Sprachliche Bildung und Sprachförderung

Sprache und Kommunikation sind der Schlüssel zur Welt und zu einem erfüllten Leben. Sprachentwicklung beginnt bereits vor der Geburt und wird durch die Familie besonders geprägt. Die Fähigkeit zur Kommunikation ist eine wichtige Kompetenz, die Menschen brauchen, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Kinder lernen die Sprache oft nebenbei und vor allem beim Spielen. Jeden Tag macht ein Kind im Alltag viele Fortschritte und erfährt, wie Sprache gebaut ist und welche Regeln es hierfür gibt - die meisten Kinder können leicht ein- oder mehrsprachig aufwachsen.

Aber auch die sprachliche Bildung in den Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege spielt eine große Rolle, hier lernen die Kinder nicht nur von den Erwachsenen, sondern mit- und voneinander. Dies ist wichtig für das spätere Leben und auch für die sozial-emotionale Entwicklung. Gerade auch bei dem Übergang in die Grundschule. Kindern, die sich ausdrücken können, fällt es leichter sich zurecht zu finden.

Den Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege kommt hier eine wichtige Aufgabe zu. Das Land Hessen unterstützt die Träger bei dieser Aufgabe. Es fördert eine umfassende alltagsintegrierte sprachliche Bildung aller Kinder in der Kindertagesbetreuung. Am wirksamsten ist die sprachliche Unterstützung, wenn sie von qualifizierten und gut ausgebildeten Fachkräften durchgeführt wird. Diese Förderung muss möglichst schon bei sehr jungen Kindern beginnen, langfristig angelegt und Teil des Alltags sein.

Mit der Übergabe der Zuwendungsbescheide startet das hessische Kompetenzzentrum für sprachliche Bildung und Förderung in der frühen Kindheit „Kinder.Sprachen.Zukunft“ in seine erste Förderphase. Die Übergabe erfolgt am 11. Februar 2026 in der Handwerkskammer Wiesbaden durch Frau Ministerin Heike Hofmann. Mit dem neuen Kompetenzzentrum stärkt Hessen nachhaltig die sprachliche Bildung von Kindern – von Anfang an.

Die Einrichtung der Koordinierungsstelle wurde bereits im Dezember 2024 im Kabinett beschlossen und im August 2025 im Rahmen einer Regierungserklärung weiter konkretisiert. Ziel ist die Entwicklung eines tragfähigen, praxisgerecht umsetzbaren und wissenschaftlich fundierten Gesamtkonzepts zur Sprachbildung und Sprachförderung in Hessen. Dieses baut auf dem bewährten Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen (BEP) auf und verbindet ihn mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur frühen Sprachentwicklung, Mehrsprachigkeit, Medienbildung und Inklusion.

„Sprachliche Bildung ist der Schlüssel zu Bildungserfolg und gesellschaftlicher Teilhabe. Mit dem Kompetenzzentrum schaffen wir eine starke, landesweite Struktur, die Forschung, Praxis und Bildungspolitik systematisch miteinander verzahnt und so allen Kindern in Hessen zugutekommt“, betont Frau Ministerin.

Das Angebot richtet sich an Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflegepersonen, Fachberatungen, Träger sowie Eltern. Ziel ist es, allen Kindern – unabhängig von sprachlicher Herkunft oder individuellen Entwicklungsbedingungen – echte Chancen auf umfassende gesellschaftliche Teilhabe zu eröffnen.

Das Kompetenzzentrum bündelt wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse zu wirksamen Sprachfördermaßnahmen, unter anderem im Bereich digitaler Medien, Mehrsprachigkeit sowie KI-gestützter Beratung. Diese werden adressatengerecht aufbereitet und durch qualitätsgesicherte Fortbildungsangebote, digitale Lernressourcen sowie medienpädagogische Konzeptentwicklung ergänzt.

Kooperative Netzwerke werden strukturell verankert, um den Wissenstransfer landesweit zu sichern und die Praxisanbindung zu ermöglichen. Damit entsteht ein zentraler Knotenpunkt für nachhaltige Professionalisierung und Qualitätsentwicklung im Bereich der sprachlichen Bildung in Hessen.

