Startseite Presse Pressemitteilungen Pressearchiv 20 Jahre Engagement für Kinder und Jugendliche in stationären Jugendhilfeeinrichtungen
Hessische Heimratsberater

20 Jahre Engagement für Kinder und Jugendliche in stationären Jugendhilfeeinrichtungen

Tann/Rhön. Manche Geburtstagskinder nehmen keine Geschenke an, sondern machen anderen Menschen ein Geschenk. Bereits seit 20 Jahren engagieren sich pädagogische Fachkräfte in Hessen für die Partizipation von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der Erziehungshilfe. Das war Anlass einer Feier zum runden Geburtstag der Landesarbeitsgemeinschaft „Hessische Heimratsberater“ in Tann/Rhön. Bereits seit 1995 setzt sich die Landesarbeitsgemeinschaft für die Beteiligungsrechte von jungen Menschen in Einrichtungen ein. Sie konnte damit zu einem wichtigen Vorreiter einer Entwicklung werden, die mittlerweile eine bundesgesetzliche Verankerung erfahren hat: Seit Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes im Jahre 2012 sind Einrichtungen der Jugendhilfe verpflichtet, Möglichkeiten der Beteiligung und Beschwerde für die von Ihnen betreuten Kinder und Jugendlichen zu schaffen. Der Hessische Familienminister Stefan Grüttner würdigte die Arbeit der Hessischen Heimratsberater und betonte, dass die Beteiligung in Einrichtungen vom Engagement der pädagogischen Fachkräfte lebe: „Es ist der große Verdienst der Heimratsberater, dass es ihnen immer neu gelingt, junge Menschen dafür zu begeistern, in Beteiligungsgremien mitzuwirken und sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Die Heimratsberaterinnen und -berater unterstützen die Kinder und Jugendlichen im Alltag dabei, ihre Rechte kennenzulernen und ihre Beteiligungsmöglichkeiten zu nutzen.“

Zahlreiche Glückwünsche wurden auf der Jubiläumsfeier überbracht: Unter anderem nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration/Landesjugendamt, langjährige Wegbegleiter der Arbeit der Arbeitsgemeinschaft, Einrichtungsvertreterinnen und -vertreter, Heimratsberater und -beraterinnen aus allen Regionen Hessens und eine Delegation des „Landesheimrats“ (gewählte Interessenvertretung der Kinder und Jugendlichen in Einrichtungen) an der Feierstunde teil. Ein besonderes Geschenk hat sich die Arbeitsgemeinschaft selbst zu ihrem Geburtstag gemacht: Das „Organisationshandbuch für gelingende Kinder- und Jugendvertretung“ ist pünktlich zum Jubiläum erschienen und steht zeitnah auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft zum Download zur Verfügung.

Ein Fazit der zur Jubiläumsfeier anwesenden Vertreterinnen und Verteter der Landesarbeitsgemeinschaft sowie der Gäste und Gratulanten wurde einhellig getroffen: Die Arbeitsgemeinschaft „Hessische Heimratsberater“ wird weiterhin gebraucht, damit es eine lebendige Auseinandersetzung über Partizipation in der Jugendhilfe gibt und Kinder und Jugendliche in Einrichtungen ihre Rechte zur Mitwirkung verwirklichen können – schließlich braucht eine gelingende Beteiligungsarbeit im Wesentlichen die Beteiligung von engagierten Menschen!

Zum Hintergrund

Erziehung und die Förderung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind vor allem Aufgaben der Eltern. Staat und die Gesellschaft haben aber eine Mitverantwortung für das Aufwachsen und das Wohlergehen junger Menschen. Die Kinder- und Jugendhilfe leistet einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung von Familien und soll dazu beitragen, dass jeder junge Mensch das Recht auf Erziehung und auf Förderung seiner Entwicklung verwirk­lichen kann. Beispielsweise werden in Hessen rund 10.000 junge Menschen in stationären und teilstationären Erziehungshilfeangeboten betreut und unterstützt.

Genau hier setzt die Arbeit der AG Hessische Heimratsberater an: In Wohngruppen und anderen Betreuungsangeboten der Jugendhilfe sollen Chan­cengleichheit erlebt, Benachtei­ligungen abgebaut und vermieden sowie der Schutz junger Menschen vor Gefahren gewährleistet werden. All dies kann nur gelingen, wenn die Betroffenen unmittelbar einbezogen werden. Kinder und Jugendliche wollen und sollen mitentscheiden, wie sie leben, wie sie wohnen, nach welchen Regeln sie ihren Alltag und wie sie ihre Zukunft gestalten. Nur so können sie lernen, in eigener Sache (Mit)Verantwortung zu übernehmen.

Die vielfältigen und anspruchs­vollen Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe übernehmen vor allem die pädagogischen Fachkräfte in den Einrichtungen. Das sozialpädagogische Handeln steht dabei im Fokus. Im Lebensalltag geht es darum Entscheidungen, nicht über die Köpfe der Kinder und Jugendlichen hinweg, sondern gemeinsam und in Aushandlungsprozessen zu finden. In vielen Wohngruppen gibt es darüber hinaus Beteiligungsgremien, die als Kinder- und Jugendvertretung, Heimrat, Gruppensprecher o.ä. bezeichnet werden. Pädagoginnen und Pädagogen stehen den jungen Menschen dabei zur Seite, damit sie überhaupt von ihren Rechten erfahren und sich letztlich auch dafür einsetzen (lernen). Die in Hessen hierfür etablierte Bezeichnung ist „Heimratsberaterin/Heimratsberater“.

Zahlreiche Studien und eine Vielzahl von Rückmeldungen ehemaliger Heimbewohnerinnen und Heimbewohner geben Hinweise, dass Beteiligung in der Jugendhilfe sowohl für den Erfolg einer Hilfe maßgeblich ist als auch auch für den Schutz vor Gefahren eine große Rolle spielt. Auch die Aufarbeitungsprozesse zur Heimerziehung in der Nachkriegszeit verweisen auf die Notwendigkeit und Bedeutung der Partizipation in Einrichtungen.

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecherin: 
Alice Engel
Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
+49 611 3219 3408
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