Der Kampf gegen Wohnungslosigkeit ist ein Schwerpunkt der Arbeit der Hessischen Landesregierung. Im Rahmen einer Pressekonferenz hatte Sozialministerin Heike Hofmann bereits Anfang Juli 15 Modellprojekte vorgestellt, die gezielt insbesondere Prävention und Vermittlung in Wohnraum stärken. An zwei dieser Projekte hat Sozialstaatssekretärin Manuela Strube nun am Donnerstag in Kassel Bescheide übergeben. Das Housing-First-Projekt der Sozialen Hilfe Kassel e.V. sowie die präventiv tätige Fachstelle Wohnraumsicherung der Stadt Kassel erhalten für die kommenden drei Jahre 450.000 bzw. rund 370.000 Euro an Fördermitteln.
„Ich freue mich, dass wir diese wichtigen Maßnahmen gemeinsam auf den Weg bringen. Unsere Förderung ist nicht nur finanzielle Unterstützung – sie schafft konkrete Perspektiven für Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt kaum eine Chance haben. Unser Ziel muss sein, Wohnungsverlust zu verhindern und Wohnungslosigkeit – wo immer möglich – gar nicht erst entstehen zu lassen. Prävention bedeutet deshalb, frühzeitig hinzuschauen, Risiken zu erkennen und passende Unterstützung anzubieten, bevor aus einer schwierigen Situation eine existenzielle Notlage wird“, sagte Staatssekretärin Strube. Wo Wohnungslosigkeit bereits eingetreten sei, benötigten Menschen hingegen ein verlässliches Zuhause – hier setze Housing First an, so Strube weiter: „Eine eigene Wohnung ist dabei nicht erst das Ergebnis erfolgreicher Hilfe, sondern die Grundlage dafür, dass die weiteren Schritte überhaupt gelingen können.“
Housing First: Mit Wohnraum zurück in einen geregelten Alltag
Das Housing-First-Projekt setzt die Soziale Hilfe e.V. in Kassel in Kooperation mit der Diakonie Region Kassel und der Heilsarmee Kassel um. Housing First bedeutet, dass wohnungslosen Menschen Wohnraum ohne größere Vorbedingungen als Basis zur Verfügung gestellt wird. Gleichzeitig wird Unterstützung in Form von sozialpädagogischer und sozialarbeiterischer Begleitung angeboten, insbesondere in der Nachsorge. Die Wohnraumvermittlung und -akquise stehen dabei zunächst im Fokus.
„Bereits seit etwas über zehn Jahren ist der Wohnungsmarkt auch in Nordhessen angespannter. Dem galt es mit Housing First etwas entgegenzusetzen, um den wohnungslosen Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt in Konkurrenz mit anderen finanziell bessergestellten Bevölkerungsgruppen liegen, bessere Chancen einzuräumen. Das hauptsächlich über den Europäischen Sozialfonds – EhAP Plus – finanzierte Projekt ist inzwischen erfolgreich angelaufen, viele Menschen konnten in eine eigene Wohnung vermittelt werden und dabei unterstützt werden, diese zu halten“, sagte Josua Volp, Geschäftsführer von Soziale Hilfe e.V. „Um den Erfolg zu gewährleisten haben wir mit Housing First Step Two nun eine weitere Förderung erhalten, um der Nachsorge der zunehmenden Mieterinnen und Mieter gerecht zu werden und um die Wohnraumakquise über weitere Öffentlichkeitsarbeit stärker voranzutreiben. Wir freuen uns ausgesprochen über diese Möglichkeit und hoffen, Housing First Kassel in der Zukunft fest im hiesigen Hilfesystem implementieren zu können“, so Volp weiter.
Kasseler Fachstelle: proaktive Prävention
Die bereits seit 30 Jahren bestehende Fachstelle setzt hingegen früher an: Sie hat zum Ziel, Menschen vor drohender Wohnungs- bzw. Obdachlosigkeit zu bewahren. Da das Angebote jedoch oft nicht rechtzeitig wahrgenommen wird, werden die Mitarbeitenden nun im Zuge einer Erweiterung noch mehr auf aufsuchende Sozialarbeit setzen, um proaktiv über Angebote, Hilfen und Möglichkeiten zu informieren, die bei drohendem Wohnraumverlust bestehen. Dabei arbeitet die Stadt Kassel eng mit anderen Akteuren zusammen, etwa auch dem Housing-First-Projekt.
„Seit einigen Jahren ist eine steigende Zahl von Räumungsklagen und Zwangsräumungen zu verzeichnen“, teilte die Kasseler Sozialamtsleiterin Anja Deiß-Fürst mit. „Bereits Monate vor einer möglichen Zwangsräumung geraten viele Betroffene durch Mietrückstände, Kündigungen oder finanzielle Schwierigkeiten unter erheblichen Druck. Genau in dieser Phase bestehen häufig noch gute Chancen, den Wohnraum dauerhaft zu sichern und genau dort setzt unser neues Projekt an. Wir möchten präventive Wohnraumsicherung dauerhaft als gefestigten Bestandteil der kommunalen Sozialpolitik etablieren. Jeder verhinderte Wohnungsverlust bedeutet für die Betroffenen mehr Sicherheit, Menschenwürde und Perspektive“, so Deiß-Fürst weiter, die den Bescheid für die Stadt Kassel entgegennahm.
Damit die geschilderten Ansätze erfolgreich sein könnten, benötige man engagierte Partnerinnen und Partner vor Ort, führte die Staatssekretärin aus: „Deshalb danke ich an dieser Stelle allen, die die Projekte auf den Weg gebracht haben und nun mit Leben füllen. Sie leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass aus dem Anspruch auf Unterstützung konkrete Hilfe und neue Perspektiven werden. Für die Umsetzung wünsche ich allen viel Erfolg und vor allem, dass möglichst viele Menschen durch dieses Projekt ein sicheres Zuhause und neue Perspektiven gewinnen“, so Strube abschließend.
Hintergrund: Die 15 Modellprojekte gegen Wohnungslosigkeit in Hessen
Das Land fördert hessenweit 15 Modellprojekte zur Prävention und Bekämpfung von Wohnungslosigkeit. Ziel ist, Wohnungsverlust möglichst früh zu verhindern, Wege in dauerhaftes Wohnen zu eröffnen und die Zusammenarbeit der beteiligten Stellen zu verbessern. Für die Projekte stellt das Land Hessen im Zeitraum 2026 bis 2028 insgesamt mehr als 6,1 Millionen Euro bereit.
Gefördert werden sechs Fachstellen zur Wohnraumsicherung, die bei Mietschulden, Kündigungen und Konflikten im Mietverhältnis beraten und die Wohnungsverlust möglichst früh verhindern sollen. Zudem sechs Housing-First-Projekte, die wohnungslose Menschen dabei unterstützen, Zugang zu dauerhaftem Wohnraum zu erlangen. Die eigene Wohnung steht dabei am Anfang des Hilfeprozesses. Letztlich werden auch zwei Projekte zum Schnittstellenmanagement gefördert, die die Zusammenarbeit an wichtigen Übergängen optimieren, etwa aus Kliniken, Einrichtungen oder dem Justizvollzug sowie ein Projekt für wohnungslose Frauen in Frankfurt am Main.