Träger des Kompetenzzentrums ist ein fachlich hochqualifiziertes Konsortium aus der Arbeitsgruppe Inklusive Pädagogik und dem Zentrum für Informations- und Medientechnologie (ZIM) an der Universität Paderborn unter der Leitung von Prof. Dr. Timm Albers sowie der Qualität in Kitas Online-Akademie GmbH (QiK OnlineAkademie) mit der Geschäftsführerin Marion Lepold.

Prof. Dr. Albers zählt bundesweit zu den führenden Wissenschaftlern im Bereich der sprachlichen Bildung in der frühen Kindheit. Marion Lepold bringt ausgewiesene Expertise in der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung sowie in der digitalen Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte ein und ist bundesweit eng mit Praxis und Trägerlandschaft vernetzt.

Die Hauptgeschäftsstelle des Kompetenzzentrums wird in der Landeshauptstadt Wiesbaden eingerichtet. Nach der Aufbau- und Konzeptionierungsphase ist im Juni eine landesweite Auftaktveranstaltung geplant. Mit dem Start des Praxisangebots wird das Kompetenzzentrum seine Arbeit für die hessischen Einrichtungen und Familien sichtbar aufnehmen. 

Mit „Kinder.Sprachen.Zukunft“ setzt Hessen ein starkes Zeichen für Bildungsgerechtigkeit, Qualität und Innovation in der frühen Kindheit.

Die Träger von Kindertageseinrichtungen können, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, folgende Förderung erhalten:

Die sogenannte Schwerpunkt-Kita-Pauschale nach §32 Abs. 4 Hessisches Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch (HKJGB) erhalten Kindertageseinrichtungen, in denen ein Mindestanteil von Kindern, in deren Familie vorwiegend nicht deutsch gesprochen wird oder aus Familien, für die einkommensabhängige Leistungen Dritter an den Träger der Tageseinrichtung erbracht werden, betreut wird. Diese Mittel können u.a. für die Unterstützung der Sprachförderung der Kinder in der Tageseinrichtung eingesetzt werden. Zusätzlich erhält der Einrichtungsträger nach §32b Abs. 2 HKJGB auch eine Pauschale für eine Fachberatung, die zur Umsetzung der Maßnahmen berät. (Link zur Förderung HKJGB)

Mit dem Landesprogramm "Sprachförderung für Kinder im Kindergartenalter"Öffnet sich in einem neuen Fenster sollen insbesondere Kinder mit besonderem Sprachförderbedarf unterstützt werden.

Aus dem Programm werden zwei Schwerpunkte gefördert:

  • Maßnahmen zur Unterstützung der sprachlichen Bildung und Entwicklung von Kindern mit besonderem Sprachförderbedarf und
  • Fortbildungen für Fachkräfte und sonstige für die Sprachförderung geeignete Personen

 

Das Landesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ fördert die bis zur Einstellung des Bundesprogramms Sprach-Kitas am 30. Juni 2023 geförderten (Sprach-)Fachkraftstellen und (Sprach-)Fachberatungen vom 1.7.2023-31.12.2026 in Form einer Bestandssicherung weiter. Das Programm ergänzt die bestehende Landesförderung für Sprachbildung und -förderung und richtet sich an Kitas, die von einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit sprachlichem Förderbedarf besucht werden.

Die Kita-Teams werden durch zusätzliche (Sprach-)Fachkräfte mit Expertise im Bereich der sprachlichen Bildung verstärkt, die direkt in der Kita tätig sind.

Sie beraten, begleiten und unterstützen die Kita-Teams bei der Weiterentwicklung der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung und der Umsetzung in den Kita-Alltag und auch zu den Themen inklusive Pädagogik, die Zusammenarbeit mit Familien und den Einsatz digitaler Medien sowie der Integration medienpädagogischer Fragestellungen in die sprachliche Bildung. Zusätzlich finanziert das Programm eine zusätzliche Fachberatung, die die Qualitätsentwicklung in den Sprach-Kitas kontinuierlich und prozessbegleitend unterstützt.

