Regierungserklärung

Fachkräfte gewinnen - Arbeitsmarkt sichern

Der Hessische Arbeitsminister, Stefan Grüttner, hat in seiner Regierungserklärung zur Fachkräftesicherung betont, dass sich die Hessische Landesregierung schon lange um die Fachkräftesicherung in Hessen kümmere, aber das Thema dauerhaft "hoch aktuell" bleibe. „Die anstehenden Aufgaben sind riesig und es bedarf der Anstrengung vieler Akteure, um ausreichend Fachkräfte für Hessen und die kommenden Jahrzehnte zu gewinnen“, erklärte der Minister am Dienstag im Hessischen Landtag. „Fachkräftesicherung ist originäre Aufgabe der Wirtschaft und als Landesregierung unterstützen wir diese gemeinsam mit den Arbeits- und Ausbildungsmarktpartnern. Wir als Land sind dafür verantwortlich, die Rahmenbedingungen ordentlich zu setzen. Das haben wir getan und diese werden wir auch zukünftig zuverlässig anpacken und weiterentwickeln“, betonte Grüttner. Die Unternehmen forderte der Minister auf, sich um qualifizierte Fachkräfte vor allen Dingen unter den Frauen, Menschen mit Einschränkungen und älteren Menschen zu bemühen. "Gerade Frauen sind vielfach hoch qualifiziert, möchten arbeiten, brauchen aber flexible Modelle, die bspw. zu Kindern und Familie passen. Die Zeiten, in denen Anwesenheit und Vollzeit das Maß aller Dinge waren, sind lange vorbei, aber das muss in den Köpfen noch ankommen", betonte Grüttner.

Zur Gesamtsituation sagte der Arbeitsminister: "Hessen hat ein menschliches, aber auch ein wirtschaftlich erfolgreiches Gesicht. 95 Prozent der Hessinnen und Hessen fühlen sich wohl und leben gerne hier in unserem Bundesland. 89 Prozent von ihnen beurteilen die wirtschaftliche Lage Hessens als gut bis sehr gut. Das ist ein phantastisches Ergebnis, das der aktuelle Zukunftsmonitor ergeben hat, auf das wir gemeinsam stolz sein können. Aber wir haben auch viel zu tun, damit das so bleibt“, erklärte Grüttner. Eine starke Wirtschaft, ein stabiler Arbeitsmarkt und solide Lebens- und Arbeitsbedingungen seien dazu genauso erforderlich wie Arbeits- und Fachkräfte. Der Minister erklärte, dass sich der Arbeitsmarkt in guter Verfassung befinde und gemessen am Bruttoinlandsprodukt je Einwohner Hessen einer der wohlhabendsten Flächenstaaten Deutschlands sei. Neben einer großen Branchen- und Unternehmensvielfalt, die eine internationale Ausrichtung mit verlässlichen und familienfreundlichen Arbeitsbedingungen kombiniert, sei das Herzstück der hessischen Wirtschaft der facettenreiche Mittelstand, der geprägt ist durch kleine und mittlere Unternehmen und zum wirtschaftlichen und sozialen Wohlstand beitrage. Hessen habe über 270.000 Betriebe, davon sind rund 260.000 kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten, erklärte Grüttner. Zudem sei Hessen ein internationales Land, in dem über 900.000 Menschen aus 190 Nationen leben und arbeiten. „Dass der Arbeitsmarkt in gutem Zustande sei, lässt sich auch an der Arbeitslosenquote ablesen“, so der Minister. „Die Zahl der Arbeitslosen sank im September auf den niedrigsten Stand in diesem Monat seit 24 Jahren. Insgesamt waren weniger als 170.000 (169.428) Menschen arbeitslos gemeldet. „Wir haben allen Grund optimistisch in die Zukunft zu blicken“, so Grüttner. „Hessen hat einen soliden, anpassungs- und aufnahmefähigen Arbeitsmarkt mit funktionierenden Strukturen und einer ausgeprägten Vernetzung der Arbeitsmarktpartner. Dies ist eine gute Basis für die weitere gemeinsame Gestaltung der Arbeitswelt in Hessen“, ergänzte der Minister.

