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FAQ Asiatische Tigermücke in Hessen

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Asiatische Tigermücke
Asiatische Tigermücke
© istock/GordZam

Woher kommt die Asiatische Tigermücke und wie kam sie nach Hessen?

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) stammt ursprünglich aus Südostasien. Durch den globalisierten Waren- und Reiseverkehr wird sie seit Jahrzehnten weltweit verschleppt. 1979 wurde sie zum ersten Mal in Europa (Albanien) entdeckt. Ca. 10 Jahre später tauchte die Asiatische Tigermücke in Italien (Genua) auf, dort vermutlich eingeschleppt aus Nordamerika, und verbreitet sich seither über den Mittelmeerraum in Richtung Norden. 2007 erfolgte der erste Nachweis in Deutschland auf einem Autobahnparkplatz an der A5 nahe der deutsch-schweizerischen Grenze. Seither wurde die Asiatische Tigermücke in Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und Hessen gefunden. Im Sommer 2018 wurde sie in einem Wohngebiet der Stadt Frankfurt am Main nachgewiesen.

Wie erkenne ich die Asiatische Tigermücke? Gibt es Verwechslungsmöglichkeiten?

Die Asiatische Tigermücke misst ca. 0,5 – 1 cm und ist im Vergleich zu unseren einheimischen Arten eine relativ kleine Stechmücke. Sie ist am ganzen Körper auffällig schwarz-weiß gestreift. Das unterscheidet sie klar von anderen einheimischen Stechmückenarten. Sie wird meist mit der Ringelschnacke (Culiseta annulata) verwechselt, die aber größer und schwarz-gelb bzw. schwarz-bräunlich gestreift ist. Im Gegensatz zur Ringelschnake ist die Asiatische Tigermücke außerdem tagaktiv. Ein besonders auffälliges Merkmal der Tigermücke ist der weiße Streifen, der sich vom Hinterkopf über den Rücken bis hin zum Flügelansatz erstreckt.

Überlebt die Asiatische Tigermücke in unseren Breiten?

Die Tigermücke ist eine sehr anpassungsfähige Stechmückenart und in der Lage trocken- und kälteresistente Eier zu bilden. Während die Larven und Puppen der Mücken bei Temperaturen unter 11 °C absterben, überdauern die Eier der adulten Tiere auch Temperaturen bis zu -10 °C. Daher ist es möglich, dass eine neue Generation Mücken im Frühjahr aus den Eiern schlüpft, auch wenn die Larven, Puppen und adulten Tiere den Winter nicht überleben. Der voranschreitende Klimawandel und die damit einhergehenden milder werdenden Winter tragen ebenfalls dazu bei, dass sich die Tigermücke in unseren Breiten wohlfühlt.

Gibt es noch andere nicht heimische Arten in Hessen?

Nach aktuellem Stand wurden in Hessen bisher drei nicht heimische Stechmückenarten nachgewiesen: Die Japanische Buschmücke, die Asiatische Tigermücke und Aedes koreicus, für die es keinen deutschen Namen gibt. In Deutschland und auch Hessen kommen inzwischen viele ursprünglich eingeschleppte oder eingewanderte Tier- und Pflanzenarten vor. Experten schätzen die Anzahl nicht heimischer Arten in Europa auf 12.000, davon werden 10-15 % negative Auswirkungen auf die einheimische biologische Vielfalt zugeschrieben. Derzeit werden jedoch nur 49 Tier- und Pflanzenarten aufgrund ihrer Schadwirkung auf die Umwelt auf der Unionsliste (EU-Verordnung Nr. 1143/2014) der gebietsfremden und invasiven Arten aufgelistet – für sie gelten bestimmte Bekämpfungsmaßnahmen. Beispiele sind der Waschbär, die Nilgans, der Marmorkrebs oder das Drüsige Springkraut – Stechmückenarten stehen nicht auf dieser Liste.

Wo lebt die Asiatische Tigermücke auf meinem Grundstück/ in meinem Garten?

Die Tigermücke ist hervorragend an den urbanen Lebensraum und das Brüten in vielfältigsten kleinen und künstlichen Wasseransammlungen angepasst. Eier, Puppen und Larven findet man in kleinen Wasseransammlungen, während sich die adulten, flugfähigen Tiere von den Brutstätten entfernen können. Die Tigermücke ist recht flugfaul und fliegt daher nur rund 100-200 m weit. Mögliche Brutstätten sind: Abflüsse, Teiche, Regentonnen, Blumenvasen, Blumentopfuntersetzer, Vogeltränken, alte Autoreifen, Planschbecken, verstopfte Dachrinnen, ungenutzte mit Wasser gefüllte Gießkannen und Eimer oder Wasser auf Abdeckplanen sowie jegliche Behälter, in denen sich Regenwasser ansammeln kann oder sich stehendes Wasser befindet.

