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Tag des Ehrenamts

Landesauszeichnung „Soziales Bürgerengagement“

Thema: 
Soziales
05.12.2017Hessisches Ministerium für Soziales und Integration

Sozial- und Integrationsminister Stefan Grüttner verleiht 16 Landesauszeichnungen für soziales Bürgerengagement. „Wenn Menschen ihre Zeit und ihre Energie einem Ehrenamt widmen, ist dies ein Geschenk nicht nur für Einzelne, sondern für die gesamte Gesellschaft“

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2017_Tag des Ehrenamts, Gruppenbild
© Foto Heibel

Wiesbaden. An acht Gruppen und acht Einzelpersonen hat Sozial- und Integrationsminister Stefan Grüttner heute – am Internationalen Tag des Ehrenamts -  im Biebricher Schloss in Wiesbaden die Landesauszeichnungen für soziales Bürgerengagement vergeben. „Sie alle tragen mit Ihrem Engagement dazu bei, dass unsere Welt freundlicher, unsere Gesellschaft sozialer und toleranter wird“, lobte der Minister die Preisträger. Er betonte:  „Eine demokratische Gesellschaft hat ohne bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement keinen Zusammenhalt und keinen Bestand. Wenn Menschen ihre Zeit und ihre Energie einem Ehrenamt widmen, ist dies ein Geschenk nicht nur für Einzelne oder einzelne Bevölkerungsgruppen, sondern für die gesamte Gesellschaft, für uns Alle. Als solches muss es gewertet und hochgeschätzt werden.“ In Hessen ist die Bereitschaft, sich ehrenamtlich in den verschiedensten Lebensbereichen zu engagieren, außerordentlich groß. Rund 2,4 Millionen Ehrenamtliche und Freiwillige setzen sich für die Gemeinschaft ein, um gemeinsam mit anderen Menschen etwas Gutes zu tun und direkt vor Ort etwas zu bewegen.

Die Landesauszeichnung „Soziales Bürgerengagement“ wird heute zum fünfzehnten Mal verliehen. In diesem Jahr lagen der Jury 86 Bewerbungen vor. Dies macht deutlich, in welchem Ausmaß und in welchen vielfältigen Bereichen hessische Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich tätig sind und sich in herausragender Weise engagieren. Die Jury hatte im Vorfeld der Verleihung zwei Schwerpunkte festgelegt: In diesem Jahr wurden unter dem Motto „Integration – von der Willkommenskultur zur Bleibestruktur“zum einen Initiativen ausgezeichnet, deren Engagement im Bereich der Flüchtlingshilfe darauf abzielt, die Menschen nicht mehr nur willkommen zu heißen, sondern vielmehr auf Dauer in unsere Gesellschaft zu integrieren. Zum anderen werden Initiativen geehrt, denen die Inklusion aller Menschen ein besonderes Anliegen ist und die nach dem Motto „Inklusion – Menschen mit und ohne Behinderungen engagieren sich“ handeln. Die Geehrten erhielten neben der Landesauszeichnung „Soziales Bürgerengagement“ in Form einer Skulptur auch ein finanzielles Dankeschön in Höhe von 300 Euro für ihren Verein oder Organisation.

Folgende Einzelpersonen und Gruppen wurden mit der Landesauszeichnung „Soziales Bürgerengagement“ geehrt:

Einzelpersonen:

Brigitte Pongs

Frau Pongs hat die ehrenamtliche Arbeit in Tann ins Leben gerufen, um die hier untergebrachten Flüchtlinge willkommen zu heißen, Perspektiven zu entwickeln, Hilfestellungen im Alltag zu leisten, weitere Ehrenamtliche zu akquirieren. Sie gibt Deutschunterricht, betreut die Flüchtlingsfamilien, organisiert Bastelnachmittage für Frauen, hilft bei der Verkehrserziehung usw. Sie zeichnet sich durch ihre Fürsorge, ihren Ideenreichtum und ihr couragiertes Wesen aus, mit dem sie die geflüchteten Menschen positiv zu fordern versteht.

Ehrengard Kleinberg

Frau Kleinberg engagiert sich in Reiskirchen liebevoll und mit sehr viel Hingabe um Flüchtlingskinder bzw. um erwachsene Flüchtlinge. Besonders die Kinder liegen Frau Kleinberg am Herzen. Aktuell betreut sie 11 Kinder. Sie bietet Hausaufgabenbetreuung und Lernhilfen an und in den Ferien zusätzliche Übungseinheiten. Außerdem unternimmt sie kleine Ausflüge mit den Kindern. Frau Kleinberg lernt mit den Flüchtlingen Deutsch und gibt ihnen diverse Unterstützungen, wie z.B. bei der Wohnungssuche oder Hilfe bei der Erstellung von Amtsschreiben.

