In Hessen leben – konservativ geschätzt – zwischen 40.000 und 70.000 queere Menschen, die 65 Jahre und älter sind. Queere Seniorinnen und Senioren haben oft besondere Bedarfe – etwa dadurch, dass sie häufig kinderlos sind und weniger familiäre Unterstützung erhalten oder durch Erfahrungen von Ausgrenzung und Ablehnung.
Die Landesfachstelle LSBT* im Alter trägt in Hessen wesentlich dazu bei, dass sexuelle und geschlechtliche Vielfalt etwa in der kommunalen Altersplanung, in der Altenhilfe, bei der Pflege oder in der Pflegeausbildung berücksichtigt und verankert wird. Die von der Lesben Informations- und Beratungsstelle (LIBS e.V.) und der AIDS-Hilfe Frankfurt (AHF) getragene Einrichtung wird seit 2020 durch das Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales gefördert. Ministerin Heike Hofmann hat LIBS e.V. und AHF nun am Donnerstag den Bescheid über 225.000 Euro für das laufende Jahr übergeben.
„Ein akzeptierendes Umfeld schaffen“
„Die Fachstelle LSBT* im Alter hat mit ihren vielfältigen Angeboten in den vergangenen Jahren einen ganz wesentlichen Beitrag dazu geleistet, landesweit für die Belange älterer und pflegebedürftiger Menschen aus der queeren Community zu sensibilisieren. Mir ist es sehr wichtig, dass wir für queere Seniorinnen und Senioren ein akzeptierendes Umfeld schaffen. Das Projekt von LIBS und AHF trägt dazu bei, dass queere Menschen hier in Würde altern können und dass sich Demütigungen, die viele der Seniorinnen und Senioren auf ihrem Lebensweg erfahren haben, im Alter nicht wiederholen“, sagte Ministerin Hofmann im Rahmen der Übergabe.
Die Landesfachstelle verbindet Sensibilisierung, Qualifizierung und Vernetzung mit konkreter Praxisunterstützung. Sie organisiert Fachveranstaltungen und Fortbildungen, leistet Vernetzungsarbeit und steht mit kommunalen Akteurinnen und Akteuren im Austausch – etwa bei der Planung der Altenhilfe. LSBT* im Alter arbeitet damit eng entlang der im Aktionsplan Akzeptanz und Vielfalt 2.0 (APAV 2.0) des Landes verankerten Ziele und Vorhaben.
„Ich bin sehr gespannt auf ein geplantes Unterrichtsmodul für Pflegeschulen, dass die Landesfachstelle derzeit gemeinsam mit einer Gruppe von Expertinnen und Experten erarbeitet. Die Zusammenarbeit mit den Schulen hat sich bewährt – und auf die gute Arbeit, die hier geleistet wurde, können wir aufbauen. Ich freue mich, dass das Wirken der Fachstelle so gut nachgefragt wird und bin mir sicher, dass das Thema, in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnt“, so Ministerin Hofmann.