Preisträger Hessischer Partizipationspreis 2020

Verleihung des

Der Hessische Partizipationspreis mit dem Motto „Jugend gestaltet Zukunft“ wurde in diesem Jahr zum sechsten Mal verliehen. Zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus SARS CoV-2 sowie zum Schutz der Gesundheit aller Beteiligten wurde auf die Ausrichtung von Feierlichkeiten verzichtet. Die Gewinnerinnen und Gewinner wurden postalisch benachrichtigt und gewürdigt.

Sozial- und Integrationsminister Kai Klose gratulierte den Preisträgern herzlich. „Die Projekte zeigen eindrucksvoll und beispielgebend, welchen positiven Beitrag Partizipation und Engagement junger Menschen für unser Gemeinwesen leistet, sei es in der Kommune, im Verein oder in der Schule. Dort, wo Jugendliche ernst genommen und aktiv in Entscheidungen eingebunden werden, entsteht immer ein Mehrwert für die Gesellschaft, weil junge Menschen Verantwortung übernehmen und die Zukunft mitgestalten.“

Ausgezeichnet wurden das Stadtteilprojekt „Die Hütte“ (Kassel – 1. Preis; 10.000 €), das Jugendparlament Großalmerode (Werra-Meißner-Kreis – 2. Preis; 7.000 €) und das Projekt „TSG-Parkour-Anlage“ von Jugendlichen der Turn- und Sportgemeinschaft – TSG 1888 Nieder-Erlenbach e. V. (Frankfurt am Main – 3. Preis; 7.000 €). Außerdem wurde ein Sonderpreis für die Schüler_innen-Initiative „NG goes green“ (Rüsselsheim – 4. Preis; 1.000 €) vergeben.

Die Preisträger:

„Die Hütte“ (Stadtteil Philippinenhof / Warteberg in Kassel)

Fünf Schüler aus dem Stadtteil Philippinenhof / Warteberg in Kassel treffen sich regelmäßig in einem Jugendzentrum sowie einem Park in ihrem Stadtteil. Der Park ist einer der wenigen Orte in der Umgebung, an dem sie sich ungestört im Freien treffen können. Sie erkannten das Potential dieses Ortes und wünschten sich neue Nutzungsmöglichkeiten – für sich, Familien und andere Gruppen sowie bei jedem Wetter. Daraus entwickelte sich der Wunsch nach einer Hütte. „Die Hütte“ wurde zur Vision, zum Werbe-Comic sowie zu einem Modell, mit dem sie in Kassel bei verschiedenen Gremien vorstellig wurden und für ihre Idee warben. Erste Spenden und Zuschüsse gibt es bereits. Im Moment werden Angebote bei Baufirmen eingeholt. Der Traum der Schüler nimmt Gestalt an. Damit möchten sie nicht nur in ihrem Stadtteil etwas verändern, sondern auch Vorbild sein und andere Jugendliche ermutigen.

Grundlage der Bewertung:

Das Projekt „Die Hütte“ ist ein anschauliches Beispiel für die Möglichkeiten, die sich nicht nur jungen Menschen eröffnen, wenn sie ein Ziel und eine Vision haben und dieses Ziel gemeinsam und voller Elan angehen. Es zeichnet sich durch ein hohes Maß an Eigeninitiative – kombiniert mit Witz und Humor – aus, was dem Projekt eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Innerhalb kurzer Zeit wurde dieses Projekt durch die Jugendlichen auf den Weg gebracht, um nicht nur für sich und andere Gruppen etwas zu bewirken, sondern auch um den Stadtteil, der oftmals als Problemstadtteil gesehen wird, in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Dieses Projekt ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Erfahrung guter Zusammenarbeit und Selbstwirksamkeit und als Stadtteilprojekt ein hervorragendes Beispiel für außerschulisches Engagement.

Jugendparlament Großalmerode (Werra-Meißner-Kreis)

Das Jugendparlament Großalmerode besteht seit dem Jahr 2018 und hat in dieser relativ kurzen Zeit schon viel bewirkt und viele Dinge mitgestaltet, beispielsweise freies W-Lan an wichtigen Punkten in der Stadt, mehrmals jährlich stattfindende Erste-Hilfe-Kurse, regelmäßiger Polittalk sowie die Mitwirkung bei verschiedensten Veranstaltungen. Aktuell ist geplant, einen Treffpunkt für Kinder und Jugendliche mit verschiedenen Freizeitangeboten zu schaffen. Neun Jugendliche sind Ansprechpersonen für die jungen Menschen vor Ort und ihre Bedürfnisse geworden. Mit Begeisterung und Elan widmen sie sich den Anliegen der Kinder und Jugendlichen in Großalmerode und tragen durch ihr hohes Engagement und ihre Initiative zur Vernetzung mit der Stadtpolitik bei. Dieser lebendige Austausch wirkt bereits über die Grenzen von Großalmerode hinaus. Andere Orte interessieren sich für die Arbeit dieses Jugendparlaments, so dass die Jugendlichen auch zu Vorbildern und Botschaftern für gelebte Partizipation geworden sind.

