In Wetzlar hat Sozialministerin Heike Hofmann am Freitag nun einen Bescheid an den Caritasverband Wetzlar/Lahn-Dill-Eder e.V. übergeben, um mit dem Projekt „Wohnraumhilfe Lahn-Dill“ eines der ersten Housing-First-Vorhaben im Rahmen der neuen Landesförderung zu unterstützen.
„Wohnungs- und Obdachlosigkeit ist eine der drängenden sozialen Herausforderungen unserer Zeit – natürlich insbesondere für die Betroffenen. Doch die Bewältigung fordert auch Kommunen, freie Träger und das Land. Wir setzen dabei auf eine langfristig angelegte Strategie“, führte Sozialministerin Hofmann in Wetzlar aus. Der Housing-First-Ansatz stehe dabei für einen Perspektivwechsel. Auch Forschungsergebnisse des gemeinnützigen und unabhängigen GISS-Instituts zeigten, dass die Methode für Betroffene mit oft vielfältigen persönlichen Problemen sehr hilfreich sei und ihnen Perspektiven eröffne.
Wohnraumhilfe Lahn-Dill
„Das Projekt ‚Wohnraumhilfe Lahn-Dill‘ steht dafür beispielhaft: Hier wird eine Wohnung ohne Vorbedingungen bereitgestellt. Gleichzeitig werden die Menschen, die den Wohnraum in Anspruch nehmen, professionell von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern sowie pädagogisch begleitet und abgesichert. Sie erhalten Hilfe im Umgang mit Behörden oder praktische Unterstützung im Alltag“, so Hofmann weiter. „Dass das Projekt in die bestehenden Strukturen des Caritashauses Wetzlar eingebettet ist und auf vorhandenen Angeboten für wohnungs- und obdachlose Menschen aufsetzt, ist dabei nur folgerichtig: Funktionierende Netzwerke und eine enge Zusammenarbeit zwischen Land, Kommunen und freien Trägern sind für den Erfolg entscheidend“, sagte die Ministerin.
Housing-First-Projekte richten sich insbesondere an Menschen, die aufgrund ihrer schwierigen persönlichen Situation auf dem regulären Wohnungsmarkt kaum Chancen haben. Die strategische Ausrichtung orientiert sich dabei im Rahmen der Landesstrategie an den Erkenntnissen der GISS, die in ihren Forschungen Handlungsbedarf für Hessen aufgezeigt hat. Neben der „Wohnraumhilfe Lahn-Dill“ bestehen in Hessen auf kommunaler Ebene bereits Housing-First-Ansätze von Trägern. „Neu ist die gezielte, perspektivisch angelegte und über mehrere Jahre erfolgende Förderung mit dem Ziel, Strukturen zu stärken und landesweit tragfähige Lösungen zu entwickeln“, erläuterte Hofmann.
Förderung des Projekts bis 2028
Für das Jahr 2026 fördert das Land Hessen das Projekt in Wetzlar zunächst mit rund 57.000 Euro. Insgesamt ist für 2026 eine Förderung von bis zu 150.000 Euro vorgesehen. Darüber hinaus ist 2027 und 2028 eine Fortführung mit jeweils 150.000 Euro pro Jahr geplant. Ergänzend ist im Lahn-Dill-Kreis mittelfristig auch der Aufbau einer Fachstelle zur Wohnraumsicherung vorgesehen, die Präventions- und Koordinationsstrukturen stärkt und Wohnungsverlust frühzeitig entgegenwirkt.
„Mit unserer Förderung setzen wir ein Signal der Verlässlichkeit. Planungssicherheit ist eine zentrale Voraussetzung für tragfähige Angebote, die Menschen nicht nur kurzfristig unterstützen, sondern ihnen dauerhaft Perspektiven eröffnen. Unsere Landesstrategie ist kein fertiges Konzept, das wir Trägern und Kommunen überstülpen. Wir wollen es vielmehr als ressortübergreifenden Entwicklungsprozess verstanden wissen. In diesen ist die Hessische Fachkonferenz Wohnungslosenhilfe (HFKW) als zentrales landesweites Fachgremium eng eingebunden, in dem Kommunen, freie Träger und der Landeswohlfahrtsverband Hessen zusammenarbeiten“, so die Ministerin.
„In der HFKW bringen wir unsere fachliche Expertise aus Praxis und kommunaler Verantwortung ein und gestalten die Weiterentwicklung gerne aktiv mit – partnerschaftlich und praxisnah. Besonders wichtig ist uns, dass die Strategie als ein gemeinsam zu gestaltender Prozess verstanden wird. Das Ministerium geht damit den richtigen Weg und setzt auf das, was in der Wohnungsnotfallhilfe entscheidend ist: Verlässlichkeit, Innovation und Kooperation“, fügte Jessica Magnus hinzu, die als Referentin für Wohnungsnotfallhilfe des Caritasvrbands für die Diözese Limburg e.V. Mitglied der HFKW ist.
„Unser Anspruch ist Sozialpolitik auf Augenhöhe, die auf Austausch, Beteiligung und eine enge Zusammenarbeit zwischen Land, Kommunen und freien Trägern setzt. Das lösen wir mit der Landesstrategie ein“, schloss Sozialministerin Hofmann.
Hintergrund GISS-Studie:
Das Hessische Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales hat die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die bei der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung (GISS) in Auftrag gegeben wurde. Diese analysiert verdeckte Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit in Hessen und erfasst das Ausmaß verdeckter Wohnungslosigkeit, von Straßenobdachlosigkeit und drohender Wohnungslosigkeit und analysiert bestehende Hilfs- und Präventionsstrukturen.
Die Studie basiert auf einer landesweiten Befragung von Kommunen, Jobcentern und Trägern der Wohnungslosenhilfe sowie auf Fallstudien und qualitativen Interviews. Für den Erhebungszeitraum im September 2023 weist die Untersuchung ein Mindestausmaß von rund 1.700 Menschen aus, die in Hessen ohne Unterkunft leben sowie rund 1.900 verdeckt wohnungslose Personen. Darüber hinaus wurden knapp 1.400 Präventionsfälle erfasst, bei denen ein konkretes Risiko des Wohnungsverlusts bestand. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass insbesondere bei verdeckter Wohnungslosigkeit von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen ist.
Die Studie nimmt auch Entwicklungsbedarfe und Weiterentwicklungsmöglichkeiten in den Blick und hebt besonders präventive Ansätze sowie die Bedeutung integrierter Unterstützungsangebote hervor. Die Ergebnisse liefern damit eine wissenschaftliche Grundlage für die Weiterentwicklung von Präventionsstrategien und Hilfestrukturen in Hessen.“