Kinder- und Jugendzahnpflege in Hessen

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Mädchen übt beim Zahnarzt das Zähneputzen
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Zahngesundheitsförderung in Hessen

Präventive Maßnahmen so früh wie möglich einsetzen, Zahn- und Mundgesundheit fördern und erhalten und damit die Chancen auf eine zahngesunde Zukunft verbessern, ist das Ziel der Jugendzahnpflege und Gruppenprophylaxe.

Die Rahmenbedingungen für die flächendeckende Mundgesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen wurden durch den § 21 Sozialgesetzbuch V geschaffen. Erstmals regelt der Gesetzgeber eine Gesamtmaßnahme zur Gesundheitsförderung, die in Form einer aufsuchenden Betreuung in Kindergärten, Schulen und Behinderteneinrichtungen stattfindet und deshalb auch als „zahnmedizinische Gruppenprophylaxe“ bezeichnet wird. Außer rein medizinischen Aspekten sollen diese Maßnahmen auch pädagogischen Charakter haben. Daher sind einerseits zahnärztliche Untersuchungen und die Schmelzhärtung mit Fluoriden, andererseits auch Ernährungsberatung und Erziehung zur Mundhygiene Inhalte der Jugendzahnpflege. Für Kinder mit besonders hoher Kariesanfälligkeit sollen dabei spezifische Programme zusätzlich angeboten werden.

Die Aufgaben der Gesundheitsämter werden außerdem durch das Hessische Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst (HGöGD) und das Hessische Schulgesetz sowie die Verordnung zur Schulgesundheitspflege präzisiert und geregelt.

Die Kinder- und Jugendzahnpflege in Hessen ist eine gemeinschaftliche Aufgabe der niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzte, sogenannter Patenschaftszahnarzt-Teams, der Zahnärztinnen und Zahnärzte der Gesundheitsämter und deren Prophylaxefachkräften. An den Kosten der Durchführung beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen.

Angebote in Kindergärten/Kindertagesstätten:

  • Zahnputztraining
  • Vorsorgeuntersuchung
  • Ernährungsberatung
  • Praxisbesuch
  • Multiplikatorenschulung
  • Informationen für die Eltern/Wege zu den Eltern
  • Unterstützung und Organisation von Projekten zu den Themen Zahngesundheit/Ernährung

Angebote in Schulen/Behinderteneinrichtungen:

  • Vorsorgeuntersuchung mit Beratung und Motivation der Schülerinnen und Schüler
  • Zahnputztraining
  • Unterrichtseinheiten zum Thema Mund- und Zahngesundheit
  • Unterrichtseinheiten zum Thema (zahn)gesunde Ernährung
  • Unterstützung und/Organisation von Projekten zu den Themen Zahngesundheit/Ernährung
  • Information von Erziehern und Lehrern
  • Fluoridierungsmaßnahmen

Verantwortlich für die Umsetzung der Gruppenprophylaxe sind die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Hessen (LAGH), die regionalen Arbeitskreise Jugendzahnpflege (AKJ) und die Gesundheitsämter vor Ort.
In den Gremien der LAGH und der AKJ sind die gesetzlichen Krankenkassen, die Kassenzahnärztliche Vereinigung, die Landeszahnärztekammer Hessen, das Hessische Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit, der Hessische Landkreis- und Städtetag bzw. die kommunalen Gesundheitsämter vertreten.

Dass die Prophylaxekonzepte bei Kindern und Jugendlichen erfolgreich sind, wurde in mehreren epidemiologischen Begleituntersuchungen zur zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe bestätigt. So stieg beispielsweise der Anteil kariesfreier Milchzähne bei hessischen Schulanfängern von 1994 bis 2004 um etwa 20 % (nämlich von 42 % auf 50,8 %). Noch deutlicher zeigt sich die Verbesserung bei den 12jährigen Schulkindern: Hier kam es von 1994 bis 2004 fast zu einer Verdoppelung des Anteils von Kindern mit naturgesunden bleibenden Zähnen (32 % im Jahr 1994, 62,4 % im Jahr 2004).

Die Gruppenprophylaxe bildet darüber hinaus eine gute Basis für die weiterführende, in der zahnärztlichen Praxis zu erbringende Individualprophylaxe, die ebenfalls gesetzlich im § 22 SGB V verankert ist. Mit den Früherkennungsuntersuchungen gem. § 26 SGB V existiert ein weiteres präventives Angebot für Kinder bis zum vollendeten 6. Lebensjahr.