugendbildung und der Arbeit und Rolle der Jugendreferent*innen in der Pandemie gewidmet.

Forschung

Nur wenn genug über das Virus, dessen Ausbreitungswege und Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche bekannt ist, können Infektionen gezielt verhindert und Folgen für Kinder und Jugendliche mit zielgerichteten Maßnahmen abgefert werden. Deswegen hat das Hessische Ministerium für Soziales und Integration in entsprechende Forschung investiert.

Mit den SAFE-KiDS-Studien wird untersucht, ob von Einrichtungen der Kindertagesbetreuung ein besonderes Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion ausgeht. Die erste Studie (SAFE-KiDS I) wurde im Sommer 2020 unter der Leitung von Prof. Dr. Ciesek, Direktorin des Instituts für medizinische Virologie an der Universität Frankfurt, durchgeführt. Ein besonderes Infektionsrisiko von Kindern in Kindertageseinrichtungen konnte dabei nicht festgestellt werden. Allerdings wurde die Erhebung in Zeiten niedriger Inzidenz durchgeführt und ist somit nicht ohne Weiteres auf Situationen hoher Inzidenz übertragbar. Deshalb startete im Januar 2021 die Safe-KiDS-II-Studie. Mit der durch die britische Variante grundlegend veränderten Situation befasst sich die Safe-KiDS-III Studie.

Wie erleben Jugendliche die Corona-Pandemie? Dieser Frage sind die Universitäten Frankfurt und Hildesheim in ihrer zweiten Studie zu Jugend und Corona (JuCo II-Studie) nachgegangen, die im Februar veröffentlicht wurde. An der bundesweiten JuCo II-Studie haben sich über 7 000 Jugendliche ab 15 Jahren beteiligt, um von ihren Erfahrungen während der Corona-Krise zu berichten. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie stark unterscheiden. Die Pandemie engt die Mitgestaltungsmöglichkeiten und die privaten Lebensräume junger Menschen stark ein, insbesondere autonomer Raum geht verloren.

Zudem gibt es ein großes Bedürfnis danach, von Politik und Gesellschaft gehört zu werden. Das bestätigt den hessischen Kurs, die Partizipation von Jugendlichen weiter zu stärken und auszubauen. Für spezifische Erkenntnisse hat die Landesbeauftragte für Kinderrechte die Auswertung der Daten für Hessen in Auftrag gegeben. Zum Weltkindertag werden sie in einer Publikation zusammen mit qualitativen „Lebensweltinterviews“ und Kinder- und Jugendlichen-Portraits veröffentlicht. So wird die Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen in Hessen veranschaulicht, der Leistung der jungen Generation Ausdruck verliehen und die Erwachsenen werden daran erinnert, in welcher Verantwortung sie stehen.

Die Studie der Frankfurt University of Applied Science (begonnen im Mai 2017) befasst sich mit der Rolle von offenen Räumen für soziales Lernen, Experimentieren, für eigentätige Aneignung und die Artikulation und Verfolgung der Bedürfnisse und Interessen von Jugendlichen. Vor dem Hintergrund um sich greifender rassistischer und rechtspopulistischer Tendenzen wurde außerdem untersucht, wie offene Räume in der Jugendarbeit im Sinne von konkreter Demokratiebildung genutzt werden können. Die Studie, die vor der Pandemie startete, wurde verlängert und untersucht in einem Zusatzkapitel die Auswirkungen der Pandemie auf Jugendhäuser.