Neues Faktorverfahren

Mehr Netto für Frauen

Ab 2010 Verbesserungen beim Lohnsteuerabzug für verheiratete Frauen

(siehe Fußnote 1)

Bisher konnten erwerbstätige Ehepaare statt der Steuerklassenkombination IV/IV (gesetzlicher Regelfall) auf Antrag auch die Steuerklassenkombination III/V wählen.

Steuerklassenkombination IV/IV

Bei der Steuerklassenkombination IV/IV bleibt die steuermindernde Wirkung des Ehegattensplittings unberücksichtigt. Die Eheleute werden während des Jahres praktisch wie Ledige behandelt und zahlen bei unterschiedlichen Einkommen zu viele Steuern. Dies wird erst bei der jährlichen Einkommensteuerveranlagung berichtigt.

Steuerklassenkombination III/V

Bei der Steuerklassenkombination III/V tritt eine unverhältnismäßig hohe monatliche Lohnsteuerbelastung für die nach der Lohnsteuerklasse V besteuerten Ehepartnerinnen oder –partner auf. Betroffen davon sind mehr als 90% Frauen. Deshalb erscheint ihnen die Aufnahme einer sozialversicherungs- und steuerpflichtigen Erwerbstätigkeit oft nicht lohnenswert. Das geringere Nettoeinkommen der Frauen führt für sie darüber hinaus beim Bezug von Entgeltersatzleistungen wie Arbeitslosengeld, Krankengeld und Mutterschafts- und Elterngeld zu geringeren Leistungen.

Neu: Steuerklassenkombination IV-Faktor/IV-Faktor

Seit dem 1.1.2010 können Ehepaare auf Antrag auch die Steuerklassenkombination IV/IV mit einem zusätzlichen Faktor wählen (siehe Fußnote 2). Der Faktor, der vom Finanzamt ermittelt wird, ist ein Multiplikator, der die steuermindernde Wirkung des Ehegattensplittings bereits beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt und diese schon beim monatlichen Abzug auf beide Eheleute nach ihren tatsächlichen Einkommensanteilen verteilt. Außerdem kommen mit der Steuerklassenkombination IV-Faktor/IV-Faktor - wie bereits heute in der Steuerklassenkombination IV/IV - sowohl dem Ehemann als auch der Ehefrau mindestens die ihnen persönlich im Lohnsteuerabzug zustehenden Steuerentlastungen (Grundfreibetrag, Vorsorgepauschale, Sonderausgaben-Pauschbetrag, ggf. Kinderfreibeträge) zu Gute.

Vorteil: Mehr Netto für Frauen

Damit wird erreicht, dass in der Regel die Ehefrauen mehr Nettoentgelt erhalten, sodass

  • es sich für mehr Frauen lohnt, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen und
  • Entgeltersatzleistungen, die sich am Nettoeinkommen orientieren, höher ausfallen.

Für viele Ehefrauen bringt das Faktorverfahren mehr ‚Netto‘. Besonders groß ist der Unterschied im Vergleich zur Steuerklassenkombination III/V.

Für Ehemänner bringt das Faktorverfahren im Vergleich zur Steuerklassenkombination IV/IV ebenfalls meistens mehr ‚Netto‘, im Vergleich zur Steuerklassenkombination III/V jedoch oft deutlich weniger ‚Netto‘.

Vorteil: Lohnsteuersumme entspricht recht genau der Jahreseinkommensteuer

Die Summe des Lohnsteuerabzugs des Ehepaares entspricht recht genau der voraussichtlichen Jahressteuer im Splittingverfahren. Es gibt weniger Steuernachzahlungen als bei der Steuerklassenkombination III/V.

1) In der Lohnsteuerklasse V beträgt der Anteil der Frauen ca. 93%. Daher werden exemplarisch die Verbesserungen für Frauen durch das Faktorverfahren hervorgehoben. Diese Verbesserungen gelten selbstverständlich auch für die weniger als 10% Ehemänner, die bislang die Steuerklasse V haben.

2) Bei der Beantragung des Faktorverfahrens handelt es sich um einen „Steuerklassenwechsel“, der – wie bisher beim Wechsel von IV/IV nach III/V oder umgekehrt – im laufenden Kalenderjahr grundsätzlich nur einmal erfolgen kann. Auch macht die Anwendung des Faktorverfahrens – wie bisher bei der Steuerklassenkombination III/V – die Abgabe einer Einkommensteuererklärung für das betreffende Kalenderjahr erforderlich.

Beispiel zur Verdeutlichung der Vorteile des Faktorverfahrens

Am Beispiel eines Ehepaares mit einem monatlichen Bruttoeinkommen in Höhe von 5.000 € werden die Effekte deutlich.
Die Frau in diesem Beispiel erzielt ein Bruttoeinkommen in Höhe von 1.500 €, der Mann in Höhe von 3.500 €.
Die nachstehende Grafik zeigt die monatliche Steuerlast der Frau, des Mannes und die Gesamtsteuerlast des Ehepaares bei den einzelnen Steuerklassenkombinationen sowie das Brutto- und Nettoeinkommen der Frau.

Wie funktioniert das neue Verfahren?

