Hessisches Ministerium für Soziales und Integration

Unsere Stimme zählt! Rassismuskritische Perspektiven junger Menschen nach Hanau | 2. Teil

10:30 - 16 Uhr
Kulturforum Hanau,  63450  Hanau

Vor zwei Jahren, am 19. Februar 2020, wurden in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet. „Wir haben ein Rassismusproblem“ – diese bittere Tatsache wird seitdem auch von einer breiten Öffentlichkeit stärker wahrgenommen und diskutiert.

Für junge Menschen mit Migrationsgeschichte war diese Erkenntnis nicht neu. Sie und ihre Communities berichten u.a. in sozialen Medien seit Jahren von alltäglichen Rassismuserfahrungen. Die Morde von Hanau zielten unmittelbar auf migrantisch gelesene Jugendliche und ihre Treffpunkte ab, was die jungen Menschen und ihre Familien tief in ihrem Sicherheitsbedürfnis getroffen und traumatisiert hat.

Rassismus ist ein über Jahrhunderte gewachsenes und ein allgegenwärtiges, vielschichtiges Phänomen, das alle Ebenen des sozialen Zusammenlebens durchdringt. Auch Schüler*innen erleben Erfahrungen mit verallgemeinernden Kategorisierungen und abwertenden Zuschreibungen, das Gefühl, zu „Anderen“ und zu „Nicht-Zugehörigen“ gemacht zu werden sowie von Ausgrenzungen und Benachteiligungen. Diese, oftmals subtilen Rassismuserfahrungen sind subjektiv häufig überaus bedeutungsvoll und haben Konsequenzen – zugleich können sie, insbesondere für jene, die diese Erfahrungen nicht machen müssen, weitgehend „unsichtbar“ und unerkannt bleiben.

Diese Veranstaltung legt den Fokus auf die Perspektiven von jungen Menschen im Rassismus-Diskurs. Dabei möchten wir die Erfahrungen und die Zäsur durch den Anschlag in Hanau aufgreifen.

Der erste Teil dieser Veranstaltungsreihe fand am 29. September 2021 statt und ist unter https://www.youtube.com/watch?v=dzco0flZp8wÖffnet sich in einem neuen Fenster abrufbar.
Wir fragen jetzt: was sind die Wünsche, Forderungen und Sorgen von jungen Menschen in Hessen? Wie können Schule, Jugendarbeit, Politik und Gesellschaft sie angemessen aufgreifen? Gibt es in der Schule Räume, Rassismuserfahrungen zu thematisieren? Welche Strukturen brauchen wir in Schulen? Hat sich etwas seit dem Anschlag von Hanau getan?
Wir wollen die Stimmen junger Menschen hören und in den Austausch gehen!

Wer sind wir?
Wir – das sind das Hessische Ministerium für Soziales und Integration zusammen mit den vier zivilgesellschaftlichen Integrationsvertragspartnern, der Bildungsstätte Anne Frank, dem Hessischen Jugendring, dem Landesverband Hessen des Deutschen Roten Kreuzes und dem Verband binationaler Familien und Partnerschaften. Die Veranstaltung wird in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium ausgerichtet.

Was bieten wir an?
Wir bieten eine Tagesveranstaltung in Präsenz mit einem Schwerpunkt auf Workshops zum Thema Rassismus an.
Schulklassen und Jugendgruppen können sich für die Teilnahme an dieser Veranstaltung bewerben.

Programm:
• 10:30 Uhr Ankommen
• 11:00 Uhr Begrüßung
• 11:30 Uhr Workshop-Phase mit Mittagspause
• 15:30 Uhr Get-Together (Präsentation der Ergebnisse)
• 16:00 Uhr Ende (Offizieller Teil)

Wer ist die Zielgruppe? Welche Workshops gibt es?
Es werden Workshops für die Zielgruppen 9. - 12. Klasse angeboten. Diese eignen sich für Schulklassen, aber auch für Gruppen in Jugendverbänden etc. Für die begleitenden Lehrkräfte und Jugendleiter*innen werden ebenso Workshops angeboten. Für die Workshops, die sich an Lehrkräfte richten, können sich auch Lehrkräfte ohne Schulklasse anmelden. Hier ist keine Bewerbung notwendig.
Die Workshops dauern ca. 4 Stunden und beinhalten sowohl Mittagspause als auch kleinere Pausen.

Workshops für Schüler*innen und Jugendgruppen

• Diskriminierung?! – So etwas gibt es bei uns in der Schule nicht!? (Hessisches Kultusministerium)
Ein Ziel des Workshops sollte sein, Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu bieten, ihre Erfahrungen mit Diskriminierung und Rassismus zu artikulieren. Darüber hinaus sollte eine Sensibilisierung gegenüber verschiedenen Arten von Diskriminierung und Rassismus vermittelt werden, die Dekonstruktion von Vorurteilen, die Förderung von Selbstreflexion und das Schärfen eines kritischen Urteilsvermögens.
Des Weiteren soll in dem Workshop vermittelt werden, welche Handlungsmöglichkeiten Schülerinnen und Schüler haben, an welche Ansprechpersonen sie sich wenden können und welche Einrichtungen auch außerhalb ihrer Schule zur Verfügung stehen, wenn sie mit diskriminierenden und rassistischen Äußerungen oder Verhaltensweisen konfrontiert werden.