Ist die Asiatische Tigermücke gefährlich für die Gesundheit? Welche Krankheiten werden von der Asiatischen Tigermücke übertragen?

Wie bei anderen Stechmücken auch, saugen ausschließlich die Weibchen Blut, welches sie für die Bildung ihrer Eier benötigen. Die Tigermücke ist tagaktiv und sehr stechfreudig. Der Stich der Tigermücke ist selbst eher ungefährlich und geht meist mit den typischen unangenehmen Folgen eines Mückenstichs wie Juckreiz und Schwellung der betroffenen Stelle einher.

Allerdings ist die Asiatische Tigermücke potenzieller Überträger verschiedener Krankheitserreger. Sie ist in der Lage Dengue-, Chikungunya-, West-Nil-, Zika- oder Gelbfieber-Viren zu übertragen. Allerdings trägt die Mücke den Erreger nicht von Natur aus in sich. Die Tigermücke muss zunächst einen infizierten Menschen stechen, der solche Viren im Blut aufweist, um selbst Überträger werden zu können. Die Tigermücke hat die Eigenschaft, kurz aufeinanderfolgende Blutmahlzeiten an mehreren Individuen zu sich zu nehmen, diese Eigenschaft erhöht das Übertragungspotenzial. In Hessen wurde bisher keine dieser Infektionen durch eine Tigermücke dokumentiert.

Wie kann ich mich vor der Asiatischen Tigermücke schützen?

Der wirksamste und nachhaltigste Schutz ist, den Mücken die Möglichkeit zum Brüten zu nehmen und so deren Ansiedelung von vornerein zu verhindern. Die Ansiedelung der Tigermücke auf dem eigenen Grundstück bzw. im eigenen Garten kann mit einfachen Handgriffen verhindert werden, indem ungepflegte Wasseransammlungen auf dem Grundstück und im Garten über den Sommer möglichst vermieden werden.

Wasseransammlungen in Blumentopfuntersetzern, ungenutzten Gießkannen oder Eimern, sollten vermieden und Regentonnen abgedeckt werden. Wasser in Vogeltränken oder Planschbecken sollte mindestens einmal wöchentlich ausgetauscht wird. Zudem sollten Regenrinnen mehrmals im Jahr vom Laub befreit werden, damit sich kein Wasser darin staut. Bei der Grabpflege auf dem Friedhof können Sie darauf achten, ungenutzte Blumenvasen auf den Kopf zu stellen.

Auch Teiche bieten eine Brutstätte für Stechmücken. Fische und die in naturbelassenen Gartenteichen lebenden Insekten, wie Libellenlarven, Wasserkäfer und Wasserwanzen, fressen Stechmückenlarven und reduzieren so auf natürliche Weise die Mücken. In frisch angelegten oder nicht naturbelassenen Teichen fehlen diese natürlichen Gegenspieler jedoch. Fördern Sie daher die Biodiversität Ihres Gartenteiches. Sollten sich tatsächlich die unerwünschten Stechmücken angesiedelt haben, können nach fachlicher Beratung biologische Mittel zur Bekämpfung eingesetzt werden, beispielsweise B.t.i.-Tabletten. Um sich vor den Stichen zu schützen, helfen wie bei allen Stechmücken herkömmliche Mittel wie Mückensprays und Mückennetze, um die Tiere fern zu halten. Ansonsten schützt lange, stichdichte oder imprägnierte Kleidung vor den Stichen.

Was, wenn ich von einer Asiatischen Tigermücke gestochen wurde?

Nach aktuellem Stand der Verbreitung der von der Asiatischen Tigermücke übertragbaren Krankheitserreger ist ein Stich der Mücke in Deutschland bzw. Hessen kein Grund zur Beunruhigung. Sie können den Stich wie einen üblichen Mückenstich beispielsweise mit Juckreiz-lindernden Salben behandeln. Sollten wenige Tage nach einem Stich plötzlich grippeähnliche Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, starke Kopfschmerzen oder Erschöpfungszustände eintreten, sollten Sie zur Sicherheit einen Arzt aufsuchen, um die Ursachen abzuklären. Gleiches gilt besonders, wenn die Beschwerden nach einem Auslandsaufenthalt in Risikogebieten, in denen sowohl Stechmücken als auch Krankheitserreger verbreitet sind, auftreten, beispielsweise nach einem Urlaub in südeuropäischen Ländern, Südostasien oder Mittel- und Südamerika.

Wer berät mich bei Gesundheitsfragen?

Bei gesundheitlichen Fragen zu den durch die Asiatische Tigermücke und anderen Vektoren übertragene Krankheiten wie Zika, Dengue, Gelbfieber oder Chikungunya berät Sie Ihr Hausarzt oder Ihr zuständiges Gesundheitsamt. Ihr Hausarzt informiert Sie ebenfalls über mögliche Schutzimpfungen, die Sie vor einem Auslandsaufenthalt in Risikogebieten vornehmen sollten, hierzu zählt beispielsweise der Gelbfieber-Impfschutz vor Reisen nach z.B. Südamerika.

