Interview

"Beim Bund Menschenkenntnis erworben"

Interview mit Herrn Staatssekretär Dr. Wolfgang Dippel mit dem Wiesbadener Kurier vom 24.02.2014.

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Staatssekretär Wolfgang Dippel
© HMSI

Er hat nicht den kürzesten Weg genommen, um das zu werden, was er heute ist: "Es war eine Ochsentour", beschreibt Wolfgang Dippel, neuer Staatssekretär im hessischen Sozialministerium, diesen Weg. An seine Schulzeit denkt der heute 59-Jährige, der in Warburg in Westfalen geboren wurde, mit gemischten Gefühlen zurück: "Ich war ein äußerst mittelmäßiger Schüler." Es reichte erst einmal nur für den Hauptschulabschluss, an den Dippel eine Ausbildung zum Industriekaufmann dranhängte. Das Kasseler Unternehmen, das ihn ausbildete, übernahm ihn nicht. 1975 war das, ein Krisenjahr, in dem Dippel am eigenen Leib zu spüren bekam, was Arbeitslosigkeit bedeutet. Da kam die Einberufung zur Bundeswehr gerade recht: Er verpflichtete sich für acht Jahre und verließ die Bundeswehr als Hauptmann der Reserve. Eine Zeit, die ihm nach eigener Einschätzung viel gebracht hat: "Da habe ich Menschenkenntnis erworben und gelernt, wie wichtig Disziplin, Loyalität und Zuverlässigkeit sind."

Eigenschaften, die er anschließend gut gebrauchen konnte. Er drückte noch einmal die Schulbank. Dippel: "Da saß ich mit meinen 28 Jahren mit 18-Jährigen in der Klasse. Der Lehrer war so alt wie ich." Sein Studium an der Gesamthochschule Kassel schloss er 1989 als Diplom-Sozialarbeiter ab. Nach einer Station beim Landeswohlfahrtsverband wurde Dippel 2004 zum Bürgermeister der Stadt Fulda gewählt - ein Posten, den er bis zu seiner Ernennung zum Staatsekretär innehatte. Er habe sich nach der neuen Aufgabe nicht gedrängt, versichert er. Dass die Entscheidung auf ihn gefallen sei, liege wohl vor allem am Regionalproporz: Ohne ihn wäre kein Osthesse in der Regierung, was in der CDU-Hochburg Fulda schlecht angekommen wäre. Dippel ist Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, der einer der größten in Hessen ist.

Außerdem passe das Aufgabenfeld, das er als Bürgermeister beackert habe, hervorragend zu den Gebieten, für die er jetzt zuständig ist, eben den Sozialbereich. Möglicherweise hat bei Bouffiers Entscheidung für Dippel auch eine Rolle gespielt, dass der sich früh für eine schwarz-grüne Koalition ausgesprochen hat. "Ich habe die Grünen in den Gremien des Städtetags kennengelernt und gemerkt, dass es da viele Schnittstellen gibt." Dass er nun mit dem zweiten Staatssekretär im Ministerium, dem für Integration zuständigen Grünen-Politiker Jo Dreiseitel, gut zusammenarbeiten wird, bezweifelt er nicht: "Wir werden mit Minister Stefan Grüttner ein prima Team sein."

Die Fragen stellte Christoph Risch.

Verlagsgruppe Rhein Main GmbH & Co. KG

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