Jugendhilfeeinrichtungen

Lesedauer:8 Minuten

Umgang mit Erkrankungsfällen in Jugendhilfeeinrichtungen

Die Sicherstellung des Wohls von Kindern und Jugendlichen in nach § 45 betriebserlaubnispflichtigen Einrichtungen obliegt in erster Linie den Einrichtungsträgern in Abstimmung mit den fallzuständigen Jugendämtern, Personensorgeberechtigten und Vormündern. Jede Entscheidung in Bezug auf die gesundheitliche Situation von betreuten Kindern und Jugendlichen oder in Bezug auf die Veränderung des Betreuungssettings ist mit diesen abzustimmen. Zudem stehen Einrichtungsträger in der Pflicht, alle für Sie gültigen Regelungen des Gesundheitsschutzes zu beachten und in Ihrer Einrichtung umzusetzen. Zum bestmöglichen Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der betreuten Kinder und Jugendlichen sind Hygienepläne nach § 36 IfSG vorzuhalten. Diese sollten überprüft und ggf. hinsichtlich der derzeit erhöhten Hygieneanforderungen aktualisiert werden.

Abhängig vom weiteren Verlauf der Pandemie ist damit zu rechnen, dass in Einrichtungen Verdachts- und Erkrankungsfälle bei einzelnen oder mehreren Kindern/Jugendlichen sowie bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auftreten können. Im Zuge dessen kann es auch zu Maßnahmen der Quarantäne bzw. der räumlichen Absonderung kommen. Grundsätzlich können und müssen erkrankte Kinder und Jugendliche in den Einrichtungen weiter betreut werden, soweit kein Krankenausaufenthalt erforderlich ist oder eine Beurlaubung nach Hause in Abstimmung mit den fallzuständigen Jugendämtern erfolgt. Alle Fragestellungen, welche die gesundheitliche Situation von Kindern, Jugendlichen und Mitarbeitenden sowie insbesondere den Umgang mit Verdachts-, Erkrankungs- und Quarantänemaßnahmen betreffen, sind mit den örtlichen zuständigen Gesundheitsämtern sowie ggf. den behandelnden Ärzten abzustimmen. Den Meldepflichten gegenüber den Gesundheitsämtern nach dem IfSG ist unbedingt nachzukommen. Anordnungen der Gesundheitsämter sind in diesen Fällen zwingend umzusetzen. Weiterhin ist den Meldeverpflichtungen nach § 47 SGB VIII gegenüber der Heimaufsicht nachzukommen, die auch Verdachts- und Erkrankungsfälle sowie damit verbundene Anordnungen der Gesundheitsämter umfassen.

In Zusammenhang mit Verdachts- und Erkrankungsfällen können Personalengpässe und die Notwendigkeit einer zeitweisen Anpassung des Betreuungsdienstes entstehen. Nach dem Erfordernis des Einzelfalls können bei Bedarf und in Abhängigkeit vom spezifischen Einzelfall, den konkreten Umständen in der Einrichtung und dem jeweiligen Betreuungsbedarf der Kinder und Jugendlichen kurzzeitige Abweichungen von den der Betriebserlaubnis zugrunde liegenden Betreuungsstandards zugelassen werden. In entsprechenden Fällen ist die unmittelbare Abstimmung mit der zuständigen Heimaufsicht beim örtlichen Jugendamt und gegebenenfalls dem Landesjugendamt zu suchen.