Welche Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung sind in Hessen vorgesehen?

Experten des Gesundheits- und Umweltbereichs haben die Situation in Hessen im Blick – so können die zuständigen Stellen auf mögliche erneute Funde der Asiatischen Tigermücke entsprechend reagieren. Die Bevölkerung ist eine wichtige Zielgruppe im gemeinsamen Kampf gegen die Asiatische Tigermücke, da sie die Ansiedelung der Tigermücke durch einfache Maßnahmen im eigenen Garten und auf dem eigenen Grundstück verhindern kann. Daher sind Maßnahmen zur Information der Öffentlichkeit – wie diese FAQ – über nicht heimische Stechmücken äußerst wichtig. Wie Sie Ihr eigenes Grundstück und Ihren Garten mückensicher machen, erfahren Sie unter anderem in unseren Handlungsempfehlungen.

Kann ich eingefangene Mücken zur Bestimmung einschicken?

Eingefangene Stechmücken können zur Artbestimmung an den sogenannten Mückenatlas geschickt werden, ein Citizien Science-Projekt des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. und des Friedrich-Loeffler-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit). Werden Sie Mückenjäger und tragen Sie ganz einfach zur Erstellung des Mückenatlas Deutschlands bei. So leisten Sie einen wertvollen Beitrag zur Forschung und auch zum Gesundheitsschutz. Weiterführende Informationen zum Projekt sowie die Anleitung zum Einsenden der Stechmücken erhalten Sie unter https://mueckenatlas.com/.

Wieso ist meine Mithilfe bzw. die Mithilfe der Bevölkerung so wichtig?

Die Asiatische Tigermücke ist sehr gut angepasst an den urbanen Lebensraum. Sie nutzt bevorzugt kleine stehende und künstliche Wasseransammlungen wie Blumentopfuntersetzer, Vasen, Regentonnen, verstopfte Dachrinnen oder alte Autoreifen als Brutstätten. Solche Wasseransammlungen sind im Frühjahr und Sommer auf vielen Grundstücken und in den Gärten der Bevölkerung zu finden, weshalb sich die Tigermücke in Siedlungsbereichen wunderbar ausbreiten kann. Da Sie die Situation auf Ihrem eigenen Grundstück oder im Garten am besten im Blick haben, ist Ihre Mithilfe gefragt. Sie können mit wenigen Handgriffen wichtige Maßnahmen ergreifen, die einer Ansiedelung der Tigermücke auf Ihrem Grundstück entgegenwirken. Zudem können Sie Mücken einfangen und zur Artbestimmung zum Mückenatlas senden.

Was sind B.t.i.-Tabletten und wo bekomme ich sie her?

Zur Bekämpfung von Stechmücken können biologische Mittel (Biozide) eingesetzt werden, wie zum Beispiel B.t.i. Der Wirkstoff, ein Eiweiß, wird aus dem namensgebenden Boden-Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis gewonnen und tötet gezielt Stechmückenlarven ab. B.t.i. gibt es in Tablettenform (Culinex Tab) zur Anwendung für Haus und Garten. Die Tabletten sind frei im Internet oder Fachhandel (Baumarkt, Gartencenter) erhältlich. Wenn Ihre Gemeinde Mitglied der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) e.V. ist, können Sie B.t.i.-Tabletten auch an von der Gemeinde festgelegten öffentlichen Ausgabestellen (i.d.R. das Rathaus) beziehen. Weiterführende Informationen zur Arbeit und den Projekten der KABS e.V. sowie dem Thema B.t.i. erhalten Sie unter https://www.kabsev.de/.

Sind B.t.i.-Tabletten gefährlich für die Umwelt?

Die biologische Bekämpfung von Stechmücken mit B.t.i. stellt die umweltverträglichste Methode dar, die derzeit zur Verfügung steht. B.t.i. tötet hoch selektiv Mückenlarven ab. Bei sachgemäßer Anwendung und genauer Dosierung sind jedoch keine negativen Auswirkungen auf andere Wasserorganismen oder Nicht-Ziel-Organsimen zu befürchten. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft ist keinerlei schädigende Wirkung auf den Menschen durch B.t.i. bekannt.

Die Bekämpfung der Stechmücken mit B.t.i. wird unter anderem von der Nationalen Expertenkommission für Stechmücken (Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) empfohlen und seit mehr als vier Jahrzehnten von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) e.V. angewandt. Weiterführende Informationen zur Arbeit und Projekten der KABS e.V. sowie dem Thema B.t.i. erhalten Sie unter https://www.kabsev.de/.

Bei weiteren Fragen zum Thema B.t.i. und Natur­schutz wenden Sie sich bitte an das Hessische Lan­desamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie 

Dr. Aljoscha Kreß, Telefon: +49 (0)611 6939-0, E-Mail: aljoscha.kress@hlnug.hessen.de

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