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Beruf und Pflege vereinbaren

Sozialministerium unterstützt bundesweit erste Charta zur Unterstützung pflegender Angestellter

18.11.2013Hessisches Sozialministerium

Frankfurt am Main. Anders als bei der Kinderbetreuung kommt die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf erst langsam in der öffentlichen Diskussion an. Dagegen müssen Betriebe und ihre Angestellten, die zu Hause Angehörige pflegen, schon längst mit den Herausforderungen umgehen. Mit B. Braun Melsungen, Commerzbank, Fraport, dem Pharmaunternehmen Merz, Rinn Beton- und Naturstein und der Taunus Sparkasse haben sechs große Arbeitgeber in Hessen gemeinsam einen neuen Weg gewählt. Sie wollen mehr öffentliche Aufmerksamkeit für die Doppelbelastung durch Pflege und Beruf schaffen und wirksame Maßnahmen zu einer besseren Vereinbarkeit einführen. Im Schulterschluss mit dem Hessischen Sozialministerium sowie den Co-Initiatoren AOK Hessen, berufundfamilie, Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft und mit Unterstützung vom DGB Hessen-Thüringen und der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) haben sich diese Unternehmen der hessischen Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren“ angeschlossen. Sie unterzeichneten am 18. November die bundesweit erste Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Damit sind sie auch die ersten Unternehmen in Hessen, die sich hierzu öffentlich bekennen. Erklärtes Ziel ist, dass sich möglichst viele weitere Betriebe anschließen.

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Sozialministerium unterstützt bundesweit erste Charta zur Unterstützung pflegender Angestellter
Gruppenbild aller Teilnehmer bei der Veranstaltung «Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege in Hessen».
© Katharina Schwerber

Die Ansätze der Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren“ umfassen neben der gemeinsamen Charta noch Informationsveranstaltungen für Arbeitgeber und Kompetenztrainings für pflegende Beschäftigte sowie Qualifizierungsmaßnahmen für innerbetriebliche Ansprechpartner („Pflegelotsen“). Die sechs Arbeitgeber und sechs Initiatoren oder Unterstützer wollen auch im Dialog mit anderen Unternehmen, Arbeitnehmern, der Politik und weiteren gesellschaftlichen Gruppen den Prozess anstoßen, tragfähige Lösungen zu entwickeln. Denn schon jetzt sind viele Arbeitgeber davon betroffen, dass ihre Angestellten Beruf und Pflege vereinbaren müssen.

Die sechs Unternehmen arbeiten zum Teil schon seit Jahren im Sinne einer zukunftsfähigen Personalpolitik an Möglichkeiten, ihre Beschäftigten zu unterstützen und entlasten, zum Beispiel über flexible Arbeitszeitgestaltung, Fortbildungen und andere Hilfestellungen. Auch schon die Möglichkeit, das Thema Pflege am Arbeitsplatz offen anzusprechen, bringt eine wirksame Entlastung. Diese Form von Enttabuisierung ist ein weiteres Ziel, das die Erstunterzeichner mit der Charta verknüpfen. „Beruf und Pflege vereinbaren – die hessische Initiative“ ist Teil der Seniorenpolitischen Initiative Hessen und wird gefördert aus Mitteln des Landes Hessen und des Europäischen Sozialfonds.

Wer sich der Charta anschließen möchte, erhält hier Informationen:

Frau Dr. Cornelia Seitz, Leiterin der Forschungsstelle im Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e. V.,

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und aus Mitteln des Landes Hessen gefördert.             Quelle Foto: berufundfamilie gGmbH

Herr Rolf Rudolph, Pädagogischer Mitarbeiter im Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V.:

Forschungsstelle, Parkstraße 17, 61231 Bad Nauheim, Tel.: 06032 86958-716, Fax: -720,

seitz.cornelia@bwhw.de und rudolph.rolf@bwhw.de.                             www.berufundpflege.hessen.de

Statements zur Chartaunterzeichnung:

Stefan Grüttner, Hessischer Sozialminister:

„Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ist eine Aufgabe, die die Pflegebedürftigen, die pflegenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, den Staat und die Unternehmen betreffen und die nur gemeinsam zu lösen ist. Unternehmen, die sich den Auswirkungen des demographischen Wandels stellen und sich für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege engagieren, übernehmen gesellschaftliche Verantwortung. Sie zeigen zukunftsgerichtetes, wirtschaftliches Denken und Fürsorge gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“

Jürgen Sauerwald, Senior Vice President Human Resources, B. Braun Melsungen AG:

„Die oft sehr aufwändige Pflege von Angehörigen mit dem Beruf zu vereinbaren, hat eine immer größere Bedeutung für unsere Mitarbeiter. Deshalb ist es uns wichtig, entsprechende Möglichkeiten aufzuzeigen und anzubieten. Das hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun. Zudem motiviert es die Mitarbeiter.

Allerdings stellen wir auch fest, dass das Thema vielen Betroffenen unangenehm ist. Offen darüber kommunizieren ist ein wichtiger Schritt, um Tabus zu brechen. Schließlich leisten die Betroffenen Großartiges.

Albert Reicherzer, Bereichsvorstand Group Human Resources, Commerzbank AG:

„Für die Commerzbank ist die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ein wichtiger Bestandteil ihrer Personalarbeit. Mit der Unterzeichnung der Charta zeigen wir gemeinsam mit vielen anderen Unternehmen, dass wir die Herausforderungen, vor die uns dieses Thema stellt, aktiv annehmen. Seit gut fünf Jahren arbeiten wir intensiv an Angeboten für Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Angehörigen. Dazu gehören kostenfreie Vermittlungs- und Beratungsleistungen, Workshopangebote und Modelle zur Flexibilisierung von Arbeitsort und -zeit. In diesem Jahr gehen wir einen Schritt weiter und bieten zum Beispiel Betreuungslösungen und einen geriatrischen Check-up an.“

Michael Müller, Vorstand Arbeitsdirektor, Botschafter des Unternehmensprogramms „Erfolgsfaktor Familie“ für das Land Hessen, Fraport AG:

„Als Unternehmen, das personalintensive Dienstleistungen anbietet, sind wir uns der Tatsache bewusst, dass die flexible Einsetzbarkeit unserer Beschäftigten auch davon beeinflusst werden kann, wie Pflege und Beruf miteinander zu vereinbaren sind. Hier unterstützt Fraport als verantwortungsvoller Arbeitgeber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seit vielen Jahren bieten wir flexible Arbeitszeitmodelle und individuelle Beratungen an, und wollen dies für die Zukunft weiter ausbauen.“

Hartmut Erlinghagen, CAO, Merz Pharma GmbH & Co. KGaA:

Merz hat die Vereinbarkeit von Beruf & Familie früh als wichtige Aufgabe erkannt und wir freuen uns, als zertifiziertes Unternehmen viele Maßnahmen anzubieten, die unsere Mitarbeiter auch bei Fragen der Pflege unterstützen. Für die Attraktivität als Arbeitgeber ist ein solches Angebot heute unverzichtbar und gerade in der Chemischen Industrie von beiden Tarifparteien anerkanntes Zeichen einer erfolgreichen Sozialpartnerschaft. Wir hoffen, dass sich Dank der Charta noch mehr hessische Firmen für die Pflege einsetzen.“ // Dr. Rüdiger Koch, Vorsitzender des Betriebsrats, Merz Pharma GmbH & Co. KGaA:

„Bei Merz verfolgen Betriebsrat und Unternehmensleitung bei der Vereinbarkeit von Beruf & Pflege ein gemeinsames Ziel. Wer in einer Pflegesituation steht, dem können wir flexible Arbeitszeiten, Telearbeit oder Arbeit im Home-Office anbieten. Interessierten steht zudem ein Kompetenztraining mit Workshops zu verschiedenen Pflege-Aspekten offen. Wichtig ist uns, die Vereinbarkeit von Beruf & Pflege fest in der Unternehmenskultur zu verankern. Das erfordert auch eine intensive Kommunikation, denn Pflege ist noch immer ein Tabu-Thema.“

Anja Viehl, Personalleiterin, Rinn Beton- und Naturstein GmbH & Co. KG:

„Im Beruf die volle Leistung zu bringen und gleichzeitig einen Angehörigen zu pflegen, das ist für viele Menschen ein enormer Spagat, der sehr viel Kraft fordert. Als Familienunternehmen gehen wir mit dem Thema „Beruf und Pflege“ offen um. Wir bieten unseren Mitarbeitern an, sich auf diese Herausforderung vorzubereiten und unterstützen die Entscheidung, einen Angehörigen zu pflegen, mit individuellen, angepassten Hilfestellungen. Mit dieser Einstellung leben wir unsere Firmenphilosophie und wertschätzen die Leistung unserer Mitarbeiter, ihre Angehörigen zu pflegen.“

Oliver Klink, Vorstandsvorsitzender, Taunus Sparkasse:

Pflege ist inzwischen ein Kernthema unserer Gesellschaft. In der Regel ist es schwer, dafür Vorbereitungen zu treffen. Zudem ist die Pflegethematik eher tabuisiert und wird tendenziell verdrängt. Wir unterstützen diese Charta mit unserem Bekenntnis zum Stellenwert der Pflege für die Gesellschaft und für unsere Mitarbeiter. So dokumentieren wir unsere Verantwortung als Arbeitgeber. Die Unterstützung von Beruf & Pflege ist zugleich ein Bestandteil unserer Anstrengungen, Frauen im Berufsleben zu fördern, denn meistens sind es die Frauen, die Sorgearbeit leisten.

Brigitte Baki, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, DGB Bezirk Hessen-Thüringen

„Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für den DGB ein zentrales Thema. Deshalb unterzeichnen wir die Charta. Angesichts einer älter werdenden Gesellschaft stellt sich die Frage nach der Vereinbarkeit für Betriebe und Interessenvertretungen immer häufiger. Wenn das Verständnis im Betrieb für die Situation von pflegenden Angehörigen fehlt, erzeugt das Druck. Mit betrieblichen Strategien für eine familienbewusste Personalpolitik und maßgeschneiderten Lösungen sind Beschäftigte zufriedener und leistungsfähiger.“

Fritz Müller, Vorsitzender des Vorstandes, AOK – Die Gesundheitskasse in Hessen:

„Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es ist an der Zeit, dass sich auch die Arbeitgeber gemeinsam mit den Beschäftigten noch stärker um das Thema kümmern und die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege stärken. Hiervon profitieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und das Unternehmen. Das ist ein Stück gelebte soziale Marktwirtschaft.“

Stefan Becker, Geschäftsführer, berufundfamilie gGmbH:

„Für die Charta sprechen zwei wichtige Gründe: Das bereits vorhandene Engagement hessischer Unternehmen soll sichtbar werden und dadurch sollen weitere Arbeitgeber ermutigt werden, sich aktiv mit der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege auseinanderzusetzen. Zudem ist „Pflege“ immer noch ein Tabuthema. Davon müssen wir wegkommen. Beschäftigte, die Verantwortung für ihre pflegebedürftigen Angehörigen übernehmen, sollten gewürdigt und unterstützt werden. Die Charta ist ein klares Zeichen dafür!“

Dr. Werner Scherer, Geschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) e.V.:

„Um Pflege und Beruf miteinander zu vereinbaren, bedarf es passgenauer Einzelfalllösungen. Sie müssen die Möglichkeiten und Notwendigkeiten sowohl der Arbeitnehmer als auch Betriebe prüfen, um für beide Seiten tragbare Lösungen zu entwickeln. Die Arbeitnehmer sollen ihre Angehörigen ohne schlechtes Gewissen pflegen könne. Die Betriebe müssen aber auch in die Lage versetzt werden, mit den Pflegezeiten planerisch umzugehen und ihre Betriebsabläufe zu sichern. Dies gelingt heute schon in immer mehr Betrieben. Mit unserer Initiative wollen wir einen Beschleuniger installieren.“

Fotos zum Thema Pflege stehen zum Download kostenfrei unter Angabe der Quelle  (berufundfamilie gGmbH) zur Verfügung: Bildarchiv http://www.beruf-und-familie.de/index.php?c=39  // Fotos von der Erstunterzeichnung werden nach der Veranstaltung am 18. November ab 17:00 Uhr zum Download unter www.berufundpflegehessen.de zur Verfügung gestellt.

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