Flüchtlingspolitik

Medizinische Versorgung

Medizinische Untersuchungs- und Versorgungspassage (MUVP)

Die Medizinische Untersuchungs- und Versorgungspassage (MUVP) ist ein Bestandteil des Ankunftszentrums. In der MUVP werden alle in Hessen ankommenden Asylsuchenden erstuntersucht. Hierbei wird ein besonderer Fokus auf Anzeichen von Infektionserkrankungen und andere akut behandlungsbedürftige Erkrankungen gelegt. Zudem ist es gesetzlich vorgeschrieben bei Asylsuchenden ab dem vollendeten 15. Lebensjahr bei Aufnahme in eine Gemeinschaftsunterkunft eine Röntgenaufnahme der Lunge durchzuführen. Diese vorgeschriebenen Röntgen-Untersuchungen werden im Rahmen der Erstuntersuchung innerhalb der MUVP durchgeführt.

Darüber hinaus werden Asylsuchende durch ärztliche Beratungsgespräche im Beisein von Dolmetschern über die in Deutschland empfohlenen Schutzimpfungen aufgeklärt. Neben den empfohlenen Standardimpfungen werden z.B. saisonal auch Grippeimpfungen angeboten und durchgeführt. Wer nach den Beratungsgesprächen geimpft werden möchte, wird geimpft. Alle geimpften Kinder und Erwachsenen erhalten einen internationalen Impfausweis. Wer sich nach dem Beratungsgespräch nicht impfen lassen möchte wird nicht geimpft, da es in Deutschland keine Impfpflicht gibt. Bereits bei der Erstuntersuchung werden Menschen mit besonderem Versorgungsbedarf identifiziert. Gemäß EU Richtlinie 2013/33/EU sind schutzbedürftige Personen unter anderem Minderjährige, Behinderte, ältere Menschen, Schwangere, Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern oder Personen mit schweren körperlichen Erkrankungen. Ergänzend hierzu werden Personen mit besonderem Fürsorgebedarf erkannt. Das medizinische Personal trifft bereits zu diesem Zeitpunkt Entscheidungen zur Unterbringung in speziell ausgestatteten Standorten für besonders Schutzbedürftige (Darmstadt Michaelisdorf) oder besonders Fürsorgebedürftige (Rotenburg), so dass die adäquate Unterbringung und weitere Versorgung gewährleistet ist.

Allgemeine gesundheitliche Versorgung an den Standorten

Einfache Erkrankungen und Verletzungen werden in den eigenen Ambulanzen an jedem Standort behandelt. Die ambulante Versorgung vor Ort wird durch einen rund um die Uhr verfügbaren Sanitätsdienst sowie durch ärztliche Sprechstunden gewährleistet. Weiterhin werden, bei Bedarf, ergänzende fachärztliche Sprechstunden (insbesondere Kinder- und Frauenärzte/-ärztinnen) angeboten. Bei geplanten Arztterminen außerhalb der Aufnahmeeinrichtung oder im Falle von Krankenhausbehandlungen wird im Vorfeld eine Kostenübernahmeerklärung zur Vorlage bei dem behandelnden Arzt ausgestellt. Von der Kostenerstattung erfasst sind gemäß § 4 Abs. 3 AsylbLG die amtlich empfohlenen Schutzimpfungen, Maßnahmen zur Not- und Akutversorgung, Leistungen bei Schwangerschaft und Geburt sowie Vorsorgeuntersuchungen. Zu geplanten ambulanten Terminen oder bei einer stationären Behandlung werden durch das Regierungspräsidium Gießen Übersetzer zur Verfügung gestellt.

Kinderärztliche Versorgung der Neugeborenen und Kinder

Die kinderärztliche Versorgung von Neugeborenen und Kindern im Erstaufnahmeverfahren ist sichergestellt. So finden die ersten beiden Vorsorgeuntersuchungen (U1 und U2) bereits nach der Entbindung im Krankenhaus statt. Die weiteren Vorsorgeuntersuchungen sowie die Impfungen der Neugeborenen und Kinder werden in der Regel von Kinderärzten/-ärztinnen innerhalb der Aufnahmeeinrichtung übernommen.

Versorgung von Schwangeren

Nach Feststellung einer Schwangerschaft wird insbesondere im Hinblick auf die mangelnde Versorgung während der Flucht und mangelnder medizinischer Versorgung in den meisten Herkunftsländern, eine erste vollumfängliche frauenärztliche Untersuchung der Schwangeren angeboten. Die „Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung“ (Mutterschaftsrichtlinien) definieren auch bei Asylsuchenden den weiteren Behandlungsumfang. Nach § 4 Abs. 2 AsylbLG sind werdenden Müttern und Wöchnerinnen ärztliche sowie pflegerische Hilfen und Betreuung, Hebammenhilfe, Arznei-, Verband- und Heilmittel zu gewähren. Demnach gilt für die Bewohnerin der Erstaufnahmeeinrichtung der gleiche Behandlungsumfang wie bei einer gesetzlich versicherten Schwangeren/Wöchnerin.