Das Land unterstützt alle hessischen Kindertageseinrichtungen durch den Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren (BEP) mit Fortbildungsangeboten - auch zur sprachlichen Bildung-, die allen Fachkräften kostenfrei zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen dazu finden Sie hierÖffnet sich in einem neuen Fenster

Modellprojekte unterstützen die fachliche Weiterentwicklung. Neue Erkenntnisse der Wissenschaft und innovative Ansätze werden erprobt, weiterentwickelt und tragen zur Qualitätsentwicklung in der Praxis bei.

  • Modellprojekt „Landkarte Sprachlicher Bildung“
    Von 2020-2023 hat die Pädagogische Hochschule Heidelberg in Kooperation mit der Katholischen Stiftungshochschule München im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales das Vorhaben „Landkarte sprachlicher Bildung und Förderung – Vielfalt sichtbar machen“ in einer zweiteiligen Studie umgesetzt. In einer ersten Projektphase wurde in einer trägerübergreifenden Befragung untersucht, welche Ansätze der sprachlichen Bildung und Förderung in Kindertagesstätten favorisiert und unter welchen Bedingungen umgesetzt werden. In der zweiten Projektphase wurden in einer Vertiefungsstudie die Gelingensbedingungen erforscht, die für qualitativ hochwertige Sprachförderung benötigt werden und wie sich diese verbessern lassen. Die Ergebnisse werden in allen weiteren Prozessen zur Entwicklung eines zukunftsfähigen Sprachförderkonzepts auf der Grundlage des Bildungs- und Erziehungsplans für Kinder von null bis zehn Jahren in Hessen (BEP) berücksichtigt. 
    Weitere Informationen dazu finden Sie hierÖffnet sich in einem neuen Fenster.

Am 17. und 18. Juni 2024 hat das HMSI erstmalig ein digitales Zukunftsforum Sprachbildung und -förderung in der frühkindlichen Bildung in Hessen durchgeführt mit dem Ziel herauszufinden, wie ein zukunftsfähiges Konzept für sprachliche Bildung und Sprachförderung auf Basis des Bildungs- und Erziehungsplans für Kinder von null bis zehn Jahren in Hessen (BEP) für hessische Kitas aussehen kann.

Gemeinsam mit Experten aus Wissenschaft und Praxis sollten im Rahmen des Zukunftsforums die Erkenntnisse aus der hessischen Studie zur Landkarte Sprache, aus dem Programm Sprach-Kitas sowie die bundesweiten Expertisen und die Praxiserfahrungen der Fachkräfte in Hessen zusammengeführt werden. Daran anschließend wurden Ideen gesammelt, die die künftige Entwicklung eines zukunftsfähigen Sprachförderkonzeptes befördern. Es sollten hessenspezifische Voraussetzungen berücksichtigt, Anreize gesetzt und perspektivisch Maßnahmen gebündelt werden, um die Sprachkompetenzen von Kindern individuell und bedarfsorientiert zu fördern.

Das Zukunftsforum hat erstmals und bundesweit einmalig die gelebte Vielfalt der Ansätze, Projekte und Programme zusammengeführt, um ein zukunftsfähiges Sprachförderkonzept zu entwickeln. Auf Basis der Erkenntnisse wird nun in den entsprechenden Gremien und Projekten weitergearbeitet.

Weitere Informationen finden Sie hier: https://zukunftsforum-sprache.de/Öffnet sich in einem neuen Fenster

Veranstaltungshinweise

Bereits seit 2006 nehmen Mitglieder der Hessischen Landesregierung im November am Bundesweiten Vorlesetag teil. Die Besuche werden vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration organisiert. Initiiert wird er Aktionstag von DIE ZEIT, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung. Der Aktionstag setzt ein öffentliches Zeichen für die Bedeutung des Vorlesens und begeistert Kinder und Erwachsene für Geschichten.

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