• Religiöse Vielfalt - Identität und Projektion - Ein Peer-to-Peer Workshop (Bildungsstätte Anne Frank)
Welche Rolle spielt Religion in der heutigen Gesellschaft? Was hat Religion mit Identität zu tun? Wie wird Religion in den Medien dargestellt? Was bedeutet Religionsfreiheit? Welche Konsequenzen hat die Diskriminierung aufgrund von Religionszugehörigkeit bzw. Nicht-Zugehörigkeit?

• Antisemi-was? - Zum Umgang mit Antisemitismus an der Schule - Ein Peer-to-Peer Workshop (Bildungsstätte Anne Frank)
Die Phrase „Du Jude“ wird häufig als Schimpfwort benutzt, dabei wissen viele Jugendliche gar nicht, was genau dahintersteckt. Hier setzt der Workshop an: Was bedeutet eigentlich Antisemitismus? Was ist zu tun, wenn sich Judenfeindschaft äußert – auf der Straße, dem Schulhof, im Netz oder in meiner Playlist?

• Allianzen gegen Diskriminierung - Ein Peer-to-Peer Workshop (Bildungsstätte Anne Frank)
Diskriminierung ist Bestandteil unseres Alltags und beeinflusst unser Zusammenleben. Doch wo fängt Diskriminierung an und wie kann ich sie erkennen? Welche Rolle spielen meine eigenen Vorurteile in diesem Zusammenhang und wie können wir im Kampf gegen Diskriminierung Allianzen bilden? In dem vierstündigen Workshop möchten wir über Diskriminierung sprechen und gemeinsam überlegen, was eine demokratische Gesellschaft für ein gutes Miteinander braucht und wie wir zu Verbündeten für Betroffene werden können.

• „Der Hass, der uns spaltet, geht uns alle etwas an!“- Ein interaktives Allianztheaterstück vom Projekt Meschugge
Die Anschläge von Halle und Hanau waren für viele junge Menschen erschütternde Ereignisse, die gezeigt haben, dass antisemitisch und rassistisch motivierter Hass ein grundlegendes Problem in unserer Gesellschaft ist. Was kann man gegen diesen Hass tun und was hält uns als Gesellschaft zusammen? Das interaktive Allianztheaterstück zeigt verschiedene Situationen aus der Lebensrealität von jungen Menschen, in denen Antisemitismus und Rassismus thematisiert werden. Das Stück soll im Dialog mit dem Publikum und den Darsteller*innen dazu anregen Diskriminierung zu reflektieren und Handlungsansätze zu finden, dagegen vorzugehen.

• „Und woher kommst du wirklich?“- Ein Peer-to-Peer Workshop (HeRoes Offenbach)
Was bedeutet Heimat und Zugehörigkeit für junge Menschen, die Diskriminierung und Rassismus erfahren? Gibt es eine Mehrheitsgesellschaft? Was bedeutet Identität?
Gemeinsam mit den HeRoes Offenbach können Schüler*innen sich mit diesen Fragestellungen auseinandersetzen. Anhand theaterpädagogischer Methoden sollen ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus und anderen Diskriminierungsformen aufgegriffen werden und empowernde Impulse zum Umgang mit solchen Situationen erarbeitet werden.

• Lautstark gegen Rassismus – Empowerment-Perspektiven für Schüler*innen (Hessischer Jugendring / DIDF-Jugend - Jugendverband der Föderation Demokratischer Arbeitervereine)
Die Schule stellt für junge Menschen einen wichtigen Lebensmittelpunkt dar. Da sie ein Raum der Bildung, der Wissensaneignung und der Begegnung ist, bleibt die Schule von gesellschaftlichen Problemen und Diskursen nicht verschont. So ist Rassismus und Diskriminierungserfahrung für unzählige Schüler*innen Realität. In diesem Workshop möchten wir thematisieren, wie das Problem Rassismus in der Schule gemeinsam angegangen werden kann. Denn während sich der Rassismus über vermeintliche Unterschiede zwischen Menschen definiert, so definiert sich der Antirassismus über unsere Gemeinsamkeiten. Zu diesen und weiteren Fragen wollen wir gemeinsam Perspektiven entwickeln: Was können Schüler*innen gegen Rassismus tun? Welche Rolle können Schüler*innenvertretungen einnehmen? Wie gestaltet man antirassistische Projekte? Wie könnten Vernetzungen zwischen den Schulen, aber auch mit den lokalen Vereinen und Initiativen aussehen?

