Hessisches Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales

Landesregierung unterstützt Pilotprojekt zur Einrichtung einer Männerschutzwohnung

Häusliche Gewalt betrifft zu einem weit überwiegenden Teil Frauen – ein Aspekt, dem mit der Umsetzung des Gewalthilfegesetzes und dem Ausbau des Frauenschutzsystems in Hessen Rechnung getragen wird. Allerdings ist jede fünfte von Partnerschaftsgewalt betroffene Person männlich (20,7 Prozent laut Bundeslagebild Häusliche Gewalt des BKA von 2024). Das Dunkelfeld ist um ein Vielfaches größer, was die im Februar 2026 veröffentlichte Dunkelfeldstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ des Bundes bestätigt.

Sozialministerin Heike Hofmann hat dem Flexible Jugendhilfe e.V. in Darmstadt deshalb nun einen Bescheid über 35.000 Euro für ein Pilotprojekt zur Einrichtung einer sogenannten Männerschutzwohnung übergeben. Der Förderzeitraum erstreckt sich vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2026. Die Wohnung, die der Verein schaffen möchte, soll zwei Männern und ihren Kinder Platz bieten.

„Männer sind weit häufiger von Partnerschaftsgewalt betroffen als bisher meist angenommen – psychisch wie körperlich. Ausmaß und Intensität der Gewaltbetroffenheit zwischen Frauen und Männern sind sicherlich nicht vergleichbar, doch die Daten zeigen: Es handelt sich hier nicht um Einzelfälle, weshalb auch in diesem Bereich Schutzstrukturen vonnöten sind“, sagte die Ministerin am Dienstag. Aktuell existiere in Hessen keine solche Unterkunft, selbst bundesweit seien es bislang gerade einmal 18 Männerschutzwohnungen mit 55 Plätzen. „Ich danke dem Verein Flexible Jugendhilfe, dass er sich dieses Themas annimmt“, so Hofmann weiter.

„Wir freuen uns, das innovative Pilotprojekt Männergewaltschutzwohnung im Auftrag der hessischen Landesregierung umsetzen zu dürfen. Es ist dringend geboten, dem Tabuthema häusliche Gewalt gegen Männer mit einem konkreten Hilfeangebot zu begegnen. In der Schutzwohnung finden betroffene Männer eine sichere Unterkunft sowie professionelle fachliche Begleitung. Unsere qualifizierten Fachkräfte unterstützen die Männer nicht nur bei der Bewältigung ihres Alltags, sondern auch durch geschlechtssensible psychosoziale Beratung sowie die Überleitung in ein stabiles Lebensumfeld“, so Boris von Heesen, geschäftsführender Vorstand der Flexiblen Jugendhilfe e.V.

Hessen folgt damit auch der Richtlinie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, mit der die Europäische Union verbindliche Mindeststandards für Prävention, Schutz, Unterstützung und Intervention geschaffen hat. Darin wird häusliche Gewalt ausdrücklich als Form verstanden, die alle Personen betreffen kann. Die Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, Hilfesysteme so auszugestalten, dass sie allen Betroffenen offenstehen und unterschiedliche Formen, Schweregrade und Bedarfe berücksichtigen.

„Häusliche Gewalt hat viele Gesichter. Und sie macht vor Geschlecht, Alter oder sozialem Status nicht Halt. Dennoch sind männliche Opfer in unserer Gesellschaft noch immer viel zu oft unsichtbar oder werden nicht ernst genommen“, so Ministerin Hofmann weiter: „Deshalb übernehmen wir Verantwortung: Wir erkennen an, dass Schutz vor häuslicher Gewalt universell ist.“

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Matthias Schmidt

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