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Medizinische Versorgung im ländlichen Raum

Zukunftsweisende Konzepte mit Blick auf demografischen Wandel

Thema: 
Gesundheit
25.01.2018Hessisches Ministerium für Soziales und Integration

Gesundheitsminister Stefan Grüttner informiert sich über zukunftsweisende Konzepte: „Neue Organisations- und Versorgungskonzepte und der Einsatz digitaler Kommunikationstechnologien werden dafür sorgen, dass die Bürgerinnen und Bürger in Hessen auch künftig bedarfsgerecht und gut medizinisch versorgt werden.“

Ehrenberg/Schenklengsfeld/Großalmerode. Hessen stellt sich mit großem Engagement der Herausforderung, die medizinische Versorgung, insbesondere im ländlichen Raum, weiterhin sicher- und zukunftsfest aufzustellen. Mit Blick auf den demografischen Wandel und die Herausforderung, gerade in ländlichen Regionen Ärztinnen und Ärzte für eine Niederlassung zu gewinnen, sagte Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner, heute in Ehrenberg: „Eine zukunftsfeste und weiterhin wohnortnahe, qualitativ hochwertige Versorgung ist eine der großen Zukunftsaufgaben. Zum einen werden die Menschen älter und es wird immer mehr medizinische Versorgung nachgefragt. Gleichzeitig geben viele Allgemeinmediziner ihre Praxen altersbedingt auf und nun gilt es, neue Wege zur Sicherstellung einer hochwertigen medizinischen Versorgung zu beschreiten. Der Minister startete heute seine insgesamt dreitägige Rundreise in der Zeit von Januar bis März durch Hessen, um sich vor Ort über gute Beispiele zu informieren, die die Gesundheitsversorgung zukunftsfähig gestalten.

Erste Station Ehrenberg

Erste Station war am Donnerstag die Gemeinschaftspraxis M. Ziegler / Dr. med. M. Neumayer in Ehrenberg, die am „Projekt Landpartie 2.0“ teilnimmt. Das Projekt möchte bereits Studierende für den Beruf des Landarztes begeistern. So wird Medizin-Studierenden ab dem 1. klinischen Semester die Möglichkeit geboten, die hausärztliche Medizin in ländlichen Regionen bereits während des Studiums intensiv zu erleben. In ausgewählten Hausarztpraxen absolvieren sie ein zwei- bis fünftägiges Praktikum pro Semester in flexibler Absprache mit der Praxis. Die Praxisphasen werden jeweils von einem Vor- und Nachbereitungsseminar umrahmt. Der Minister betonte nach dem Besuch, dass er den Eindruck gewonnen habe, dass ein solches Praktikum die jungen Menschen für die Arbeit auch in ländlichen Regionen wieder begeistern könne. Und er dankte der Praxis für ihr Engagement.

Zweite Station Schenklengsfeld

In Schenklengsfeld informierte sich Grüttner in der Arztpraxis von Dr. Klein über das Projekt „Gemeindesschwester 2.0“. „Schenklengsfeld hat die Versorgungsprobleme von Seniorinnen und Senioren sowie multimorbiden Patienten frühzeitig erkannt und ermöglicht ihnen, im Rahmen des Projekts, in der vertrauten häuslichen Umgebung zu bleiben“, lobte der Minister. Dazu arbeiten ein „Gemeinde-Sozial-Lotse“ und ein ehrenamtlicher Ortsteil-Kümmerer gemeinsam mit einer zur Versorgungsassistenten in den Hausarztpraxen (VerAHs) qualifizierten medizinischen Fachangestellten zusammen. Als Vertrauenspersonen organisieren sie ehrenamtliche und entgeltliche Hilfe für die alltägliche Betreuung. „Multimorbiden Patienten lässt sich nicht allein durch eine spezielle Therapie helfen. Sie benötigen ein ganzes Versorgungsnetz und eine zeitintensive Arzt-Patienten-Kommunikation“, erklärte der Minister. Es sei eine gute Lösung, dass eine Praxisassistentin die Ärzte hierbei unterstütze, daher werde Hessen, vorbehaltlich der Verabschiedung des Haushalts, solche Modelle ab 2018 finanziell fördern. Grütter dankte der Praxis und allen Beteiligten und stellte klar, dass „eine solche Arbeit ein Baustein einer zukunftsfesten medizinischen Versorgung“ sei.

