Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
Krebsfrüherkennung

Gesetz zum Hessischen Krebsregister verabschiedet

„Hessen geht mit dem Hessischen Krebsregistergesetz einen wichtigen Schritt, um Krebspatientinnen und Krebspatienten nachhaltig und effektiv helfen zu können.“ Das betonte der Hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner gestern anlässlich der Verabschiedung des Gesetzes der Landesregierung im Hessischen Landtag in Wiesbaden. „Das Gesetz dient der Implementierung des klinischen Krebsregisters auf Grundlage des Krebsfrüherkennungs- und registergesetzes des Bundes. Bisher gibt es in noch keinem anderen Flächenland ein vergleichbares Gesetz. Daher wagen wir uns hiermit auch auf Neuland. Die Ergebnisse der Regierungsanhörung zu diesem Gesetz zeigen jedoch eine große Zustimmung der Körperschaften und Verbänden“, sagte Grüttner.

„Schnellere und effektivere Behandlung möglich“

Die Aufgabe des hessischen Krebsregisters bestehe insbesondere in der personenbezogenen Erfassung der Daten aller stationär und ambulant versorgten Patientinnen und Patienten, die an Krebs erkrankt sind. Bisher gibt es in Hessen ein epidemiologisches Krebsregister, welches statistische anonymisierte Daten zum Auftreten und zur Häufigkeit von Krebserkrankungen sammelte. Mit dem klinischen Krebsregister soll nun der komplette Krankheitsverlauf mit Diagnosen und Therapiemaßnahmen personenbezogen dokumentiert werden. Berechtigte Ärzte könnten somit auf die Daten zugreifen und beispielsweise so genannte Tumorkonferenzen zu den einzelnen Patientinnen und Patienten durchführen. „Im Rahmen dieser Tumorkonferenzen können Ärztinnen und Ärzte bisherige Untersuchungs- und Behandlungsergebnisse prüfen und auf dieser Grundlage Empfehlungen für die weitere Behandlung machen. Eine schnellere und effektivere Behandlung ist so möglich. Somit vollzieht sich ein wichtiger Paradigmenwechsel gegenüber der reinen statistischen Erfassung“, so der Gesundheitsminister.

„Mit einer Widerspruchslösung gegen eine entsprechende Meldung an das Krebsregister haben wir zudem eine rechtssichere Möglichkeit gefunden, das Recht der Patienten auf informelle Selbstbestimmung nachhaltig zu gewährleisten“, führte Grüttner aus. Patienten könnten demnach jederzeit die Löschung ihrer Daten veranlassen.

Kinder und Jugendliche werden in Register aufgenommen

Mit dem Gesetz zum Hessischen Krebsregister setze Hessen die Vorgaben des Bundesgesetzgebers um, wonach die Länder verpflichtet sind, die Verbesserung der onkologischen Versorgung die Krebsfrüherkennung zu fördern und klinische Krebsregister einzurichten. „Wir werden sogar über die Bundesregelung hinaus noch einen Schritt weitergehen und auch Kinder und Jugendliche mit Tumorerkrankungen im Klinischen Krebsregister Hessen erfassen, da ihnen nach unserer Auffassung nur so die gleiche, qualitativ bestmögliche onkologische Versorgung wie Erwachsenen zuteil werden kann“, sagte Grüttner.

Die Kosten für den operativen Betrieb des Krebsregisters würden zu 90 Prozent durch die Krankenkassen erstattet. Die Deutsche Krebsgesellschaft werde das Projekt ebenfalls mit einer Anschubfinanzierung fördern. Das bestehende epidemiologische Krebsregister werde mit dem Inkrafttreten des Gesetzes im klinischen Krebsregister aufgehen.

Hintergrund:

Jährlich werden im Hessischen epidemiologischen Krebsregister rund 50.000 Krebserkrankungen erfasst. Insbesondere Lungenkrebs und Darmkrebs sowie Prostatakrebs bei den Männern und Brustkrebs bei den Frauen gehören zu den häufigsten Krebserkrankungen in Hessen. „Vorsorge ist das beste Mittel gegen den Krebs, je früher eine Erkrankung oder deren Vorstufen erkannt werden, desto effizienter kann dagegen vorgegangen werden beziehungsweise können akute Erkrankungen komplett vermieden werden“, betonte Grüttner. Unter dem Motto „du bist kostbar – Hessen gegen Krebs“ werden alle Präventionsaktionen gebündelt.

Ziel der Krebspräventionsinitiative ist es, die Hessische Bevölkerung über die Präventionsmöglichkeiten und die Notwendigkeit von Vorsorgeuntersuchungen aufzuklären und gleichzeitig über die vielen Angebote von der Krebsprophylaxe bis zur Unterstützung im Leben mit und nach einer Krebserkrankung darzustellen. Die Initiative wurde bereits 2012 von der Hessischen Landesregierung, der Hessischen Krebsgesellschaft und der Stiftung Leben mit Krebs ins Leben gerufen.

Zu den Präventionsaktionen zählt beispielsweise 1000 Mutige Männer. Im Rahmen der Aktion haben sich 1.645 Männer und 1.580 Frauen in Wiesbaden innerhalb eines Jahres motivieren lassen, zur Darmspiegelung zu gehen. Das Projekt „Schatten, Shirt und Sonnencreme“ aus 2012 macht auf das zunehmende Hautkrebsrisiko aufmerksam. In diesem Jahr konnten rund 1.700 Schüler an zehn Schulen im Main-Kinzig-Kreis und 1.100 Schüler an elf Schulen im Kreis Limburg-Weilburg zum Thema Hautschutz und Hautkrebs aufgeklärt werden. Ebenso haben wieder prominente Sportler für das Thema sensibilisiert. Weitere Initiativen sind Anleitungen zur Selbstuntersuchung der Brust sowie Ernährungs- und Bewegungsaktionen für krebskranke Menschen. Insgesamt ist die Hessische Initiative „du bist kostbar“ so erfolgreich, dass die Deutsche Krebsgesellschaft die Initiative deutschlandweit in die Breite tragen wird.

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