Flüchtlingspolitik

Strukturen in den Aufnahmeeinrichtungen

Ankommen

Im Ankunftszentrum kann eine hohe Anzahl an Asylsuchenden den Registrierungsprozess täglich durchlaufen. Nach Registrierung und Antragstellung im Ankunftszentrum werden die Asylbegehrenden vom Regierungspräsidium Gießen an verschiedenen Standorten der Erstaufnahme des Landes Hessen untergebracht. Hessen verfügt über mehrere Standorte, die im Rahmen eines Standortorganisationskonzeptes anhand von aktuellen Prognosen des Zu- und Abgangsgeschehens im Hinblick auf Bedarf und Haushaltswirtschaftlichkeit permanent analysiert werden. Eine zugrunde liegende Kapazitätsplanung unterscheidet zwischen aktiven und passiven Standorten und ermöglicht eine hohe Flexibilität bei einer schnellen Reaktionszeit, im Falle eines spontanen hohen Flüchtlingszuzugs. Gemäß § 47 Absatz 1 Asylgesetz sind Asylbegehrende grundsätzlich verpflichtet, bis zu sechs Monate in der für ihre Aufnahme zuständigen Aufnahmeeinrichtung zu wohnen.

Betreuung

Das Zusammenleben in großen Gemeinschaftsunterkünften erfordert eine gute Betreuung, um bei Bedarf jederzeit die notwendigen Hilfen einzuleiten. In den Außenstellen und Standorten wird die Sozialbetreuung von beauftragten Dienstleistern gewährleistet, so z.B. DRK, Malteser, Johanniter, EHC, ASB. Beim Land Hessen angestellte Sozialarbeiter bilden die Schnittstelle zwischen diesen Dienstleistern und der Standortleitung und achten unter anderem auf die Einhaltung der vom Land definierten Mindeststandards für eine qualifizierte und umfassende Sozialbetreuung für die in den Unterkünften untergebrachten Asylsuchenden.

Sprache

Seit Juli 2016 wird in den Aufnahmeeinrichtungen  ein vom Land Hessen konzipiertes Programm zur Vermittlung von Sprache und Werten durchgeführt. Dabei handelt es sich um einen niedrigschwelligen Sprachkurs, der sich an alle erwachsenen Asylsuchenden richtet.

Das jetzige Konzept beinhaltet folgende Überlegungen:

  • Niedrigschwellige Sprachlernangebote und Vermittlung gesellschaftlicher Grundwerte für alle Standorte der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung bereits kurz nach der Ankunft.
  • Grundgerüst an Themen, die an allen Standorten durchgenommen werden (zur Orientierung für Haupt- und Ehrenamtliche und um anschließende Integrations- und Sprachförderkurse nach der kommunalen Zuweisung besser angliedern zu können, da thematisch ähnlich, bzw. fortführend).
  • Modularer Aufbau zum leichten Einsteigen.

Im Allgemeinen sollen in den vom Land durchgeführten Sprach- und Wertekursen grundgesetzlich geschützte Werte wie Gleichberechtigung von Mann und Frau, Menschenwürde, Religionsfreiheit sowie die freie Entfaltung der Persönlichkeit (z.B. sexuelle Identität) vermittelt werden. Neben diesen grundlegenden Themen wird auf Inhalte wie Rechte von Frauen und Kindern ebenso wert gelegt wie auf den Umstand, Geflüchtete über hier geltende Gesetze und Regeln, Ämter und Behörden, unser Gesundheitssystem, ÖPNV, Polizei, Rettungsdient und die Möglichkeiten zur Kinderbetreuung aufzuklären. Neben der Sprachkompetenz wird somit auch kulturelle Kompetenz vermittelt. Dazu gibt es einzelne Module, die unabhängig voneinander durchgenommen werden können. Somit kann auf die durchschnittliche Verweildauer der Bewohnerinnen und Bewohner, als auch auf neue Zugänge flexibel reagiert und auch Rücksicht genommen werden.

Leistungen

Asylbegehrende erhalten während des Erstaufnahmeverfahrens Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Die Leistungsgewährung erfolgt in der Aufnahmeeinrichtung überwiegend durch Sachleistungen. So speisen die Asylbegehrenden etwa in einer Kantine. Zur Befriedigung des persönlichen Bedarfs erhalten Asylbegehrende in der Erstaufnahme ein Taschengeld als Barleistung.