Flüchtlingspolitik

umA

Was versteht man unter „umA“? Unter der Bezeichnung „umA“ versteht man minderjährige ausländische Kinder und Jugendliche, die ohne Personensorge- oder Erziehungsberechtigte nach Deutschland einreisen. Diese oftmals stark belasteten Kinder und Jugendlichen stellen eine besonders schutzbedürftige Personengruppe dar und stehen daher unter einem besonderen Schutz durch internationale Konventionen, das europäische Recht und nationale Regelungen. Der Kinderschutz, also die am Kindeswohl orientierten Vorgaben des Kinder- und Jugendhilferechts (Achtes Buch Sozialgesetzbuch - SGB VIII), hat hier Vorrang gegenüber den ausländer- und aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen.

Was geschieht bei Einreise einer/eines umA?

Die Institution oder Behörde, die als erstes Kenntnis von der Einreise der/des umA erhalten hat, informiert das örtlich zuständige Jugendamt. Das Jugendamt führt daraufhin ein Erstgespräch mit der/dem umA sowie im weiteren Verlauf das sogenannte Erstscreening durch. Hierin wird durch das Jugendamt beispielsweise geprüft, ob der junge Mensch minderjährig ist, Familienbindungen vorhanden sind oder die Flucht alleine oder in einem Verbund stattgefunden hat. Weiterhin wird festgestellt, ob sie/er gemäß der zwischen den Bundesländern vereinbarten Aufnahmequote in Hessen verbleibt oder in ein anderes Bundesland weitergeleitet werden kann. Jene umA, die in Hessen bleiben, werden vom zuständigen Jugendamt in Obhut genommen und das Clearingverfahren wird durchgeführt. Die Kinder und Jugendlichen sind in dieser Zeit grundsätzlich in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht. Im Clearingverfahren wird z.B. die Frage der rechtlichen Vertretung (Vormundschaft) der/des umA geklärt und ggf. beim Familiengericht ein Vormund bestellt. Ab diesem Zeitpunkt haben umA wie alle anderen Flüchtlinge das Recht, eine Schule zu besuchen (dies gilt nicht während des Aufenthaltes in einer Aufnahmeeinrichtung des Landes). Weitere Fragestellungen, die im Clearingverfahren vertieft geklärt werden, sind:
• Hat die/der umA verwandte Personen im In- oder Ausland und ist es möglich, die Familie zusammen zu führen?
• Wie ist die psychische und körperliche Verfassung sowie der Gesundheitszustand der/des umA?
• Welche Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe benötigt der junge Mensch weiterhin?
• Welche Perspektiven hat die oder der umA, können individuelle Ressourcen des jungen Menschen genutzt und ausgebaut werden?
Nach Abschluss des Clearingverfahrens wird je nach Bedarf eine Hilfe zur Erziehung nach dem SGB VIII eingeleitet. Häufig leben die umA dann in einer sozialpädagogischen Wohngruppe.

Kostenerstattung durch das Land Hessen

Die für die Unterbringung, Versorgung und Betreuung von umA in Hessen entstehenden Kosten werden nach den Bestimmungen des SGB VIII vom Land getragen. Über diese Kostenerstattung hinaus werden in Hessen die Jugendämter der kreisfreien Städte, Sonderstatusstädte und Landkreise für die Betreuung der umA durch das Land unterstützt, indem ihnen Kosten für das Personal, welches diese Aufgaben in den Jugendämtern übernimmt, erstattet werden.

Weitere Unterstützung durch das Land Hessen

Weiterhin stellt das Land Hessen den Jugendämtern zu verschiedenen Themen praxisorientierte Arbeitshilfen und  Handlungsempfehlungen zur Verfügung und steht den Jugendämtern beratend und unterstützend zur Seite.

InteA
Hessen sieht auch die dringende Notwendigkeit, ausreichende Schulplätze für umA mit intensiver Sprachförderung zur Verfügung zu stellen und hierbei auch den Übergang von Schule in den Beruf besonders in den Blick zu nehmen. Dazu wird mit dem Förderprogramm „InteA“ (Integration durch Anschluss und Abschluss) ein erster Anknüpfungspunkt geboten. Das Förderkonzept wurde gemeinsam vom Hessischen Kultusministerium (HKM) und dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) für die künftige Beschulung von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern ohne Deutschkenntnisse, wie umA, erarbeitet. Ergänzende Unterstützung erfährt dieser Baustein durch ein sozialpädagogisches Angebot, welches durch das HMSI finanziert wird.

Psychosoziale Beratung und Betreuung
Hessen fördert auch den weiteren Ausbau des psychosozialen Beratungsangebotes speziell für umA.  Dies umfasst die psychosoziale und psychiatrische Beratung und Betreuung von traumatisierten umA sowie die traumapädagogische Qualifizierung von pädagogischen Fachkräften, die in der stationären und ambulanten Jugendhilfe arbeiten (z.B. FATRA e.V. – Frankfurter Arbeitskreis Trauma und Exil). Ziel ist, umA, die aufgrund von Erlebnissen in ihrem Heimatland und der Flucht unter Traumafolgestörungen leiden, fachliche Hilfe und Unterstützung bei der Bearbeitung und Bewältigung ihrer Erlebnisse zu bieten.