Dritte Station Großalmerode

In Großalmerode besuchte der Minister das Gesundheitszentrum Gelstertal, einem Zusammenschluss dreier Artzpraxen aus Großalmerode, Laudenbach und Hessisch-Lichtenau. Im Rahmen dieses innovativen Gesundheitsmodells zur integrierten Versorgung in den Bereichen Medizin und Pflege mittels Telemedizin entlasten mobile Versorgungsassistentinnen die Ärzte bei der häuslichen Betreuung von älteren multimorbiden Patienten. Das Besondere sind die elektronischen Patienten- und Fallakten, die  die Ärzte, Versorgungsassistenten und Pflegekräfte gemeinsam führen, damit die wichtigen Gesundheitsdaten dem medizinischen und pflegerischen personal schnell und umfassend zur Verfügung stehen. „Die neue Technik ist der Schlüssel zur wohnortnahen medizinischen Versorgung im ländlichen Raum. Das heißt nicht, dass sie alles kann, aber sie ist an vielen Stellen eine sinnvolle Unterstützung, wie das Beispiel Großalmerode zeigt“, unterstrich der Minister. Er danke den Ärzten und allen an der Arbeit des Gesundheitszentrums Beteiligten. „Sie legen hier Schienen in die Zukunft der medizinischen Versorgung.“

Jährlich sechs Millionen Euro für Innovationsprojekte

Grüttner ergänzte: „Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist eine große Chance, weil sie bestehende Versorgungsangebote unterstützt, sehr schnell medizinisches Fachwissen zu den Menschen bringt und Distanzen überbrücken kann. Damit ist sie ein Schlüssel zu einer weiterhin wohnortnahen Versorgung. Die neue Technik schafft zudem moderne, attraktive Arbeitsplätze für junge Fachkräfte besonders im ländlichen Raum. Deshalb stellt die Landesregierung für Innovationsprojekte jährlich sechs Millionen Euro zur Verfügung.“

„Wir wissen, dass gerade ältere Menschen eine gute medizinische Versorgung benötigen. Die Herausforderungen, dies weiterhin auch in ländlichen Regionen sicherzustellen, packen wir in Hessen auch von Seiten der Landesregierung mit Projekten wie dem Gesundheitspakt an. Wir brauchen in den ländlichen Regionen zudem verstärkt integrierte Versorgungsformen, die Leistungen aus den Bereichen Medizin, Pflege und soziale Betreuung vernetzt anbieten. Das Land unterstützt solche innovativen Ansätze über das Landesprogramm „Regionale Gesundheitsnetze“. Hierbei wird beispielsweise der Aufbau von lokalen Gesundheitszentren oder die Gründung von fachspezifischen Netzwerken wie z.B. für Demenzkranke gefördert.

Fachkräftenachwuchs im Bereich Pflege

Auch die Nachfrage nach Pflegefachkräften steigt demografiebedingt stetig. Wir müssen beim Fachkräftenachwuchs das Interesse anregen, im ländlichen Raum zu leben und zu arbeiten – das ist eine der großen Herausforderungen. Die Hessische Landesregierung wird sich dem Wettbewerb um die besten Fachkräfte für den ländlichen Raum stellen. Deshalb werden z.B. von uns Ausbildungsplätze in der Altenpflege finanziert, ein Zentrum zur Anwerbung und nachhaltigen Integration internationaler Pflege- und Gesundheitsfachkräfte (ZIP Hessen) gegründet und Medizin-Studierende bereits früh im Studium für eine spätere Niederlassung als Landarzt geworben. Hierzu gehören beispielhaft die Nachwuchskampagne der Kassenärztlichen Vereinigung, finanzielle Anreize für die Niederlassung als Landarzt sowie das vom Land geförderte Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Hessen, das den Ärztenachwuchs vom Studium über die Weiterbildung bis zur Niederlassung begleitet.“

Unterstützung von kommunalen und regionalen Initiativen

Zudem unterstütze das Land kommunale und regionale Initiativen durch unterschiedliche Förderbausteine, wie z.B. durch das Landesprogramm „Bildung regionaler Gesundheitsnetze“ und die Initiative „Land hat Zukunft – Heimat Hessen“. „Bei allen Bestrebungen zur Sicherung der wohnortnahen Versorgung steht das Wohl der Bürgerinnen und Bürger immer an oberster Stelle. Dafür treten wir zuverlässig ein“, so der Gesundheitsminister abschließend.

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecherin: 
Esther Walter
Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
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