• „Lasst uns miteinander reden: Thema Alltagsrassismus/ rassismuskritische Reflexion“ – ein Sensibilisierungsworkshop für Schüler*innen (Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V.)
Hier soll ein moderierter Raum geschaffen werden, um über eigene oder beobachtete Diskriminierung und Rassismus zu sprechen. Durch pädagogische Methoden insbesondere des Perspektivwechsels werden die teilnehmenden Schüler*innen zur Selbstreflexion ihrer eigenen gesellschaftlichen Position und Privilegien angeregt. So können rassismuskritische bzw. diskriminierungssensible Kompetenzen gestärkt werden. Das können die Teilnehmer*innen individuell einem sogenannten Log-Buch festhalten, um die individuellen Reflexionsprozesse zu visualisieren. Aus Erfahrung bieten wir im Nachgang des Sensibilisierungsworkshops ein Reflexions- und Evaluationstreffen (online) an, um die Nachhaltigkeit im Verhalten sowie in der Denkweise/Sprache der Schüler*innen in Bezug auf Rassismus und Diskriminierung prozessbezogen zu evaluieren.

• Gemeinsam stark nach dem 19. Februar (Workshop der Bildungsinitiative Ferhat Unvar)
Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau 9 Menschen aus rassistischem Motiv erschossen. Diese Tat reiht sich in einer Chronologie rechter Gewalt und rechtem Terror ein. Das war ein Angriff auf das Zusammenleben aller Menschen in Deutschland. Wir möchten auf Grundlage des 19. Februars Schüler*innen einen Raum zum Austausch geben. Wir informieren die Teilnehmenden über die Geschehnisse, fragen uns was der Anschlag für gesellschaftliche Folgen hat und was das mit uns persönlich gemacht hat. Im Fokus des Workshops steht der kontinuierliche Widerstand von Betroffenen. Damit wollen wir nicht nur den Forderungen von Betroffenen Raum geben, sondern auch gemeinsam schauen, wie gesellschaftliche Teilhabe funktionieren kann.

Workshops für Lehrkräfte und Jugendleiter*innen

• Väter- und Familienbilder in der postmigrantischen Gesellschaft – ein Workshop für Lehrkräfte (Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V.)
Die Bedarfslagen von Vätern mit Migrationsgeschichte werden in Deutschland bislang kaum diskutiert und beachtet. Die Vielfalt ihres Lebensalltags und ihre Potenziale, auch im Hinblick auf Vaterschaft, werden genauso wenig wahrgenommen wie ihre individuellen Ressourcen und Anpassungsleistungen. Dabei können sie einen positiven Beitrag zur Entwicklung ihrer Kinder beitragen und diese auch im Umgang mit Rassismus und Diskriminierung stärken. Die große Heterogenität dieser Gruppe und die Perspektive Intersektionalität werden in diesem Workshop exemplarisch bearbeitet. Ein Fokus liegt dabei auf den Erfahrungen von Vätern mit Migrationsgeschichte selbst. Weiterhin wird reflektiert, wie migrantische Väter in der Elternarbeit angesprochen und einbezogen werden können.

• „Safe(r)/brave(r) spaces“- Räume für rassismuskritische und vielfaltssensible Bildungsarbeit – ein Workshop für Lehrkräfte (HeRoes Offenbach)
Von welchen Diskriminierungserfahrungen meiner Schüler*innen habe ich erfahren? Wurden diese Erfahrungen in der Klasse thematisiert? Wie ist der Umgang der Schule mit solchen Themen? Viele Schüler*innen berichten häufig, dass ihre Diskriminierungserfahrungen in der Schule nicht ernst genommen werden. Der Workshop möchte Lehrkräften die Möglichkeit geben, sich darüber auszutauschen, wie man im Schulkontext Räume für eine rassismuskritische und vielfaltssensible pädagogische Arbeit schaffen kann. Was sind Gelingensbedingungen, welche Ressourcen und Kompetenzen werden benötigt und was können Stolpersteine sein?

Wie kann man sich bewerben? Wann ist Bewerbungsschluss und an wen wird die Bewerbung gerichtet?

Form: Die Bewerbung kann wahlweise schriftlich oder per Videobeitrag erfolgen.
Inhalt: Die Bewerbung sollte verdeutlichen, warum die Gruppe eine solche Veranstaltung und einen Workshop zum Thema Rassismus für wichtig hält. Gerne kann die Bewerbung auch Ausführungen enthalten, was bereits zum Thema gemacht wird.
Bitte nutzen Sie für die Bewerbung das nachfolgende Formblatt.
Bewerbungsschluss ist der 8. April 2022.

Die Bewerbung geht an:
Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
Abteilung Integration
Frau Kron
Sonnenberger Straße 2/2a
65193 Wiesbaden
integration@hsm.hessen.de

Weiteres Vorgehen: Sobald die teilnehmenden Schulklassen bzw. Jugendgruppen feststehen, können sich diese für die einzelnen Workshops anmelden. Hierfür wird zu gegebener Zeit der Link für ein Onlinetool zur verbindlichen Anmeldung zugesandt.
Beachten Sie dabei, dass es notwendig sein wird, Klassenverbände zu teilen. Hintergrund sind die vor Ort begrenzten Räume für große Gruppen.

Wir freuen uns auf zahlreiche Bewerbungen aus ganz Hessen!

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