Elisabeth-Selbert-Preis

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Elisabeth Selbert
© Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung, Nachlass Elisabeth Selbert

Dr. Elisabeth Selbert wurde 1896 in Kassel geboren. Als zweifache Mutter studierte sie 1926 – 1929 zunächst an der Universität Marburg als einzige Frau später an der Universität Göttingen Rechts- und Staatswissenschaften.
Ihr besonderes Anliegen war die Schaffung eines unabhängigen Rechtswesens, vor allem eines unabhängigen Richteramtes. In diesem Zusammenhang forderte sie – erfolgreich – ein oberstes Gericht zur Normenkontrolle aller politischen Gremien, das heutige Bundesverfassungsgericht.

Grundstein für die rechtliche Gleichstellung der Frau

1948 wurde sie als eine von vier Frauen in den insgesamt 65 Mitglieder zählenden Parlamentarischen Rat berufen, der das neue Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ausarbeiten sollte. Hier setzte sie in zähen und langwierigen Verhandlungen und mit Unterstützung einer breiten öffentlichen Bewegung von überparteilichen Frauenverbänden, Kommunalpolitikerinnen und weiblichen Berufsverbänden die Einfügung des sogenannten Gleichstellungsgrundsatzes als Artikel 3 Absatz 2 in unsere Verfassung durch, der lautet: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“. Diese auf Dr. Elisabeth Selbert zurückgehende klare und einfache Formulierung legte in Deutschland den Grundstein für die rechtliche Gleichstellung der Frau. Ihre Umsetzung in die Lebenswirklichkeit erfordert bis zum heutigen Tag Engagement u Einsatz von Frauen und Männern.

2014 wurde das Leben von Dr. Elisabeth Selbert mit der Schauspielerin Iris Berben in der Titelrolle verfilmt (zur Themenseite auf daserste.de). In Gedenken an die „Mutter des Grundgesetzes“ Elisabeth Selbert verleiht die Hessische Landesregierung seit 1983 den „Elisabeth-Selbert-Preis“. Mit dem „Elisabeth-Selbert-Preis“ werden Frauen und Männer ausgezeichnet, die in hervorragender Weise mit ihrer gestalterischen Kraft und ihren Leistungen für die Gesellschaft zur Verwirklichung der Chancengleichheit von Männern und Frauen beigetragen haben. Der Preis wird bundesweit ausgeschrieben und ist mit 10.000,00 Euro dotiert. Der Preis wird alle 2 Jahre vergeben (näheres unter Downloads).

Preisverleihung 2019 eingefügt:

2019 wird der Preis an die ehemaligen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Birgit Schäfer und Anja Braselmann für die Initiierung und Entwicklung eines Konzeptes zur gerechteren Personalkostenbudgetierung im Regierungspräsidium Kassel verliehen, mit dessen Hilfe die Unterschiede an der Einkommensverteilung zwischen Frauen und Männern deutlich verringert worden sind. Diese Entscheidung der Jury gibt Sozial- und Integrationsminister Kai Klose anlässlich des Weltfrauentages in Wiesbaden bekannt: „Frau Schäfer und Frau Braselmann haben in fast 20 Jahren innovativ und messbar erfolgreich die Verwirklichung der Geschlechtergerechtigkeit zwischen Frauen und Männern in der öffentlichen Verwaltung vorangetrieben.“

Das von Birgit Schäfer und Anja Braselmann entwickelte Konzept zur Umsetzung des Gender-Budgeting umfasst eine geschlechtergerechte Personalkostenverteilung und flankierende Maßnahmen der Personalentwicklung mit verbesserten Zugangsmöglichkeiten für Frauen zu Arbeitsplätzen mit qualifizierteren Tätigkeiten. Die Vorteile zeigen sich prägnant anhand des Verlaufs der Einkommensverteilung im Regierungspräsidium Kassel seit der Einführung des Konzeptes. So existierte 2001 ein Einkommensvorsprung in Höhe von 18,5% zugunsten der männlichen Beschäftigten. Diese Diskrepanz hat sich bis 2018 auf 6,71 % messbar reduziert. Aufgrund des nachweisbaren Erfolgs wurde die geschlechtergerechte Personalkostenbudgetierung bereits ab dem 1. Januar 2016 als möglicher Bestandteil der regulären Frauenförder- und Gleichstellungspläne in das Hessische Gleichberechtigungsgesetz übernommen.

Der Elisabeth-Selbert-Preis wird am 24. Mai 2019 im Rahmen eines Festaktes im Biebricher Schloss in Wiesbaden verliehen.

Hintergrundinformationen zum Elisabeth-Selbert-Preis

Der Elisabeth-Selbert-Preis wird seit 1983 von der Hessischen Landesregierung verliehen. Der Preis trägt den Namen der hessischen Juristin und Politikerin Dr. Elisabeth Selbert aus Kassel. Die Aufnahme der Gleichberechtigung in die bundesdeutsche Verfassung war zum großen Teil ihr Verdienst. Elisabeth Selbert setzte 1949 bei den Verhandlungen im Parlamentarischen Rat über das Grundgesetz den Gleichberechtigungsgrundsatz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ durch und wird als eine der „Mütter des Grundgesetzes“ bezeichnet. Mit dem Elisabeth-Selbert-Preis werden Frauen und Männer ausgezeichnet, die sich in hervorragender Weise mit gestalterischer Kraft für die Verwirklichung der Chancengleichheit von Männern und Frauen in der Gesellschaft eingesetzt haben. Der Preis wird bundesweit ausgeschrieben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wird in einem Zwei-Jahres-Rhythmus verliehen.

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