Allen voran seien hier die Unternehmen gefordert. Denn es sei das "ureigene Anliegen" der Unternehmen am Markt, Fachkräfte für ihre Branche nicht nur zu finden, sondern in den Betrieben auch dafür zu sorgen, dass Berufsbilder und Ausbildungen attraktiv sind und hier die richtigen Anreize geschaffen werden, hob Grüttner hervor. „Wir als Landesregierung unterstützen diese gemeinsam mit den Arbeits- und Ausbildungsmarktpartnern, indem wir beispielsweise den Ausbau der Kinderbetreuung fördern, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern oder Hilfestellung für die Gesunderhaltung der Belegschaft geben, denn Prävention ist eines der Zukunftsthemen auf dem Arbeitsmarkt.“ 

Der Minister erinnerte, dass die Landesregierung die hessische Fachkräftestrategie auf eine breite Basis gestellt habe, zentrale Elementen sind dabei die Gewinnung von Fachkräften aus dem In- und Ausland, die Sicherung der Fachkräfte in den Unternehmen und die Arbeitgeberattraktivität. Als zentrale Anlaufstelle und als Impulsgeberin habe die Landesregierung im August 2014 im Ministerium für Soziales und Integration eine eigene Stabsstelle „Fachkräftesicherung in Hessen“ eingerichtet. „Wir haben uns als Regierung vorgenommen, zielgerichtet und verantwortungsbewusst Fachkräfte zu sichern und den Wandel in der Arbeitswelt mit zu begleiten und bei eigenen Maßnahmen zu berücksichtigen“, ergänzte Grüttner.

Neben dem demografischen Wandel stehe der Wandel der Wirtschafts- und Arbeitswelt auf der Agenda. Schon heute seien in vielen Berufen und Regionen Engpässe bei den Fachkräften spürbar, bemerkte Grüttner. Zentrale Themen seien ausreichende Ausbildungsplätze, Tätigkeiten, die auch der älter werdenden arbeitenden Gesellschaft entgegenkommen und leistbar sind. Eine große Rolle spielen auch Qualifizierungs- und Arbeitsmarktinitiativen wie die der Landesregierung zur Integration benachteiligter Menschen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

Ein besonderes Augenmerk lenkte der Minister in seiner Regierungserklärung auf das große Fachkräftepotenzial ausgebildeter Frauen. „Die Erwerbsbeteiligung von Frauen hat sich positiv entwickelt, nicht zuletzt durch den massiven Ausbau der Kinderbetreuung und der damit verbundenen Wahlfreiheit, zweifelsohne eine der wichtigsten Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, erklärte Grüttner. „Zahlreiche hessische Unternehmen leisten hier bereits Vorbildliches und wir als Land haben hier einen großen Schwerpunkt gesetzt, indem wir mit allein 460 Millionen Euro in diesem Jahr so viel Geld in die Kinderbetreuung wie noch nie investieren“, ergänzte der Minister. Das Sozialministerium fördere außerdem mit dem Netzwerk Wiedereinstieg den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen in den Arbeitsmarkt. Insgesamt wurden aus Landesmitteln und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union im Zeitraum von 1.10.2009 bis 31.12.2014 rund 2,8 Millionen Euro für die Arbeit des Netzwerks Wiedereinstieg bewilligt. Das „Netzwerk Wiedereinstieg“ werde auch derzeit im Förderschwerpunkt „Impulse der Arbeitsmarktpolitik“ im Jahr 2015 mit 731.000,- Euro und im Jahr 2016 mit rund 685.000,- Euro gefördert. „Als Landesregierung haben wir uns vorgenommen, den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen nach der Elternzeit zu forcieren und darum helfen wir, Frauen, die Chancen suchen, und Unternehmen, die Chancen bieten, zusammen zu bringen“, erklärte der Minister. „Das sollten auch die Unternehmen in den Fokus ihrer Strukturen rücken. Vor allem in der Gesundheitswirtschaft sind die Arbeitgeber dazu aufgerufen, Frauen bessere Aufstiegsmöglichkeiten zu verschaffen, da dort nur jede dritte Führungsposition mit einer Frau besetzt ist“, betonte der Minister. Zusätzlich seien auch ältere Menschen und Menschen mit Handicaps eine wesentliche Fachkräfteressource. Für die internationalen Fachkräfte stehe das WELCOMECENTER Hessen zur Verfügung, ein Gemeinschaftsprojekt des Ministeriums für Soziales und Integration, der Regionaldirektion Hessen, der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main und der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Seit seiner Eröffnung im Juli 2013 haben sich mehr als 3.000 Menschen an das Welcome Center gewendet, um sich beispielsweise über die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen zu informieren. Der Minister erinnerte, dass ebenso die Aktivierung der Potenziale von in Hessen lebenden Menschen mit Migrationshintergrund die Fachkräftesicherung unterstütze.

