Hessischer Gesundheitspakt 3.0

Neues Maßnahmenpaket unterzeichnet

Thema: 
Gesundheit
17.12.2018Hessisches Ministerium für Soziales und Integration

Gesundheitsminister Stefan Grüttner: „Wir gehen mit einem neuen Maßnahmenpaket gemeinsam mit den Akteuren des Gesundheitswesens den eingeschlagenen Weg zum Wohle der hessischen Patientinnen und Patienten konsequent weiter!“

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Pakt-Partner des Gesundheitspaktes 3.0 im Treppenhaus des HMSI
Pakt-Partner des Gesundheitspaktes 3.0
© HMSI

Wiesbaden. Anlässlich der Unterzeichnung des Gesundheitspaktes 3.0 sagte Gesundheitsminister Stefan Grüttner am Montag, dass die Landesregierung den mit den Akteuren des Gesundheitswesens eingeschlagenen Weg „konsequent“ weitergehe. „Wir haben ein neues Maßnahmenpaket zum Wohle der hessischen Patientinnen und Patienten erarbeitet. „Neue Themenschwerpunkte sind die Fachkräftesicherung im Gesundheitswesen und der Pflege sowie die Stärkung der sektorenübergreifenden Versorgung auch mithilfe von telemedizinischen Anwendungen“, erklärte der Minister im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration.

Zukunftsfeste Antworten für eine gute medizinische Versorgung

Grüttner nannte hierbei die Zusammenarbeit mit den Pakt-Partnern einen „ganz maßgeblichen Beitrag zur Sicherung einer bestmöglichen Gesundheitsversorgung für die hessischen Bürgerinnen und Bürger.“ Anlässlich der heutigen öffentlichen Unterzeichnung des neuen Hessischen Gesundheitspakts für die Jahre 2019 bis 2022 erklärte Grüttner: „Die Herausforderungen im Gesundheitswesen sind groß. Der Demografie bedingt steigenden Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen steht eine ebenso Demografie bedingt abnehmende Zahl an jungen Fachkräften gegenüber. Daher hat sich die Hessische Landesregierung gemeinsam mit den Akteuren des Gesundheitswesens und der Pflege darauf verständigt, die bereits bestehenden Maßnahmen zur Fachkräftesicherung zu intensivieren und sektorenübergreifende Versorgungsansätze zu stärken. Mit den im Gesundheitspakt 3.0 vereinbarten Initiativen sind wir gut aufgestellt, um zukunftsfeste Antworten für eine gute medizinische Versorgung zu geben.“

Neue Initiativen für die richtigen inhaltlichen Akzente

Grüttner dankte allen Pakt-Partnern, wie der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, der Hessischen Krankenhausgesellschaft, der Landesärztekammer Hessen, der Landesapothekerkammer Hessen, dem Hessischen Apothekerverband, der Regionalgruppe Hessen der Jungen Allgemeinmedizin Deutschland (HESA), der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen, der bpa-Landesgruppe Hessen, den Landesverbänden der Krankenkassen und Ersatzkassen in Hessen, den kommunalen Spitzenverbänden sowie den Fachbereichen für Allgemeinmedizin der Universitäten Frankfurt am Main und Marburg, für die gute Zusammenarbeit. „Mit diesem neuen Maßnahmenpaket gehen wir den seit 2012 eingeschlagenen, erfolgreichen Weg engagiert weiter und setzen mit neuen Initiativen die richtigen inhaltlichen Akzente.“

Zu den neuen Maßnahmen des Gesundheitspakts 3.0 gehören insbesondere:

1.  Fachkräftesicherung im ärztlichen Bereich

Die erfolgreichen Leistungsangebote des Kompetenzzentrums Weiterbildung Allgemeinmedizin Hessen, das Blaupause für die Einrichtung von solchen Kompetenzzentren in anderen Bundesländern ist, werden ausgeweitet. Zur Stärkung der Allgemeinmedizin werden z.B. ein Praxis-Übergabe- und Übernahme-Coaching eingerichtet sowie Maßnahmen zur Gewinnung von Quer- und Wiedereinsteigern konzipiert. Da die Leistungsangebote des Kompetenzzentrums Weiterbildung Allgemeinmedizin Hessen zu einer deutlichen Attraktivitätssteigerung der Allgemeinmedizin beigetragen hat, sollen die dort entwickelten Instrumente und Maßnahmen auch auf andere grundversorgende Facharztgruppen ausgeweitet werden.

Nach den Statistiken der Landesärztekammer steigt die Anzahl von Ärzten mit ausländischen Berufsabschlüssen stetig. Zur Verbesserung der Integration von ausländischen Medizinern sollen ergänzend zu den allgemeinen Sprachkursen praxisbezogene Schulungen angeboten werden, die berufsgruppenübergreifend auch für Pflegefachkräfte offen sind.

2.  Fachkräftesicherung im Bereich der Gesundheits- und Pflegefachberufe

Nachhaltige Fachkräftesicherung wird immer mehr zum Erfolgsfaktor für die Zukunftsfähigkeit Hessens. Die Pakt-Partner setzen auf einen Strategiemix aus Bildung, potenzialorientierter Arbeitsmarktpolitik und Internationalisierung als Standortfaktor. Den Pakt-Partnern ist dabei wichtig, sowohl die inländischen Fachkräftepotenziale für die Gesundheits- und Pflegefachberufe zu heben und die Arbeitsbedingungen in der Pflege attraktiver zu gestalten als auch internationale Gesundheits- und Pflegefachkräfte anzuwerben und nachhaltig zu integrieren.

