Arbeitsschutz

Gesundheit und Leben von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern stehen unter einem weit reichenden gesetzlichen Schutz. Allerdings sind Frauen im Arbeitsleben anderen Belastungen und Beanspruchungen ausgesetzt als Männer: Sie arbeiten oft in anderen Berufen und sind häufiger als Männer als Teilzeitkräfte oder in Zeitarbeit beschäftigt.
Bisher liegen nur für einige Branchen ausreichende Erkenntnisse darüber vor, welche Gesundheitsrisiken für die Frauen mit diesen Formen der Tätigkeit verbunden sind.

Es ist die Aufgabe des Arbeitsschutzes, sicherzustellen, dass Arbeitnehmerinnen – auch während der Schwangerschaft und als Mutter – vor Unfällen und Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz geschützt werden. Dazu werden technische, soziale und medizinische Aspekte berücksichtigt; aber auch Fragen der menschengerechteren Arbeitgestaltung sowie der Vermeidung von psychischen Belastungen spielen für den Arbeitsschutz eine Rolle.

Haben Frauen und Männer gleiche Chancen auf gesunde und sichere Arbeitsbedingungen?

Gleiche Chancen auf gesunde und sichere Arbeitsbedingungen für Männer und Frauen - auch in atypischen Beschäftigungsverhältnissen? Dieser Frage ist der Bericht „Geschlechterperspektive im Arbeits- und Gesundheitsschutz: Betriebliche Gesundheitsförderung geschlechtersensibel gestalten – neue Aufmerksamkeiten für atypische Beschäftigungsverhältnisse“ der 22. Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen, -minister, -senatorinnen und –senatoren (GFMK) der Länder im Juni 2012 nachgegangen.
Der Wandel der Arbeitswelt bedingt weitere gesundheitliche Belastungen für Frauen und Männer. Seit Mitte der 1990er Jahre sind die Erwerbstätigenzahlen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen stark angestiegen, am stärksten ist der Trend bei den Minijobs. Frauen sind in atypischen Beschäftigungsverhältnissen überproportional vertreten. Auch Männer sind zunehmend atypisch beschäftigt (z.B. in Zeitarbeit, mit Werkverträgen, als Solo-Selbständige im Baugewerbe, in der industriellen Reinigung oder in der Montage).
„Prekäre Beschäftigungsverhältnisse“ und drohende Arbeitslosigkeit bergen Gesundheitsrisiken für Frauen und Männer. Belastungskonstellationen, wie psychosoziale Belastungen z.B. durch Zeitdruck, Mangel an Arbeitsgestaltungsmöglichkeiten und an Wertschätzungen, geringes Einkommen und ein unsicherer Status, erhöhen die das Risiko arbeitsbedingter chronischer Erkrankungen atypisch Beschäftigter.
Ein weiterer Faktor, der sich das Berufsleben auswirkt, ist der unterschiedliche Umgang von Frauen und Männern mit ihrer Gesundheit, Krankheit und Gefährdungen am Arbeitsplatz.

Um ein gleichwertiges Schutzniveau und menschengerechte Arbeit auch für atypisch Beschäftigte zu gewährleisten, sind diese bei der Beurteilung von Gefährdungen am Arbeitsplatz, bei Belastungen und Risiken in der Arbeitswelt, bei den arbeitsbedingten Erkrankungen und Fehlzeiten, bei Berufskrankheiten und Arbeitsunfällen einzubeziehen. Die Belange atypisch beschäftigter Frauen und Männer können nur dann gleichermaßen erfasst werden, wenn die Geschlechterperspektive bei der Erstellung und Fortschreibung der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung, bei Informationen und Unterweisungen zum Arbeitsschutz, in die betriebliche Arbeitsschutzorganisation und betriebliche Gesundheitsförderung einbezogen wird. Insbesondere wegen der wachsenden Bedeutung atypischer Beschäftigung und der längerfristig zu befürchtenden Negativauswirkungen, muss die Schaffung und der Erhalt sicherer und gesunder Arbeitsbedingungen bei Frauen und Männern in atypischen Beschäftigungsverhältnissen mit Priorität auf die Agenda des Arbeits- und Gesundheitsschutzes und der betrieblichen Gesundheitsförderung genommen werden.

Der vorliegende Bericht ist eine Ergänzung des Berichtes „Geschlechtergerechte Praxis im Arbeitsschutz und in der betrieblichen Gesundheitsförderung“ der 21. GFMK 2011. Er leistet mit der Erörterung der Frage, inwieweit für Frauen und Männer in atypischen Beschäftigungsverhältnissen geschlechtsspezifische Unterschiede festzustellen sind, einen Beitrag zur Vertiefung des Sach- und Informationsstandes.