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Tag der Vertriebenen

Ministerpräsident Roland Koch verabschiedete sich beim 50. Hessentag in Stadtallendorf von den Heimatvertriebenen und Spätaussiedlern

Staatsminister Jürgen Banzer und Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf mit dem Ablauf des 10. „Tages der Vertriebenen“ zufrieden

Ministerpräsident Roland Koch verabschiedete sich beim 50. Hessentag in Stadtallendorf von den Heimatvertriebenen und Spätaussiedlern
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Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf nach ihrer öffentlichen Sprechstunde im Kreis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
© HSM

Stadtallendorf. Auf dem 50. Hessentag in Stadtallendorf fand am 29. Mai 2010 zum zehnten Mal ein „Tag der Vertriebenen“ statt. Die Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, freute sich über die hohe Besucherresonanz und den Ablauf der Veranstaltungen. „Die Heimatvertriebenen und Spätaussiedler repräsentieren 30 Prozent unserer Hessischen Bevölkerung. Sie sind eine gesellschaftlich relevante Gruppe und fester Bestandteil auf jedem Hessentag“, so die Landesbeauftragte. 

Der Brauchtumsnachmittag des Bundes der Vertriebenen mit einem von Frau Ingrid Paulus moderierten schwungvollen Kulturprogramm fand in der voll besetzten Stadthalle in Stadtallendorf statt. Ministerpräsident Roland Koch ging in seiner Rede auf 50 Jahre Hessentag, 60 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen und 10 Jahre Tag der Vertriebenen beim Hessentag ein. „Sinn des Hessentages ist immer gewesen, dass Menschen aufeinander zugehen und wissen, dass sie eine Gemeinschaft sind“, so der Ministerpräsident. Auf die Charta der deutschen Heimatvertriebenen könnten die Menschen stolz sein. Die Geschichte wäre anders verlaufen, wenn die Vertriebenen nicht auf Rache verzichtet und nicht die Mitarbeit beim Aufbau Deutschlands und Europas zugesagt hätten. Vor dem Hintergrund, dass die Wunden der Vertreibung noch offen waren, sei dies eine große Leistung gewesen. Als Gegenleistung sei aber zu fordern, dass die Heimatvertriebenen nicht aus der Wirklichkeit und aus der Geschichte verdrängt werden. „Ich will, dass die Menschen sagen, ich bin Hesse aber mit dem Herzen zum Beispiel Sudetendeutscher. Daran sieht man, dass sie neue Wurzeln geschlagen haben“, betonte Roland Koch. Was den Tag der Vertriebenen angehe, so sei er froh, dass man vor zehn Jahren diese Form auch mit diesem Brauchtumsnachmittag gefunden habe. 

Der Ministerpräsident informierte darüber, dass die Hessische Landesregierung in diesen Tagen darüber diskutiert hat, in Form eines Preises für literarische, künstlerische oder wissenschaftliche Arbeiten dafür zu sorgen, dass Geschichte und Kultur der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler im Bewusstsein bleiben. 

Ministerpräsident Roland Koch verabschiedete sich von den Heimatvertriebenen und Spätaussiedlern, wies aber darauf hin, dass man sich bestimmt bei Gelegenheit sehen werde. Zur Frage, wie es weitergehe, könne er versprechen, dass die Kultur der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler in Hessen weiter gefördert werde. Ebenso die Integration der Spätaussiedler. Dieser Freiraum und diese Sicherheit gelte auch für die Zukunft. „Ich habe bei unseren Begegnungen bei ihnen immer etwas gefunden, nämlich die Fähigkeit, neue Brücken zu bauen, auch Brücken zu einem neuen Europa“, so Roland Koch abschließend. 

Der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Alfred Herold, erinnerte daran, dass der Hessentag eigentlich nicht vor 50 Jahren geboren wurde, sondern bereits Jahre vorher bei einem Sudetendeutschen Tag in Frankfurt mit 300.000 Besuchern, an dem auch Ministerpräsident Georg August Zinn teilgenommen habe. Damals sei die Idee eines Landesfestes mit identitätsstiftender Wirkung entstanden. „Der Hessentag und die Vertriebenen gehören zusammen und die Charta der deutschen Heimatvertriebenen hätte den Friedensnobelpreis verdient. Vielen Dank für alles, Herr Ministerpräsident, vielen Dank Roland Koch“, so Alfred Herold in seinen Dankesworten. 

