Wie bleibt man im Gespräch, wenn Meinungen auseinandergehen? Und kann ausgerechnet Motzen ein Weg zu mehr Dialog sein? Dialog-Trainerinnen und -Trainer geben dazu im Rahmen des Projekts „Dialog-Trainerinnen und -Trainer für Hessen“ bei Workshops im ganzen Land ihr Wissen weiter. Mit der Vermittlung von Gesprächsstrategien schulen sie Dialog-Botschafterinnen und -Botschafter, die wiederum Menschen zu offenem Austausch bei Aktionstagen einladen – zum Beispiel in sogenannten Motz-Bunden.
Staatssekretärin Katrin Hechler hat am Samstag in Bad Nauheim eine solche Motz-Bude besucht – einen öffentlichen Gesprächsort, der einlädt, Themen, Kritik und Sorgen offen an- und auszusprechen. Die Dialog-Botschafterinnen und -Botschafter hören zu und schaffen Raum für respektvolle Begegnung – auch dann, wenn Meinungen auseinandergehen.
Offener Austausch in der Motz-Bude
„Mein Eindruck ist, dass die Motz-Bude Demokratie ganz unmittelbar erlebbar macht. Menschen kommen miteinander ins Gespräch, äußern ihre Sorgen und Kritik in aller Offenheit und erfahren, dass ihre Stimme gehört wird. Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung ist dieser direkte Dialog wichtig – schließlich lebt Demokratie davon, dass wir einander zuhören, unterschiedliche Perspektiven aushalten und miteinander im Gespräch bleiben“, so Hechler.
Hechler übergab in Bad Nauheim zudem einen Bescheid über 40.000 Euro für das laufende Projektjahr an Mo:Lab e. V. als Träger. Mit „Dialog-Trainerinnen und -Trainer für Hessen“ fördert das Land 2026 den Aufbau eines landesweiten Netzwerks für professionelle Dialogarbeit, um Menschen zu befähigen, auch bei kontroversen, konfliktbeladenen oder diskriminierenden Positionen im Gespräch zu bleiben. „Der offene Austausch schafft die Möglichkeit, Vorurteile zu hinterfragen und abzubauen, gegenseitiges Verständnis zu fördern und Solidarität zu stärken. Damit wollen wir im Sinne der Demokratie Dialogkompetenz im Alltag vermitteln – in den Kommunen, in der Zivilgesellschaft, im öffentlichen Raum“, so Hechler weiter.
Bis zu 380 Dialogbotschafterinnen und -botschafter
Dafür werden bis zu zwölf Dialog-Trainerinnen und -Trainer ausgebildet. Sie führen hessenweit Workshops durch und begleiten lokale Dialogprozesse. Auf diesem Weg sollen wiederum zwischen 240 und 380 Dialog-Botschafterinnen und -Botschafter qualifiziert werden, die das Gelernte vor Ort umsetzen.
Die fachliche Koordinierung übernimmt die Stabsstelle Antidiskriminierung im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales. Umgesetzt wird das Projekt vom Mo:Lab e. V. unter der fachlichen Leitung von Mo Asumang und Frank Labitzke. Der Ansatz verbindet demokratische Haltung mit praxisnaher Dialogarbeit im öffentlichen Raum und ist wissenschaftlich evaluiert. „Mir ist es wichtig, dass wir offen und versöhnlich miteinander umgehen und niemanden in die Scham drücken. Die Menschen sind am Ende einer Motz-Bude so dankbar und das ist schon etwas Besonderes“, so Projektleiterin Mo Asumang.
„Mit diesen Landesmitteln erzielen wir eine hohe Reichweite – zugleich leisten wir einen nachhaltigen Beitrag zur Stärkung der Dialog-, Demokratie- und Antidiskriminierungskultur in Hessen“, sagte Staatssekretärin Hechler abschließend.