Özlem Großhans

Frau Großhans unterstützt Flüchtlinge bei der Wohnraumbeschaffung in Bensheim, sobald diese aus den Sammelunterkünften des Kreises ausziehen müssen. Um der Wohnungsknappheit entgegenzuwirken, tritt Frau Großhans an Personen mit leerstehenden Wohnungen und Häusern, die renovierungsbedürftig sind, heran. Sie unterbreitet den Eigentümern den Vorschlag, dass sie zusammen mit einem Arbeitstrupp die Wohnungen/Häuser komplett renoviert, damit anschließend Geflüchtete dort einziehen können. Die Eigentümer zahlen lediglich die Materialkosten, verpflichten sich dann im Gegenzug, die renovierte Wohnung an Flüchtlinge zu vermieten. Mit dieser Idee hat Frau Großhans innerhalb eines Jahres bereits sieben Wohnungen sowie zwei ältere Häuser gefunden, renoviert und somit kostbaren Wohnraum für geflüchtete Menschen geschaffen.

Ingrid Fieberling

Die Integration steht auch im Mittelpunkt des Engagements von Frau Fieberling. Sie gründete 2002 den "Zwingenberger Mittagstisch", der älteren Menschen einmal die Woche die Möglichkeit gibt, sich bei einem gemeinsamen Essen auszutauschen. Die Idee entstand aus dem etablierten "Essen auf Rädern", bei dem zwar für eine regelmäßige Mahlzeit gesorgt wird, jedoch kaum eine Möglichkeit für Kommunikation bestand. Waren es anfangs 18 Gäste, so sind es nun ca. 60 Personen, für die immer dienstags gekocht wird.

Herbert Mantel

Herr Mantel gründete die Gruppe zur Flüchtlingshilfe in Breuberg Ende 2015. Er bietet Unterstützung und Entlastung der Kommune als ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer und Leiter der Flüchtlingshilfe. Er übernahm die Koordinierung des Einsatzes der freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der zeitliche Umfang seines Engagements ist herausragend. Herr Mantel ist sogar abends und an den Wochenenden für die geflüchteten Menschen erreichbar. Er hilft ihnen bei Behördengängen oder bei Anträgen und begleitet die Familien zu Schulen, Kindergärten, Deutschkursen oder Vereinen. Herr Mantel regt und leitet die Flüchtlinge an, ihr Leben aktiv zu gestalten und sich zu integrieren. Durch seine kompetente, verständnisvolle, ruhige, aber bestimmte Art konnte er ein großes Vertrauensverhältnis aufbauen.

Kurt Stoppel

Durch das Bürgerprojekt "Bunte Gärten - Internationale Schrebergärten" in Büdingen wurde eine ehemals triste Maisackerfläche in einen blühenden Garten mit verschiedenen Früchten und Gemüsen verwandelt. Kurt Stoppel und seine Frau Christa haben dies als Projektleitung mithilfe einer multikulturellen Mischung aus einheimischen Bürgern sowie Asylbewerbern und vielen Kindern begeistert umgesetzt. Täglich sind ca. 70 Personen aktiv in den Gärten, die in nur einem Jahr zum Treffpunkt zahlreicher Kulturen geworden sind.

August Ansorg

Herr Ansorg unterstützt Flüchtlinge bei ihrer Integration in Bensheim. Er steht mit einer sehr intensiven Betreuung den Geflüchteten seit bereits zwei Jahren rund um die Uhr zu ihrer Verfügung. Er begleitet die Geflüchteten zu Behörden, Arztterminen, in Kindergärten, Schulen.

Christel Becker

Frau Becker bietet Hilfe, Begleitung und Betreuung von schwangeren und erkrankten Flüchtlingen in Oberweser. Hierbei übernimmt sie Terminabsprachen, Koordination und Organisation von Arztbesuchen und Fahrdiensten.

Gruppen

Förderverein Erlenbachschule Elz e.V./Ökumenischer Arbeitskreis Flüchtlingshilfe

In Elz zeigt ein Projekt, das Leuchtturmcharakter hat, wie kostengünstige, pädagogisch hochwertige und leicht übertragbare Integrationsarbeit geleistet werden kann. Das Außengelände der Erlenbachschule sollte von einem grauen Nichts in eine schöne Naturlandschaft umgebaut werden. Die Kosten lagen bereits bei den Materialien im 70.000-Euro-Bereich. So mussten Ehrenamtliche gefunden werden, die sich bei der Umsetzung des Großprojektes beteiligten. Ein kreativer Ansatz wurde schnell gefunden. In Elz untergebrachte Flüchtlinge und Eltern bauten gemeinsam mit der Schulgemeinschaft die Spiellandschaften auf. Dies minimierte die Kosten des Projekts einerseits auf ein Minimum, bedeutsamer ist allerdings die gelungene Integration der geflüchteten Menschen, die durch das Kennenlernen bei gemeinsamer Arbeit und, damit einhergehend, dem wechselseitigen Abbau von Ängsten und Vorurteilen gelang.

