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Zehn Jahre Hessischer Integrationsmonitor

„Der Hessische Integrationsmonitor ist auch 2020 richtungsweisend für andere Monitorings“

Der Hessische Minister für Soziales und Integration, Kai Klose, hat am 14. Mai 2020 den fünften Hessischen Integrationsmonitor vorgestellt. „Der Hessische Integrationsmonitor beleuchtet anders als viele Monitore nicht nur den strukturellen Bereich der Integration – Arbeitsmarkt, Bildung und Einkommen – sondern er berücksichtigt auch die sozialen, kulturellen und identifikativen Facetten von Integration. Außerdem analysiert er detailliert den Integrationsprozess Geflüchteter. Damit ist der Hessische Integrationsmonitor auch 2020 richtungsweisend für andere Monitorings“, erklärt der Hessische Minister für Soziales und Integration Kai Klose.

Der Hessische Integrationsmonitor bildet seit 2010 anhand empirischer Daten die Entwicklung der Integration zugewanderter Menschen in unserem Land ab. Die erfassten Indikatoren basieren auf Daten amtlicher Statistiken und sozialwissenschaftlicher Befragungen. Dieses wissenschaftlich fundierte Instrument gewährt Einblick in verschiedene integrationspolitische Themenfelder wie Arbeit, Bildung, Einkommen und Zugehörigkeitsgefühl und trifft Aussagen zum Status der Teilhabe der hessischen Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Es zeigt Erfolge und legt offen, in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht.

Demografische Situation in Hessen

In Hessen leben heute knapp 2,1 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Seit 2005 ist die Bevölkerung mit Migrationshintergrund um etwa 650.000 Menschen gewachsen und ihr Anteil von 24 Prozent auf 34 Prozent gestiegen – dies ist bundesweit der zweithöchste Anteil. Sie ist im Schnitt deutlich jünger als die Gesamtbevölkerung: Die Hälfte der unter 18jährigen hat einen Migrationshintergrund, d.h. sie selbst oder mindestens ein Elternteil sind zugewandert. Integrationsminister Klose: „Aufgrund der Zuwanderung, des im Durchschnitt jüngeren Alters der Migrationsbevölkerung und eines abweichenden Geburtenverhaltens wird der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund auch in Zukunft weiter steigen. Der Erfolg der hessischen Integrationsarbeit ist damit auch ein Indikator für die Lebensqualität in unserem Land.“ Klose führt weiter aus, dass das Bundesland Hessen durch die demografische Entwicklung und den Fachkräftemangel auf Zuwanderung angewiesen ist.

Zugehörigkeit

Knapp zwei Drittel der Personen mit Migrationshintergrund fühlen sich vor allem mit Deutschland verbunden, 31 Prozent mit Deutschland und dem Herkunftsland gleichermaßen. Zugleich sorgen sich die hessischen Bürgerinnen und Bürger – unabhängig vom Migrationsstatus – wieder zunehmend um Fremdenfeindlichkeit: 78 Prozent der Menschen mit und sogar 89 Prozent der Menschen ohne Migrationshintergrund machten sich 2017 Sorgen über Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass, dies sind 10 bzw. 13 Prozentpunkte mehr als 2013. Angesichts der Terroranschläge in Hanau und Halle dürfte die Besorgnis weiter ansteigen. Dennoch fühlen sich 96% aller Menschen mit Migrationshintergrund wohl oder sogar sehr wohl in Hessen. „Wir müssen weiterhin alles daran setzen, dass alle Menschen in Hessen sicher und willkommen sind. Für Rassismus ist in unserem Land kein Platz“, betont Klose.

Bildung und Arbeit

Es bestehen zwischen den Bevölkerungsgruppen mit und ohne Migrationshintergrund strukturelle Unterschiede. Dennoch sind positive Tendenzen sichtbar: So geht etwa aus dem Integrationsmonitor 2020 hervor, dass immer mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund das Gymnasium besuchen und das Abitur ablegen, das sind etwa ein Viertel aller Schulabsolventen mit Migrationshintergrund. Der Anteil an Hauptschulabsolventen ist leicht rückläufig, wenngleich noch fast doppelt so hoch wie bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund. „Unserem Ziel, die Bildungsabschlüsse der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund schrittweise zu verbessern, nähern wir uns langsam. Das ist ein gutes Zeichen, aber es bleibt noch viel zu tun“, kommentiert Klose.

Auch der Blick auf die Arbeitsmarktdaten zeigt, dass der Anteil der erwerbstätigen Menschen mit Migrationshintergrund gestiegen ist (von 58% in 2005 auf 66% in 2017), die „Lücke“ zu Personen ohne Migrationshintergrund beträgt jedoch 13 Prozentpunkte. Allerdings zählen 14 Prozent der Erwerbstätigen mit Migrationshintergrund zu den sogenannten „Working Poor“, die trotz Arbeit armutsgefährdet sind. Demgegenüber sind sechs Prozent der Erwerbstätigen ohne Migrationshintergrund armutsgefährdet.

Analog zur zunehmenden Erwerbstätigkeit sinkt die Arbeitslosenquote ausländischer Personen 2019 auf 10,6 Prozent (2018: 11,3). Sie bleibt jedoch im Vergleich zu deutschen Erwerbstätigen – 2019 lag hier die Arbeitslosenquote bei 3,2 Prozent (2018: 3,4) – hoch. Es steht zu befürchten, dass die Arbeitslosenzahlen in Folge der Corona-Krise deutschlandweit stark ansteigen werden und hierbei Menschen mit Migrationshintergrund besonders betroffen sind.

Ausblick

Der Integrationsmonitor 2020 offenbart wie die Ausgabe 2018, dass im Prinzip in vielen Kategorien von Bildung über Einkommen bis zur Wohnsituation deutliche Unterschiede zwischen der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund bestehen. Diese werden zwar kleiner, sind aber immer noch deutlich sichtbar. Dazu erläutert der Minister: „Dies ist in einer Zuwanderungsgesellschaft nicht überraschend – eine schnell auf be- und entstehende Bedarfe reagierende Integrationspolitik bleibt daher auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe.“ Und er ergänzt: „Unser Ziel ist, dass alle Menschen sich unabhängig von ihrer Herkunft zugehörig fühlen und die gleichen Chancen auf Teilhabe in allen zentralen Lebensbereichen haben.“

Abschließend verweist der Minister auf das Landesprogramm ‚WIR‘, das durch gezielte fachliche Impulse maßgeblich zur Weiterentwicklung der hessischen Integrationspolitik beiträgt. Seit 2018 wurden die Mittel nochmals von 8,85 Mio. Euro auf rund 10 Mio. jährlich erhöht.

Hintergrund

Der erste landesweite Hessische Integrationsmonitor erschien 2010 und wurde seither ständig weiterentwickelt. Die 2020er Auflage weist 121 Indikatoren aus 30 Datenquellen aus und beleuchtet über den strukturellen Bereich der Integration – Arbeitsmarkt, Bildung und Einkommen – hinaus auch Dimensionen der sozialen, kulturellen und identifikativen Integration. Ein umfangreicher Teil beschäftigt sich mit dem Thema „Geflüchtete“. Der Hessische Integrationsmonitor kann unter abgerufen werden.

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Pressesprecherin: 
Alice Engel
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