Zweiter Hessischer Landessozialbericht vorgestellt

Thema: 
Soziales
04.12.2017Hessisches Ministerium für Soziales und Integration

„Wichtige Grundlage für eine zukunftsweisende Sozialpolitik in Hessen, auf der wir gemeinsam mit allen sozialpolitischen Akteuren den Dialog fortsetzen“

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Pressekonferenz Hessischer Landessozialbericht 2017
Dr. Felix Blaser, Dr. Stefan Höhl, Thomas Domnick, Stefan Grüttner und Dr. Jürgen Faik (v.l.n.r.)
© HMSI

Wiesbaden. Der Hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner, hat heute den 2. Hessischen Landessozialbericht vorgestellt, der gemeinsam mit einem Expertenbeirat erstellt wurde. Da Kinder der besonderen Fürsorge und eines besonderen Schutzes bedürfen, hat die Landesregierung das Schwerpunktthema „Kinderarmut“ in den Mittelpunkt des Berichts gestellt. „Hessen verfügt heute über ein hohes Maß an Wohlstand und sozialer Sicherheit. Um die Lebensbedingungen auch weiterhin positiv gestalten und verbessern zu können, ist es erforderlich, noch vorhandene Aufgaben zu identifizieren und zu analysieren. Die Daten aus dem 2. Hessischen Landessozialbericht sind eine wichtige Basis für zukunftsweisende sozialpolitische Entscheidungen“, erklärte Grüttner.

Aktueller Bericht grundlegend neu konzipiert

Während der erste Hessische Landessozialbericht im Jahr 2012 eine umfassende Gesamtschau lieferte, ist der aktuelle Bericht grundlegend neu konzipiert, thematisch fokussiert und in wesentlichen Details überarbeitet. Insbesondere wurden Armutsrisiken im Zusammenhang von Lebenslagen, also der Teilhabe an Lebensbereichen wie Bildung, Erwerbstätigkeit, Gesundheit, Wohnen und Partizipation, für einzelne Bevölkerungsgruppen vertieft ausgewertet. Die Studie bietet auf über 300 Seiten Fakten und Analysen zur sozialen Situation in Hessen. Diese werden durch Handlungsempfehlungen der Landesregierung sowie Kommentierungen und Empfehlungen des Expertenbeirats ergänzt, der den Bericht mitgestaltet hat.

Gezielte Armutsbekämpfung gefordert

Dr. Felix Blaser, Vertreter des Beauftragten der Evangelischen Kirchen am Sitz der Hessischen Landesregierung: „Eine gezielte Armutsbekämpfung kann nur gelingen, wenn auch Förderprogramme für besondere Zielgruppen etabliert werden. Neben Alleinerziehenden, älteren Menschen, Transferbeziehenden im ländlichen Raum, sind hier vor allem auch Kinder und Jugendliche zu nennen. Hier ist das Land in der Pflicht, gemeinsam mit den Akteuren in den Regionen nach passenden Strategien und Konzepten zu suchen - und die Umsetzung derselben zu fördern.“

„Wir als Wohlfahrtsverbände kennen die von Armut betroffenen Menschen unserer Bevölkerung und es kann nicht sein, dass Kinder in so einem reichen Land mittlerweile ein Armutsrisiko für Familien und Alleinerziehende darstellen“, erklärte Thomas Domnick, Vorstandsvorsitzender der Liga Hessen e. V..

„Arbeit ist der entscheidende Schlüssel gegen Armut und Ausgrenzung. Deshalb braucht es gute Bildung von klein auf und beschäftigungsfreundliche Rahmenbedingungen“, sagte Stefan Hoehl, Arbeitsmarkt- und Sozialexperte der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU).

Erfolgreiche Sozialpolitik Hessens

Der zweite Landessozialbericht zeige, so der Sozialminister, dass die Hessische Landesregierung bereits eine erfolgreiche Sozialpolitik für Hessen gestalte. „Hessen gehört zu den innovativsten und wirtschaftsstärksten Regionen der Europäischen Union zeichnet sich innerhalb Deutschlands durch eine hohe Wirtschaftsleistung aus. Eindrucksvoll ist, dass Hessen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial durch ein hohes Maß an Stabilität gekennzeichnet ist. Bei den materiellen Wohlstandsindikatoren zeige sich beispielsweise: Hessen ist überdurchschnittlich wohlhabend. Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst in Hessen 2015 ist mit rund 22,50 Euro der höchste unter allen Vergleichsländern. Mit Blick auf die vergleichsweise hohen Einkommen in Hessen lag die Armutsrisikoschwelle 2015 bei 988 Euro netto. Bei einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren lag der entsprechende Wert bei 2.075 Euro netto. Diese Personen wären in beispielsweise Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen nicht als armutsgefährdet eingestuft. Die Armutsrisikoquote lag in Hessen im Jahr 2015 mit 14,4 Prozent (Deutschland: 15,7 %) nach wie vor auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.

„Armutsgefährdung ist ein wesentliches Risiko für die Teilhabe- und Verwirklichungschancen von Kindern und Jugendlichen“, unterstrich der Sozialminister. Der 2. Landessozialbericht habe sich daher intensiv mit dem Thema der Kinderarmut auseinandergesetzt. Auch hier steht Hessen im bundesweiten Vergleich gut da: 2014 betrug die Armutsrisikoquote der unter 18-Jährigen 17,9 Prozent (Deutschland: 19,7 %). „Der bedeutendste Risikofaktor für die Armutsgefährdung von Kindern ist die fehlende oder unzureichende Erwerbsbeteiligung ihrer Eltern. Damit wird klar, der beste Schutz gegen Kinderarmut ist ein ausreichendes Eltern-Erwerbseinkommen“, betonte Grüttner.

Unterstützende Maßnahmen

„Hessen hat hierzu bereits zahlreiche unterstützende Maßnahmen wie z. B. das Ausbildungs- und Qualifizierungsbudget, Langzeitarbeitslosenprogramme, der Hessische Lohnatlas, Maßnahmen im Bereich Familie und Beruf, das Unterhaltsvorschussgesetz, oder die Entlastung der Eltern durch Kindergartenbeiträge auf den Weg gebracht. „Der Landessozialbericht zeigt deutlich, dass bei der Gestaltung der sozialen Rahmenbedingungen in Hessen in der Vergangenheit oftmals die richtigen Weichenstellungen zur Armutsbekämpfung und Prävention getroffen wurden. Derzeit planen wir mit dem Beirat die Einführung einer Wohnungslosenstatistik“, erklärte der Sozialminister. Die Landesregierung, so Grüttner weiter, werde sich sehr ausführlich mit der Frage befassen, welche politischen Konsequenzen aus den Ergebnissen zu ziehen sind und gemeinsam mit allen sozialpolitischen Akteuren den Dialog fortsetzen.“

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