Mädchenbüro Milena

„Milena“: das sind junge Frauen mit Migrationshintergrund, die selbst jahrelang im Bildungs- und Integrationsbereich des Mädchenbüros Unterstützung erhielten. Im Oktober 2014 gründeten sie in Frankfurt ihren eigenen Verein und betreiben seither aktiv das Flüchtlingscafé Milena. Aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Migrationsbiografie besitzen sie die nötige Empathie, um geflüchteten Mädchen Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen.

„Männer für Männer“ der Evangelischen Kirchengemeinde Niedenstein-Wichdorf

Im Projekt "Männer für Männer" der Evangelischen Kirchengemeinde Niedenstein-Wichdorf begleiten 12 männliche Mentoren 12 geflüchtete Männer. Männliche Rollenwandeln sich, maskuline Identitäten sind vielfältig und befinden sich in vielen (westlichen) Gesellschaften im Umbruch. Häufig sind die Geschlechterrollen in den Herkunftsländern von Geflüchteten uns Hiesigen unbekannt oder durch schale Klischees besetzt. „Männer für Männer“ eröffnet die Möglichkeit, durch gemeinsame Erfahrungen und Austausch in geschlechtshomogenen Gruppen Hilfestellung bei der Entwicklung einer selbstdefinierten Identität als Mann zu erhalten.

Schülergruppe Valentin-Traudt-Schule Großalmerode

Unter Leitung ihrer Lehrerin, Frau Anne Muster, bietet eine Schülergruppe der gymnasialen 9. Klasse der Valentin-Traudt-Schule in Großmalerode Deutschunterricht für geflüchtete Menschen an. Dieses Angebot findet einmal wöchentlich nach dem eigenen Unterricht der Schülerinnen und Schüler statt und richtet sich an Asylsuchende aus Großalmerode.

Interkulturelle Elternpaten

In dem im Jahr 2012 ins Leben gerufenen Projekt der „interkulturellen Elternpaten“ engagieren sich Eltern für Eltern. Alle Elternpaten haben ausländische Wurzeln und beherrschen daher viele verschiedene Sprachen. Mittlerweile übersetzen 14 Elternpaten in 11 Sprachen. Sie übersetzen, begleiten und erklären in allen Lebensbereichen. Ihr Einsatz ist kostenlos, vertraulich und neutral. Sie sind feste Integrationspartnerinnen und -partner geworden und arbeiten seit 2015 mit den beiden Flüchtlingsunterkünften in Baunatal zusammen. Darüber hinaus bauen sie ein „Willkommens-Angebot“ für zugewanderte Familien auf.

Im Schwerpunkt „Inklusion – Menschen mit und ohne Behinderungen engagieren sich“ werden drei Gruppen ausgezeichnet:       

Ziegenprojekt „Marie-Luise“

Das „Albert-Osswald-Haus“, eine Einrichtung der AWO Gießen, hält seit mehreren Jahren Ziegen. Nachdem der Ziegenbock Hennes Ende 2016 verstarb, drohte der Ziegenhaltung das Aus. Nach einem Aufruf des Vereins Ehrenamt Gießen fanden sich zehn Personen, die bereit waren, ein bis zweimal wöchentlich für die Tierbetreuung zu sorgen. Es bildete sich ein Team aus unterschiedlichen Menschen, die sich mit großem Engagement für ein neues Projekt mit Tieren verantwortlich zeigen.

Verein Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen

In diesem gemeinnützigen Verein aus Großenlüder schlossen sich Eltern von Kindern mit Behinderung, Erzieherinnen und Erzieher sowie Therapeutinnen und Therapeuten wie auch weitere interessierte Menschen zusammen, um für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen ein gemeinsames Leben und Lernen zu ermöglichen. Seit September 2001 hat der Verein die Trägerschaft des familienunterstützenden Dienstes für die Stadt und den Landkreis Fulda übernommen. Hier werden Menschen mit Beeinträchtigung ambulant im häuslichen Umfeld von ehrenamtlichen Betreuern unterstützt. Dadurch bekommen pflegende Angehörige für einige Stunden in der Woche Zeit zur Erholung, zur Pflege eigener sozialer Kontakte oder zur Erledigung privater Angelegenheiten. Ziel der häuslichen Betreuung ist es, dass der Verbleib des Menschen mit Behinderung oder Pflegebedürftigkeit in seinem häuslichen Umfeld auch auf längere Sicht sichergestellt ist.

Bürgerhilfe Weimar e. V.

Die Bürgerhilfe Weimar unterstützt und begleitet hilfebedürftige Mitbürgerinnen und Mitbürger in deren Häuslichkeit. Es werden begleitete Fahrten mit dem vereinseigenen Fahrzeug angeboten. So werden auch pflegende Angehörige entlastet und unterstützt. Hilfe- und pflegebedürftige Menschen sollen so möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können und vor allem nicht alleine sind.

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Pressesprecherin: 
Esther Walter
Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
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