Der Arbeitsminister ergänzte, dass durch das heutige Handeln die Grundlage für ein zukunftsfestes und starkes Hessen gelegt und daher auch das Potenzial der Flüchtlinge mit in den Blick genommen werde. „Mit dem ´Aktionsplan zur Integration von Flüchtlingen und Bewahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts´ mit über einer Milliarde Euro schafft die Landesregierung die Basis für eine erfolgreiche Integration. Ergänzt wird der Aktionsplan durch die am 17. Februar 2016 unterzeichnete Arbeitsmarktinitiative ´Gemeinsam aktiv für die Integration von Flüchtlingen in die Arbeitswelt - Perspektiven für Menschen, Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Hessen´ im Rahmen des hessischen Asylkonvents. Zudem haben wir die Mittel des Arbeitsmarkt- und Ausbildungsbudgets erhöht, um den zu uns kommenden Flüchtlingen neben unseren Werten auch zu aller erst unsere Sprache zu vermitteln. Diese ist nach wie vor der Schlüssel zur Integration und bereitet den Weg hin zu einer Berufsausbildung“, fügte Grüttner hinzu.

Der Arbeitsminister stellte in der Regierungserklärung fest, dass die Landesregierung den Wandel als Innovations- und Zukunftsmotor begreife und man dazu ein flexibles, abgestimmtes und nachhaltiges Vorgehen zur Arbeitskräftesicherung benötige. „Als Beispiel werden die 26 hessischen Gebietskörperschaften durch die Ausbildungs- und Qualifizierungsbudgets des Landes mit einem Jahresvolumen von 25 Millionen Euro bei ihren regionalen, rechtskreisübergreifenden Arbeitsmarkt- und Ausbildungsstrategien unterstützt und werden so aktiv zur Arbeitskräfteversorgung in den Regionen beitragen. In den Jahren 2011 bis 2016 haben wir hierfür 127 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Und die Erfolge sind beeindruckend. Insgesamt wurden mit dem ´Arbeitsmarktbudget´ in den Jahren 2011 bis 2015 über 52.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreicht“, unterstrich Grüttner. Zu den Maßnahmen der Fachkräftesicherung zählen auch die beiden Kompetenzzentren Weiterbildung Allgemeinmedizin, die im Jahr 2012 im Rahmen des 1. Hessischen Gesundheitspaktes gegründet wurden.

Zur Unterstützung der nachhaltigen Fachkräftesicherung in der Fläche finden in jedem Regierungsbezirk Zukunftsdialoge statt, um beispielsweise bisherigen Strategien zu überprüfen, innovative Ideen kennenzulernen oder bestehende Kooperationen zu stärken. „Wegen der besonderen Fachkräfteengpässe im Pflegebereich hat das Land auch den Hessischen Pflegemonitor anfertigen lassen. Die Ergebnisse über die Situation der Pflegekräfte in den unterschiedlichen Regionen des Landes werden zur Steuerung der Ausbildung von Pflegekräften in der Altenhilfe genutzt“, ergänzte der Minister. Eine weitere, erfolgreiche Kooperation ist die Zusammenarbeit bei Pflege und Beruf. In der bisher bundesweit einmaligen Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege bekennen sich bereits 134 Arbeitgeber mit rund 300.000 Beschäftigten zu einer pflegesensiblen Personalpolitik. Dies ist ein starkes Zeichen nachhaltiger Fachkräftesicherung in den Unternehmen“, so Grüttner.

Einen Ausblick gab Grüttner auf 2017, wenn das Programm zur Verbesserung des Einstiegs und der Integration von schwerbehinderten Menschen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt neu aufgelegt werden soll. „Zudem werden wir Unternehmen weiter darin unterstützen, Arbeits- und Produktionsbedingungen zukunftsfähig zu gestalten und schalten die Wissens- und Praxisplattform ´Beschäftigungsfähigkeit durch Arbeitsgestaltung´ frei. Daneben werden Unternehmen in Fragen der Arbeitszeitgestaltung mit dem Online-Instrument ´Arbeitszeit-Selbstcheck´ informiert.

„Hessen hat ein menschliches, aber auch ein wirtschaftlich erfolgreiches Gesicht. Dafür sind wir eingetreten und dafür werden wir uns auch in Zukunft einsetzen. Dazu müssen wir zielorientiert und gemeinsam vorangehen. Deshalb rufe ich alle zur Fortsetzung der aktiven Mitwirkung und zur Mitgestaltung dieser gesellschaftlichen Zukunftsaufgabe auf! Dafür stellen wir als Landesregierung weiterhin zuverlässig die Weichen und darauf werden sich die am Markt agierenden Unternehmen und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verlassen können!“, schloss Grüttner.

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