Grundlage der Bewertung:

Diese Initiative zeigt eindrucksvoll, dass die soziale und politische Teilhabe junger Menschen in etablierten Strukturen, wie Jugendparlamenten, begeistern kann und zeitgemäß ist. Junge Menschen probieren sich aus und erfahren, dass sie in der Kommunalpolitik ernst genommen und einbezogen werden und dass sie gemeinsam etwas für sich und ihre Altersgruppe sowie für ihr Lebensumfeld bewirken können. Sie erfahren, dass dies nicht nur in großen Ballungsgebieten möglich ist, sondern auch im ländlichen Raum – noch dazu ganz direkt und unmittelbar.

„TSG-Parkour-Anlage“ (Frankfurt am Main, Stadtteil Nieder-Erlenbach)

Eine Parkour-Anlage auf dem Gelände der Sportanlage „Insel“ der Turn- und Sportgemeinschaft in Nieder-Erlenbach war der Traum von Jugendlichen des Vereins, den sie beherzt auf den Weg gebracht haben. Im Jahr 2017 wurde eine Parkour-Gruppe ins Leben gerufen, die inzwischen aus über 30 Personen besteht. Aus der Begeisterung für diesen Trendsport erwuchs der Wunsch nach einer Parkour-Anlage in Frankfurt am Main. Nicht nur für die Parkour-Community in Frankfurt und Umgebung, sondern als Nachbarschaftstreffpunkt sowie in Kooperation mit Schulen und Interessierten. Vier Jugendliche aus diesem Kreis schlossen sich zu einer Projektgruppe zusammen. Sie nutzten eine Software zur Erstellung von dreidimensionalen Modellen, um ein grafisches Konzept zu entwickeln und ihre Ideen anschaulich darzustellen. Dieses Konzept stellten sie zunächst dem Vorstand des Vereins sowie dem Ortsbeirat vor. Durch viele weitere Gespräche und Präsentationen gelang es ihnen innerhalb kurzer Zeit, Unterstützung seitens der Stadtverwaltung zu erhalten und dieses ambitionierte Projekt voranzubringen. Der nächste Schritt wird der Baubeginn sein. Die Fortschritte des Projekts werden auf der Webseite des Sportvereins medial begleitet. Sie selbst bezeichnen die Parkour-Anlage als „Spielplatz für große Kinder“.

Grundlage der Bewertung:

Den Jugendlichen ist es gelungen, ihren Wunsch nach einer Parkour-Anlage in Frankfurt am Main eigeninitiativ und mit hohem persönlichem Einsatz voranzubringen. Für die erste Planung und Darstellung des Projekts wurden digitale Medien genutzt, um die Vision sichtbar und greifbar zu machen. Auf dieser Grundlage wurden viele Gespräche geführt und Kontakte geknüpft, um das Projekt zu realisieren. Diese Mischung aus Manpower und Medien, die professionelle Herangehensweise sowie die Verbindung zwischen einer Trendsportart und einem Nachbarschaftsprojekt ist sehr beeindruckend.

„NG goes green“ (Rüsselsheim)

Ende 2019 wurde die Initiative „NG goes green“ von Schülerinnen und Schülern des Neuen Gymnasiums in Rüsselsheim ins Leben gerufen, um sich den Themen Umwelt- und Klimaschutz sowie Nachhaltigkeit an Schulen zu widmen. Aktuell sind 30 Schülerinnen und Schüler Mitglied der Initiative. Sie gehen diese Themen auf vielen verschiedenen Ebenen an. Dabei werden sie von der Schulleitung, Lehrkräften sowie Eltern unterstützt. Ihrer Ansicht nach werden diese elementaren Themen im Lehrplan bisher nur unzureichend behandelt. Ihre Komplexität und Brisanz erfordere jedoch eine andere und neue Verankerung im Schulalltag. Deswegen arbeiten Sie an deren Aufnahme in den Lehrplan bzw. die Fach-Curricula. Sie organisieren Workshops, Vorträge und Aktionen, wie beispielsweise eine Müllsammelaktion in Rüsselsheim oder einen Klima-Tag, auch wenn einige Projekte pandemiebedingt bisher noch nicht umgesetzt werden konnten. Darüber hinaus fragten sie sich, wie sich der Schulalltag insgesamt umweltfreundlicher gestalten ließe, angefangen von Einwegartikeln in der Mensa über die Mülltrennung in Klassenräumen, den Verbrauch von Strom- und Heizenergie, die Literatur der Schulbibliothek bis zur Umstellung der an der Schule genutzten Internet-Suchmaschine. Ihr Ziel ist es, ihr schulisches Umfeld für diese Belange zu sensibilisieren und anschließend zum Handeln zu bringen. Bisher konnte die Initiative rund 20 Einzelprojekte realisieren.

Grundlage der Bewertung:

Diese schulische Initiative hat sich intensiv und umfassend mit den Themen Umwelt – Klimaschutz – Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Sie hat innerhalb kürzester Zeit eine Fülle von Ideen und Einzelprojekten entwickelt und teilweise bereits umgesetzt. Diese breite Palette an Ideen und Ansätzen für grundlegende sowie auf Dauer angelegte Veränderungen, insbesondere im Schulalltag, ist nicht nur kreativ. Sie erfordert ein hohes Maß an Engagement und Selbstorganisation. Diese Initiative verfügt über ein besonderes Potenzial, aus der sich ein richtungsweisendes Modellprojekt – auch für andere Schulen – entwickeln könnte. Deswegen wird sie mit einem Sonderpreis gewürdigt.

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