Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

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Senior mit Frau im mittleren Alter
© HMSI

Der demographische Wandel führt in unserer Gesellschaft und in der Wirtschaft in den nächsten Jahren zu tiefgreifenden Veränderungen und zu einer Fülle neuer Herausforderungen. Mit der Zahl älterer und hochbetagter Menschen wird auch die Zahl der Pflegebedürftigen und der demenzkranken Menschen steigen. So ist die Zahl der Pflegebedürftigen in Hessen innerhalb von 2 Jahren um 6,8 Prozent gestiegen. Sie werden weit überwiegend von Angehörigen betreut – in Hessen gut drei Viertel (75,2 Prozent) aller Pflegebedürftigen. Von ihnen ist der größte Teil zugleich berufstätig. Pflegende Angehörige müssen daher unterstützt werden.

Mit dem Familienpflegezeitgesetz und dem Pflegegesetz hat der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Pflege verbessert. Zugleich sind Unternehmen gefragt, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu binden und zu unterstützen. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration hat daher gemeinsam mit der berufundfamilie gGmbH die Broschüre „Beruf und Pflege vereinbaren – Lösungsansätze und Praxisbeispiele aus Hessen“ herausgegeben. Die Broschüre zeigt anhand von konkreten Lösungen und Beispielen aus hessischen Unternehmen auf, mit welchen Maßnahmen Arbeitgeber die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege unterstützen können. Zudem informiert sie über gesetzliche Rahmenbedingungen und nennt weiterführende Adressen und Links.

Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration, die AOK- die Gesundheitskasse in Hessen, die berufundfamilie gGmbH und das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft haben zudem die Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren – die Hessische Initiative“ ins Leben gerufen. Die Initiative wird vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration und aus ESF-Mitteln gefördert und möchte insbesondere kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstützen, Beruf und Pflege für ihre Beschäftigten besser vereinbar zu gestalten.

Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege in Hessen

Im Rahmen der Vereinbarkeitsinitiative wurde die „Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege in Hessen“ als Unternehmensinitiative und freiwillige Selbstverpflichtung auf den Weg gebracht. Mit ihrer Unterzeichnung schließen sich Unternehmen in Hessen dem gemeinsamen Ziel an, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Übernahme der Verantwortung für pflegebedürftige Angehörige zu unterstützen. Neben konkreten Angeboten wie beispielsweise flexible Arbeitszeiten oder Telearbeit gehört dazu auch die Schaffung eines Arbeitsumfeldes, in dem die Pflege von Angehörigen kein Tabu mehr ist. Seit dem Start der Initiative im November 2013 sind der Charta bereits 134 Arbeitgeber beigetreten. Am 16.12.15 erfolgte der Beitritt der hessischen Ministerien und der Staatskanzlei. Auch für 2017 ist eine Chartaverleihung geplant. Zudem werden hessenweit eine Reihe von regionalen Informationsveranstaltungen, Schulungen zur Qualifizierung von Pflegeguides und Kompetenztrainings für Unternehmen und ihre Mitarbeiter angeboten. Insbesondere das Konzept der Pflege-Guides wird inzwischen auch aus anderen Bundesländern nachgefragt. Begleitet werden diese Maßnahmen durch die Internetseite »www.berufundpflege.hessen.de, die alles Wissenswerte zum Thema zusammenfasst.