  • Antrag bei Finanzamt zu Wahl des Faktorverfahrens
    Die Eheleute beantragen gemeinsam beim Finanzamt, dass das Faktorverfahren angewendet werden soll.
    Der Faktor kann formlos unter Vorlage der Lohnsteuerkarten beider Eheleute beantragt werden oder mit dem amtlichen Lohnsteuer-Ermäßigungsantrag. Beim abgebildeten Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung 2010, Teil A, S.1, sind die Angaben zu voraussichtlichem Bruttoarbeitslohn 2010 und im Teil F, Seite 6, die Angaben zu Vorsorgeaufwendungen wichtig.
  • Mitteilung des voraussichtlichen Bruttoarbeitslohns und der Vorsorgeaufwendungen an Finanzamt
    Unabhängig, ob der Faktor formlos oder mit Lohnsteuer-Ermäßigungsantrag beantragt wird, werden folgende Angaben der Eheleute benötigt:
    - Höhe des voraussichtlichen Jahres-Bruttoarbeitslohns
    - Angaben zu Vorsorgeaufwendungen zur Ermittlung der Vorsorgepauschale
  • Berechnung des Faktors
    Anhand dieser Angaben wird die voraussichtliche Höhe der gemeinsamen Einkommensteuer nach Splittingtarif ermittelt und die voraussichtliche Höhe des Lohnsteuerabzugs in der Steuerklasse IV. Diese beiden Werte werden ins Verhältnis gesetzt. Das Ergebnis ist der ‚Faktor‘.
  • Finanzamt trägt Faktor auf Lohnsteuerkarte ein
    Diesen Faktor trägt das Finanzamt auf den Lohnsteuerkarten der Eheleute jeweils neben Steuerklasse IV ein.

Wie wird der Faktor errechnet?

Beispiel zur Grafik
Für das gewählte Beispiel ergibt sich folgende Berechnung:
Voraussichtlicher Jahresverdienst Ehemann: 3.500,00 € x 12 = 42.000 €
Voraussichtlicher Lohnsteuerabzug nach Steuerklasse IV: 626,75 € x 12 = 7.521 €
Voraussichtlicher Jahresverdienst Ehefrau: 1.500,00 € x 12 = 18.000 €
Voraussichtlicher Lohnsteuerabzug nach Steuerklasse IV: 105,75 € x 12 = 1.269 €
Summe Lohnsteuerabzug in Steuerklasse IV: 8.790 € (7.521 € + 1.269 €)
Voraussichtliche Jahres-Einkommensteuer im Splittingverfahren bei einer Summe der Arbeitslöhne von 60.000 €: 8.268 €
‚Faktor‘ (8.268 € / 8.790 €): 0,940

Berücksichtigung des Faktors beim Lohnsteuerabzug durch Arbeitgeber
Die Arbeitgeber des Ehemannes und der Ehefrau ermitteln jeweils die Monatslohnsteuer nach Steuerklasse IV.
Bei einem Monatsverdienst von 3.500 € sind dies 626,75 €. Auf diesen Wert wendet der Arbeitgeber den Faktor an:
626,75 € x 0,940 = 589,15 €.
Bei einem Monatsverdienst von 1.500 € sind dies 105,75 €, auf die der Arbeitgeber den Faktor anwendet.
105,75 € x 0,940 = 99,41 €

Summe Lohnsteuerabzug des Ehepaares entspricht recht genau voraussichtlicher Jahressteuer im Splittingverfahren
Die Summe der Lohnsteuer für die Eheleute im Faktorverfahren beträgt (589,15 € + 99,41 €) x 12 Monate = 8.262,72 €.
Dieser Lohnsteuerabzug entspricht recht genau der voraussichtlichen Jahressteuer im Splittingverfahren. Bei einem Brutto-Einkommen von 60.000 € und Berücksichtigung sämtlicher Pauschalen für Werbungskosten, Sonderausgaben würde diese 8.268 € betragen. Das Ehepaar muss nur 5,28 € nachzahlen.

Zum Vergleich: Nachzahlung bei III/V, Rückerstattung bei IV/IV
Bei der Lohnsteuerklassen-Kombination III/V hätte das Ehepaar einen Lohnsteuerabzug von 7.701 € (641,75 € x 12) und damit eine Nach-zahlung von rund 567 € zu leisten. Bei der Kombination IV/IV würde der Lohnsteuerabzug 8.790 € (732,50 € x 12) betragen, sodass das Ehepaar am Jahresende eine Erstattung von 522 € erhielte.
Das Bundesministerium der Finanzen stellt auf seinen Internetseiten eine Berechnungsmöglichkeit für den Faktor bereit, damit die Eheleute die steuerlichen Auswirkungen der jeweiligen Steuerklassenkombination prüfen können.

Faktorverfahren online berechnen: www.abgabenrechner.de

Fußnoten
1 In der Lohnsteuerklasse V beträgt der Anteil der Frauen ca. 93%. Daher werden exemplarisch die Verbesserungen für Frauen durch das Faktorverfahren hervorgehoben. Diese Verbesserungen gelten selbstverständlich auch für die weniger als 10% Ehemänner, die bislang die Steuerklasse V haben.
2 Bei der Beantragung des Faktorverfahrens handelt es sich um einen „Steuerklassenwechsel“, der – wie bisher beim Wechsel von IV/IV nach III/V oder umgekehrt – im laufenden Kalenderjahr grundsätzlich nur einmal erfolgen kann. Auch macht die Anwendung des Faktorverfahrens – wie bisher bei der Steuerklassenkombination III/V – die Abgabe einer Einkommensteuererklärung für das betreffende Kalenderjahr erforderlich.