Potenzielle Fachkräfte aus dem Inland sollen durch verschiedene Initiativen, wie die Hessischen Gesundheitscamps, die Hessische Landesinitiative „Pflege in Hessen integriert“ und die Entwicklung eines neuen Ausbildungsmarketings inkl. Social Media-Kampagne, aktiv angesprochen werden. Zudem soll ein landesweiter Dialogprozess „Attraktive Arbeitsbedingungen und Stärkung der Beschäftigten in der Pflege“ mit den hessischen Arbeitgebern gestartet werden. Schließlich soll der Prozess der Anwerbung und nachhaltigen Integration internationaler Gesundheits- und Pflegefachberufe, u.a. durch das ZIP Hessen und die Ausbildung von Fachkräften im Ausland anlehnend an deutsche Berufsregelungen, unterstützt werden.

3.  Sektorenübergreifende Versorgung und Telemedizin

In Deutschland leben immer mehr ältere und sehr alte Bürgerinnen und Bürger. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko chronischer und mehrfacher Erkrankungen, ebenso das Risiko von Pflegebedürftigkeit. Die Pakt-Partner verständigten sich deshalb auf eine Gesamtstrategie zur Bewältigung des demografischen Wandels im Gesundheitswesen.

Aufbau eines Gesundheitsdatenpools

Die Pakt-Partner vereinbaren den Aufbau eines Gesundheitsdatenpools in Form eines Onlineportals, das in einem ersten Schritt bestehende Analysen und Statistiken zusammenfasst und regionale Auswertungen auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte ermöglicht. Auf dieser Basis solle eine kleinräumige Versorgungsforschung aufgebaut und die Ergebnisse in Regionalen Gesundheitsreporten zusammengefasst werden. In diesem Zusammenhang wird die Entwicklung und Einführung einer einheitlichen Software für die Gesundheitsberichterstattung der hessischen Gesundheitsämter geprüft.

Weiterhin halten die Pakt-Partner es für sinnvoll, dass die hessischen Landkreise und kreisfreien Städte eine regionale Gesamtstrategie „Gesundheit“ zur Weiterentwicklung der gesundheitlichen Versorgung vor Ort erstellen. Diese Regionalstrategien könnten im Rahmen der regionalen Gesundheitskonferenzen über die kommunalen Grenzen hinaus aufeinander abgestimmt werden. Die Pakt-Partner vereinbarten eine Initiative zur Stärkung kooperativer Versorgungsstrukturen mit dem Ziel des Erhalts von Versorgungsstandorten sowie die Etablierung einer „Task Force“ zur Unterstützung von regionalen Akteuren bei akuten Versorgungsengpässen.

Sektorenübergreifende Versorgung mittels indikationsspezifischer Versorgungskonzepte

Zur Stärkung der sektorenübergreifenden Versorgung vereinbaren die Pakt-Partner die (Weiter-)Entwicklung indikationsspezifischer Versorgungskonzepte, die die Zusammenarbeit von ambulant und stationär tätigen Fachärzten sowie mit anderen Gesundheits- und Pflegeberufen bei bestimmten Patientengruppen bzw. Krankheitsbildern unterstützen, wie es bspw. beim Neuronetz Mitte heute schon erfolgt. Dies soll durch sektorenübergreifende Modellprojekte zur Versorgungsoptimierung verstärkt werden. Hierbei wird die Frage der Einführung von telemedizinischen Maßnahmen und deren Patientennutzen von den Pakt-Partnern mit erörtert werden.

Abschließend betonte der Hessische Gesundheitsminister, dass die Pakt-Partner mit diesem neuen Maßnahmenpaket wichtige Weichen für die Sicherung der gesundheitlichen Versorgung in Hessen gestellt haben. „Wir werden weiterhin gemeinsam daran arbeiten, dass sich die hessischen Bürgerinnen und Bürger auf ein zukunftsfestes Gesundheits- und Pflegesystem werden verlassen können. Dafür stehe ich gemeinsam mit den Partnern des Hessischen Gesundheitspakts.“

Liste der Paktpartner:

  • Kassenärztliche Vereinigung Hessen    
  • Landesärztekammer Hessen
  • Junge Hessische Allgemeinmedizin (HESA) e.V.
  • Hessische Krankenhausgesellschaft e.V.
  • Hessischer Apothekerverband e.V.
  • Landesapothekerkammer Hessen
  • Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e.V.
  • Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. – Landesgruppe Hessen
  • Landesverbände der Krankenkassen und Ersatzkassen in Hessen
  • Hessischer Landkreistag
  • Hessischer Städtetag
  • Hessischer Städte- und Gemeindebund e.V.
  • Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Abteilung Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin
    der Philipps-Universität Marburg und
  • Hessische Landesregierung.
Gesundheitsminister Stefan Grüttner im Gespräch mit Pakt-Partnern
  • Gesundheitsminister Stefan Grüttner im Gespräch mit Pakt-Partnern
  • Pressekonferenz Unterzeichnung Hessischer Gesundheitspakt 3.0
  • Unterzeichnung
Pressekonferenz anläßlich der Unterzeichnung

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