Die Landesregierung hat sich dem Kampf gegen Armut verschrieben und will erreichen, dass möglichst alle Hessinnen und Hessen über eigene vier Wände als Rückzugsraum verfügen: Anlässlich des Tags der wohnungslosen Menschen am 11. September 2026 hat Sozialministerin Heike Hofmann jetzt die gemeinsame Landesstrategie vorgestellt, mit der es gelingen soll, Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu überwinden. „Allein in Hessen leben rund 29.000 Menschen in kommunalen Notunterkünften, zusätzlich rund 1.700 Menschen auf der Straße bzw. in Behelfsunterkünften. Weitere rund 1.900 Menschen sind verdeckt wohnungslos. Wohnungs- und Obdachlosigkeit gehört zu den härtesten Formen sozialer Not. Unser Ziel muss sein, dass Menschen möglichst gar nicht wohnungslos werden – und dass sie, wenn sie es bereits sind, Hilfe erhalten, die erreichbar, wirksam und auf ihre Lebenslage zugeschnitten ist. Das wollen wir mit unserer ressortübergreifenden Strategie erreichen, die bestehende Ansätze bündelt“, erläuterte die Ministerin.
Wohnungs- und Obdachlosigkeit kein Problem der Ballungsräume allein
Einen wichtigen Orientierungsrahmen auf europäischer Ebene bildet die Lissabon-Erklärung, in der 2021 das politische Ziel formuliert wurde, Wohnungs- und Obdachlosigkeit bis 2030 zu überwinden. Auch der Bund hat sich dieses Ziel mit dem Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit gesetzt. Eine im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales von der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung e. V. (GISS) durchgeführte Studie zeigt für Hessen, dass Wohnungslosigkeit kein lokales und auch kein Problem der Ballungsräume, sondern zunehmend auch eines im ländlichen Raum ist.
„Unter dem Leitgedanken ‚Chancen schaffen: Wohnungs- und Obdachlosigkeit in Hessen verhindern – regional, sozialräumlich, wirkungsorientiert‘ bündeln wir über die Ressortgrenzen hinweg bereits existierende Maßnahmen und nehmen zum Beispiel die Prävention in den Fokus: Hier setzen unsere sechs hessenweit geplanten Fachstellen zur Wohnraumsicherung an, die Betroffene frühzeitig bei Mietschulden, Kündigungen und drohendem Wohnungsverlust unterstützen. Mit unseren sechs Housing-First Modellprojekten helfen wir Menschen mit nur unter geringen Vorbedingungen zur Verfügung gestelltem Wohnraum. Und wir wollen Schnittstellen besser gestalten, die klassischerweise zu Wohnungsverlust führen: Deshalb widmen sich zwei Projekte diesem kritischen Übergang etwa aus Frauenhäusern, dem Justizvollzug, der Jugendhilfe oder aus medizinischen Einrichtungen“, führte Hofmann aus.
Bedürfnisse einzelner Zielgruppen berücksichtigt
Dabei fänden auch besondere Zielgruppen Berücksichtigung, etwa mit einem geschützten Tagesaufenthalt für obdachlose Frauen in Frankfurt, dem Wohnen nach dem Frauenhaus, dem Projekt Männerschutzwohnung oder mit regionalen Modellen für Menschen in prekären Lebenslagen. Mit einem Beratungsstellenfinder und Verwaltungsdigitalisierung solle zudem der Zugang zu Beratung und Sozialleistungen verbessert werden. Darüber hinaus werde Gewaltprävention ebenso wie Hitze- und Kälteschutz einbezogen und bezahlbarer Wohnraum gestärkt – etwa mit sozialer Wohnraumförderung, Belegungs-, Benennungs- und Besetzungsrechten. Eine wichtige Rolle im weiteren Prozess komme der Hessischen Fachkonferenz Wohnungslosenhilfe (HFKW) zu, in der sich Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, von Landeswohlfahrtsverband, Kommunen und freier Wohlfahrtspflege untereinander austauschen und vernetzen.
„Wir wollen Chancen schaffen. Wir machen in Hessen aus Einzelmaßnahmen eine erkennbare gemeinsame Linie – präventiv, regional und wirkungsorientiert. Unsere so gewonnen Erfahrungen und Erkenntnisse werden wir auswerten und in den landes- und bundesweiten Austausch einbringen, damit wir letztlich gemeinsam unser Ziel erreichen: Wohnungs- und Obdachlosigkeit in Hessen zu überwinden“, schloss Sozialministerin Hofmann.