Der „Tag der Vertriebenen“ begann mit einer Bürgersprechstunde der Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler im kleinen Saal der Stadthalle in Stadtallendorf, bei der zahlreiche Bürgerinnen und Bürger ihre Anliegen vortrugen. Frau Landesbeauftragte Ziegler-Raschdorf begrüßte auch ihren Amtsvorgänger Rudolf Friedrich und stellte fest, dass Ministerpräsident Roland Koch als auch Minister Jürgen Banzer immer ein offenes Ohr für die Heimatvertriebenen und Spätaussiedler haben. Sie berichtete von ihrer Teilnahme an der Podiumsdiskussion am Tag zuvor anlässlich des Empfangs zum 50. Hessentag in Stadtallendorf, bei der auch die Frage diskutiert wurde, ob die Heimatvertriebenen in Hessen angekommen sind. Diese Frage wurde von den Heimatvertriebenen eindeutig mit „Ja“ beantwortet. Wenn gleich die Heimat im Osten liege, so habe man in Hessen ein zweites Zuhause gefunden, in dem sich die Heimatvertriebenen wohl fühlten. 

In der anschließenden Diskussion ging es sowohl um die kulturelle Arbeit der Heimatvertriebenen als auch um die Integration der Spätaussiedler. So waren die Heimatstuben und Trachtengruppen im Vertriebenenbereich als auch die Multiplikatorenprojekte der Spätaussiedlerorganisationen ein Thema. Übereinstimmend wurde festgestellt, dass sowohl die Vertriebenen als auch die Spätaussiedler in Hessen angekommen sind und die Integration gelungen ist. 

Im Anschluss an die Bürgersprechstunde fand an gleicher Stelle die öffentliche Sitzung des Landesbeirates für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen statt, bei der Staatsminister Jürgen Banzer ein Grußwort sprach. Der Hessische Minister für Arbeit, Familie und Gesundheit begrüßte die Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder des Landesbeirates und dankte für die Mitarbeit bei der Beratung der Hessischen Landesregierung. 

Staatsminister Jürgen Banzer ging auf die Charta der deutschen Heimatvertriebenen vom 5. August 1950 ein und bezeichnete die Charta als ein bemerkenswertes Dokument der Friedensfähigkeit. „Auf den Tag der Verkündung der Charta können alle Heimatvertriebenen stolz sein“, so der Minister. Die Charta enthalte den Verzicht auf Rache oder Vergeltung für die Vertreibung. Ein anderer wichtiger Aspekt sei die Vision eines in Frieden und Freiheit geeinten Europas, in das sich die Vertriebenen eingebracht haben. Dies sei ein Auftrag zum Aufbau unseres Landes und Europas gewesen und ein Schatz für unser Land. Zu Unrecht habe man die Vertriebenen in eine bestimmte Ecke gestellt.

Die Diskussion um die Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ könne er nicht verstehen und finde sie auch nicht richtig. Die staatsmännische Haltung von Frau Steinbach sei bewundernswert und es sei richtig von ihr gewesen, sich die Deutung und Interpretation der Dokumentationsstätte nicht wegnehmen zu lassen. 

Im Zusammenhang mit dem diesjährigen 60. Jahrestag der Charta der deutschen Heimatvertriebenen am 5. August 2010 habe die Landesregierung beschlossen, mit einer Preisverleihung an die Leistungen der Heimatvertriebenen zu erinnern. „Ich freue mich, dass dies gelungen ist und danke der Landesbeauftragten Frau Ziegler-Raschdorf für diese gute Idee“, so Minister Banzer. 

Die Sicherung der ostdeutschen Heimatstuben sei ihm – ebenso wie der Landesbeauftragten – ein großes Anliegen. Ziel sei, diese Erinnerungsdokumente zu sichern und der Bevölkerung zu vermitteln. So müsse vieles dokumentiert und als kulturelles Erbe für die Nachwelt erhalten werden, damit die Gesellschaft wisse, wo sie herkomme. 

Staatsminister Banzer konnte davon berichten, dass sich die rückläufige Tendenz der Zugänge von Spätaussiedlern auch zu Beginn des Jahres 2010 fortgesetzt habe. So seien im ersten Quartal 2010 ganze 35 Personen in Hessen aufgenommen worden. Für Hessen gelte die Zusage weiter, dass wer kommen wolle, hier herzlich willkommen sei. Es sei weiterhin eine wichtige Aufgabe, die Anstrengungen im Sinne der nachholenden Integration für diejenigen zu intensivieren, die bereits hier seien. 
„Ich bin stolz darauf, dass Hessen im Länderranking bei den Integrationsanstrengungen für Spätaussiedler an erster Stelle steht“, so Minister Banzer abschließend. 

Der Bürgermeister von Stadtallendorf gab einen Überblick über die Eingliederung von Vertriebenen, Flüchtlingen und Aussiedlern in seiner Stadt. Die Heimatvertriebenen – vor allem Sudetendeutsche – hätten der Kommunalpolitik und den Vereinen in Stadtallendorf ihren Stempel aufgedrückt. Anfangs hätte es Vorbehalte gegeben und die Vertriebenen seien nicht unbedingt freundlich aufgenommen worden. 
Später seien ausländische Arbeitnehmer und Aussiedler nach Stadtallendorf gekommen, so dass heute 70 Prozent der Bevölkerung in der Stadt einen Migrationshintergrund hätten. „Wir sind eine Flüchtlings- und Vertriebenenstadt und haben es geschafft, friedlich zusammenzuleben. Ich empfinde eine große Dankbarkeit für dass, was hier geschaffen wurde“, so Bürgermeister Vollmer. 

Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf gab einen Bericht über ihre Arbeit und informierte insbesondere über aktuelle Themen, wie z.B. über das Neujahrsgespräch beim Ministerpräsidenten am 18.1.2010 und das Gespräch mit Staatssekretär Brockmann vom Hessischen Kultusministerium zu den Themen Lehrpläne und Schulbücher, Lehrerhandreichung, Lehrerfortbildung und Zeitzeugen. Außerdem die beim Gespräch im Kultusministerium ebenfalls angesprochenen Themen Anerkennung von Abschlüssen bei Spätaussiedlern und arbeitslose Lehrerinnen und Lehrer unter den Spätaussiedlern. „Die Umsetzung der Punkte aus dem Bereich Heimatvertriebene im Schulunterricht wäre ein großer Erfolg. Wenn die Umsetzung der Gesetzesvorhaben der Bundesregierung im Hinblick auf die Anerkennung der Berufsabschlüsse und die Übernahme eines Modells aus Nordrhein-Westfalen zur Nachqualifizierung von arbeitslosen Lehrern gelinge, so wäre dies ein Meilenstein für Spätaussiedler und für die Integration insgesamt“, so die Landesbeauftragte. 

Frau Ziegler-Raschdorf informierte über ihre Initiative, die Heimatstuben auch durch Landesmitteln zu fördern. Damit solle den in Einzelfällen bereits zu beobachtenden Auflösungserscheinungen entgegengewirkt werden, um unwiederbringliche Verluste von Ausstellungsstücken zu verhindern. „Ich danke Herrn Minister Banzer, dass für das laufende Jahr 2010 entschieden wurde, bestimmte Ausgaben der Heimatstuben zu fördern“, so die Landesbeauftragte. 

„Die von meinem Vorgänger Rudolf Friedrich initiierten wichtigen Veranstaltungen sollen in ihrer Wertigkeit unverändert bleiben“, so Margarete Ziegler-Raschdorf. In diesem Zusammenhang nannte sie das Neujahrsgespräch des Ministerpräsidenten, den „Tag der Vertriebenen“ beim Hessentag, den zentralen „Tag der Heimat“ im Biebricher Schloss und die Landespatenschaften in Hessen.

„Ebenso wie Herr Staatsminister Banzer stehe ich an der Seite der Vertriebenen, Flüchtlinge und Spätaussiedler in Hessen und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit dem Landesbeirat. Abschließend möchte ich Ihnen allen für die Bereitschaft danken, im Landesbeirat mitzuwirken und die Landesregierung sachkundig zu beraten“, so die Landesbeauftragte zum Abschluss ihres Berichtes. 

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